Rund 200 Freunde und Bekannte bei Umzug.

Der Trauermarsch auf dem Weg zum Theatervorplatz an der Hindenburgstraße.
Der Trauermarsch auf dem Weg zum Theatervorplatz an der Hindenburgstraße.

Der Trauermarsch auf dem Weg zum Theatervorplatz an der Hindenburgstraße.

Heike Ahlen

Der Trauermarsch auf dem Weg zum Theatervorplatz an der Hindenburgstraße.

Mönchengladbach. „David M. muss der Letzte sein“, steht auf einem der Plakate, das die 200 trauernden Menschen am Samstag durch die Straßen tragen. Angehörige und Freunde von David M., der am Mittwoch in der Düsseldorfer Uniklinik starb, haben zu dem Marsch vom Rheydter Markt bis zum Stadttheater aufgerufen, um Abschied zu nehmen.

In der Nacht zum vorvergangenen Sonntag war David M. nach einer verbalen Auseinandersetzung vom Sohn eines Kioskbesitzers an der Waldhausener Straße niedergeschlagen worden. Er stürzte so unglücklich aufs Pflaster, dass er an den Folgen starb.

Die Atmosphäre ist emotional. Einige weinen ganz offen. Auch der Bezirksvorsteher Süd, Karl Sassenrath (Bündnis-Grüne), ist gekommen, um der Familie sein Beileid auszusprechen und Hilfe anzubieten. Mit anderthalb Stunden Verspätung setzt sich der Trauerzug dann in Bewegung.

Das Opfer stammt aus dem Kongo

Vorher mahnt einer der Organisatoren zur Ruhe und Besonnenheit: „Das hier ist eine Sache des Respekts für David, wir sind für David hier und für niemand anderen.“ Die Menschen applaudieren. Der Trauerzug wird von der Polizei begleitet. Denn die Ermittler wissen, dass im Umfeld des toten Jungen noch jede Menge Wut vorhanden ist. Viele glauben, dass da mehr vorgefallen sein soll als ein tragisches Unglück.

Dann geht es los. Einige Frauen stimmen afrikanische Gesänge an. Die Familie von David M. stammte aus dem Kongo. „Es geht uns um Gerechtigkeit für den Jungen“, sagt Pastor Paul von der evangelischen Pfingstgemeinde. „Das Leben eines Afrikaners ist genauso viel wert wie das jedes anderen Menschen“, ergänzt André Onguene von der afrikanischen Gemeinschaft. Durch ihre Worte klingt ein leiser Vorwurf. Denn auch das gehört zu den Forderungen der Demonstranten: „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Gesetzeslage ändert“, sagt ein junger Mann. „Dass jemand, der einfach so zuschlägt, strenger bestraft werden kann.“

Gruppe löst sich und zieht zur Waldhausener Straße

Im Laufe des Zuges nehmen die Emotionen zu. Eine Gruppe versucht, den Zug umzulenken, so dass er doch an dem Kiosk vorbeizieht. Veranstalter und Polizei können das verhindern.

Nach der Abschlusskundgebung am Theatervorplatz macht sich dann doch eine größere Gruppe Menschen in Richtung Kiosk auf. Kurz bevor sie dort ankommen, werden sie von der Polizei gestoppt. Nach dem Versprechen, keine Aktionen gegen den Kiosk und ihre Betreiber zu planen, sondern nur kurz dort beten zu wollen, bekommen sie die Erlaubnis. Die Gesamtbilanz der Polizei: „Es kam während des insgesamt nicht ganz störungsfreien und emotionalisierten Verlaufs zu keinen erkennbaren Straftaten oder Festnahmen.“

Polizeibeamte bewachen weiterhin den Kiosk und versuchen, die Familie des beschuldigten Schlägers zu schützen. Der verschlossene Kiosk soll schwer beschädigt worden sein – von wem, das ist nicht bekannt.

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