Eine Bürgerinitiative wehrt sich und will auch Fledermäuse schützen. NEW: Noch ist nichts entschieden.

Vier neue Räder
Windräder sollen im Westen der Stadt Strom erzeugen.

Windräder sollen im Westen der Stadt Strom erzeugen.

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Windräder sollen im Westen der Stadt Strom erzeugen.

Mönchengladbach. „Wir sind nicht gegen die Windkraft, doch die kann und muss an der richtigen Stelle platziert werden“, sagt Simon Lautes. Der 45-Jährige ist Naturwissenschaftler und einer der Sprecher der Gruppe „Windkraft mit Abstand“.

Die macht einigermaßen viel Wind um vier Riesenwindkraftanlagen, die die NEW südlich des Hardter Waldes und nördlich des Buchholzer Waldes plant.

Bislang gibt es keine Beschlüsse, wohl aber Absichtserklärungen. Man wolle „richtig loslegen“, wenn in Kürze weitere Gutachten vorliegen, die aufschluss über die Verträglichkeit der rund 150 Meter hohen Rotoren – höher als der Kölner Dom – geben sollen, erklärt NEW-Vorstandsmitglied Rainer Hellekes. Die Vier seien die Einzigen und blieben es vorerst auf Gladbacher Stadtgebiet.

Über 1000 Unterschriften sind schon gesammelt

Auch Lautes misst den Expertisen, die spätestens Mitte 2013 präsentiert werden sollen, große Bedeutung bei. Sie sollen klären, ob und wie die Riesenräder der Vogelwelt, aber auch den Fledermäusen schaden. Letztere nachtaktive Säugetiere sterben sehr oft einen qualvollen Tod, wenn sie ihre Kurven im Umfeld der Windräder drehen. Wegen der Luftdruckunterschiede kommt es zum Druckschub. Die Tiere platzen wie Luftballons, sagen Kenner.

Soweit will es weder Hellekes noch Lautes kommen lassen. Die Bürgerinitiative (BI) mit ihren über 100 Mitgliedern setzt daher auf Aufklärung und „notwendige Abstände“ der Räder zu Bebauung und/oder Landschaftsschutzgebieten.

Investor NEW hat im Internet ein Forum geschaltet, in dem sich Gegner wie Befürworter zum Projekt Windkraft äußern können.

Die vier Anlagen sollen rund 12,7 Millionen Euro kosten und 20 Millionen Kilowattstunden/Jahr (kWh) erzeugen. Das sind laut NEW 1,6 Prozent des Strombedarfs, vornehmlich im Stadtgebiet.

Vor der Sommerpause soll auch in der Politik entschieden werden, ob gebaut wird oder nicht.

Laut Lautes will die NEW gerade in „lärm- unvorbelasteten Landschaftsschutzgebieten die Stromerzeuger mit nur 150 Metern Abstand von Rad zu Rad errichten. Der 45-Jährige: „Wir haben dafür überhaupt kein Verständnis, dass Ruhezonen, die auch von Spaziergängern genutzt werden, mit dem Lärm der Windkraftanlagen belastet werden.“

Es gebe „andere, bessere Standorte“, so der BI-Sprecher. Auf die Frage, an welche er konkret denke, fällt ihm Wanlo ein. Ein Gebiet, das ohnehin belastet ist, Stichwort näher rückender Braunkohletagebau. In NEW-Inforunden sagten deren Vertreter, dass man in Entfernungen von 500 bis 750 Metern zu den Ortschaften Mennrath, Hilderath, Baum und Wickrathhahn bauen will.

Erst Gutachten, dann Entscheidung?

Bislang gibt es für das Windkraft-Quartett keine Beschlüsse, auch nicht des Stadtrates. Neben Hellekes unterstreicht auch Lothar Beine (SPD-Fraktionschef) die Notwendigkeit der regenerativen Energiegewinnung. „Liegen die Gutachten vor, werden wir schnell in den NEW-Gremien entscheiden“, sagt Beine, der NEW-Holding-Aufsichtsratschef ist.

Die Bürgerinitiative verstärkt ihren Druck. Sie hat über 1000 Unterschriften gesammelt - und sammelt weiter. Eine „Verspargelung unserer schönen Heimat“ müsse verhindert werden, so Lautes. Beim Bemühen „Ja zur Windkraft, aber mit genügend Abstand zu den Bürgern und nicht in schützenswertem Raum“ werde man mittlerweile auch von „lokalen Politikern“ unterstützt. Mehr: www.windkraft-mg.de

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