Inklusion
Kleine Helfer für ein normales Schulleben: Ein sehbehinderter Schüler kann mit einer Lupe lesen.

Kleine Helfer für ein normales Schulleben: Ein sehbehinderter Schüler kann mit einer Lupe lesen.

dpa

Kleine Helfer für ein normales Schulleben: Ein sehbehinderter Schüler kann mit einer Lupe lesen.

Mönchengladbach. Der Mönchengladbacher Sozialverband VdK fordert, dass auf „politische Lippenbekenntnisse“ Taten folgen. Er macht sich stark dafür, immer mehr behinderten Kindern den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen. In einer Umfrage will der Verband herausgefunden haben, dass die meisten Mönchengladbacher Schulen nichts gegen diese Inklusion haben. Jetzt appelliert der VdK an Schuldezernent und Schulträger, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

„Die Politiker warten immer auf gesetzliche Grundlagen, anstatt selbst einmal initiativ tätig zu werden“, sagt VdK-Vorsitzender Bernhard Wilms. Er kritisiert, dass zwar in vielen Grund- und Hauptschulen integrative Konzepte Realität seien, nicht jedoch in anderen Schulen. „Das muss ausgeweitet werden. Behinderte Schüler sollten auch die Chance haben, Realschulen oder Gymnasien zu besuchen“, so Wilms.

„Die Schulen wollen integrativen Unterricht.“

Bernhard Wilms, VdK

Der VdK hat im Juni eine Befragung der Mönchengladbacher Schulen zu diesem Thema abgeschlossen. Anlass sei gewesen, dass in einem Pressegespräch des Schuldezernenten im August 2010 erklärt worden sei, dass sich die weiterführenden Schulen weigerten, integrativen Unterricht einzuführen. Neun Schulen, darunter zwei Real- und drei Gesamtschulen sowie vier Gymnasien, nahmen an der VdK-Befragung teil.

„Die Schulen wollen integrativen Unterricht. Aber sie haben uns auch mitgeteilt, dass oft die Voraussetzungen dafür fehlen“, sagt Wilms. So mangle es zum Beispiel an behindertengerechten Toiletten und Räumen. „Da muss mancher Schüler seinen behinderten Mitschüler die Treppen rauf tragen, weil er sonst nicht in die Klasse kommt“, sagt der Vdk-Vorsitzende. Auch eine statistische Erfassung der Förderschüler und Kinder mit Behinderung gebe es nicht.

Diese Kritik stößt bei der Stadt eher auf Unverständnis. „Das ist eine riesige gesellschaftliche Umwälzung, die Zeit braucht. Wir sind aber auf dem richtigen Weg. Die Inklusion ist das bestimmende Schul-Thema der nächsten Zeit“, sagt Pressesprecher Dirk Rütten. Man müsse an einem Strang ziehen und es sei wenig effektiv, „schmutzige Wäsche zu waschen“. Zudem sei es nicht richtig, dass es keine konkreten Zahlen zu Förderschulen und Kindern mit Behinderung in Mönchengladbach gebe.

„Die Stadt Mönchengladbach wird ihren Teil dazu beitragen.“

Statement der Stadt

In einem zum Schulanfang veröffentlichten Statement heißt es: „Die Stadt Mönchengladbach wird ihren Teil dazu beitragen, allen Kindern die gleichen Bildungs-Chancen einzuräumen und inklusive Beschulung im Regelschulbetrieb zu etablieren.“ Im März ist eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die Handlungsansätze entwickeln soll. Konkrete Ergebnisse soll es im Herbst geben. Außerdem ist die Stelle eines Koordinators in Sachen Inklusion bei der Schulaufsichtsbehörde ausgeschrieben worden.

Nach Angaben der Stadt besuchen in Mönchengladbach rund 1689 Kinder eine Förderschule. An zwölf Grundschulen wird gemeinsamer Unterricht angeboten. Acht weiterführende Schulen bieten integrative Lerngruppen an, darunter die Katholische Hauptschule Rheindahlen oder die Realschule Wickrath. Auffällig: Sechs der acht Einrichtungen sind Hauptschulen. Momentan soll geprüft werden, inwieweit bestehende Regelschul-Gebäude eine integrative Nutzung ohne größere bauliche Veränderungen erlauben. Außerdem erwarte man, dass das Land bis zum Ende des Jahres erste Regelungen zur Realisierung der Inklusion an die Hand gebe, so die Stadt.

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