An der Heppendorfstraße gibt es seit zwei Monaten den Nordkaukasischen Kulturverein.

In traditioneller Tracht und mit traditioneller Musik auf dem Akkordeon und der Geige trainieren die Kinder den tscherkessischen Folkloretanz.
In traditioneller Tracht und mit traditioneller Musik auf dem Akkordeon und der Geige trainieren die Kinder den tscherkessischen Folkloretanz.

In traditioneller Tracht und mit traditioneller Musik auf dem Akkordeon und der Geige trainieren die Kinder den tscherkessischen Folkloretanz.

Knappe

In traditioneller Tracht und mit traditioneller Musik auf dem Akkordeon und der Geige trainieren die Kinder den tscherkessischen Folkloretanz.

Mönchengladbach. Sie wollen ihre Kultur, Sprache und Tradition aufrecht erhalten: Seit zwei Monaten gibt es an der Heppendorfstraße den Nordkaukasischen Kulturverein. „Wir sind Tscherkessen und unsere Vorfahren lebten im Nordkaukasus“, erklärt Vereinsmitglied Yusuf Bilgen.

Aus der Heimat vertrieben, leben Tscherkessen heute in Diaspora

Im 19. Jahrhundert nach Beendigung der russisch-kaukasischen Kriege wurde rund 750 000 Tscherkessen in das damalige Osmanische Reich zwangsumgesiedelt – stattdessen wurden Russen in ihrer Heimat angesiedelt. Seitdem leben viele Tscherkessen in der Diaspora, zum größten Teil außerhalb des Kaukasus: In der Türkei, in Syrien, Jordanien, Israel, in den USA – und eben auch in Gladbach. „Ein berühmter Vertreter unseres Volkes ist übrigens Cem Özdemir“, weiß das Vereinsmitglied.

Bilgen selbst ist 1979 nach Mönchengladbach gekommen. „Mein Vater hat uns damals aus der Türkei geholt“, erinnert sich Yusuf Bilgen. Bis heute ist er Vorsitzender des Tscherkessischen Kulturvereins in Wuppertal, gemeinsam mit seinem Bruder Esef hat er nun auch einen Verein in Gladbach gegründet. „Mein Bruder hat den Vorsitz inne, das wäre mir dann doch etwas zu viel gewesen“, sagt Bilgen. Für ihn, seine Familie und die rund 25 weiteren tscherkessischen Familien in Gladbach ist es eine große Bereicherung, nun auch einen Kulturverein in unmittelbarer Nähe zu haben.

Mehrmals pro Woche treffen sich die Mitglieder an der Heppendorfstraße 84. „Jeden Sonntag frühstücken wir gemeinsam. Außerdem finden jede Woche Sprachkurse statt“, erzählt Bilgen. Es gibt hauptsächlich zwei Dialekte des Tscherkessischen: Kabardinisch und Adygeisch. „Meine Frau und ich sind beispielsweise mit unterschiedlichen Dialekten aufgewachsen. Das muss man sich so vorstellen, als ob jemand Gladbacher Platt spricht und sein Gesprächspartner Bayrisch“, erklärt Bilgen. Die Sprachen ihrer Vorfahren zu erhalten, läge dem Verein sehr am Herzen. „Schließlich ist uns dies bis heute, seit 150 Jahren in der Diaspora gelungen.“

Gemeinsam frühstücken, plaudern, tanzen und Sprache lernen

Ein weiterer wichtiger kultureller Programmpunkt des Vereins ist das regelmäßige Folkloretanzen für Kinder. In traditioneller tscherkessischer Tracht wird getanzt und musiziert, vor allem auf dem dafür typischen Instrument, dem Akkordeon. „Meine drei Töchter machen natürlich auch mit, spielen Geige, Akkordeon und Flöte“, sagt Bilgen stolz.

Die tscherkessischen Traditionen und Sprachen vor allem an die Kinder weiterzugeben, sei besonders wichtig. „Ohne den Bezug zu ihrer eigenen Herkunft, verlieren sich junge Menschen schnell.“

Dennoch will sich der Nordkaukasische Verein nicht abschotten. „Wir sind offen für Besucher, die Interesse an unserer Kultur haben“, sagt Bilgens Gattin, die selbst sehr engagiert im Verein ist.

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