Der Gladbacher Zigaretten-Großhändler Hall hält seinen Umsatzverlust durch Zukäufe in Grenzen.

Mönchengladbach. Piet atmet tief durch. Er ist ein bisschen stolz auf sich. Seit drei Wochen ist er rauchfrei und auf dem besten Wege seine guten Vorsätze aus der Silvesternacht in die Tat umzusetzen - wenn auch verspätet.

Er hat viele Vorbilder: Im vergangenen Jahr haben die Deutschen 34 Milliarden Zigaretten weniger geraucht als 2007. Der Trend wird sich fortsetzen. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen: Die Menschen haben in Krisenzeiten weniger Geld in ihren Börsen.

Doch gute Vorsätze oder Sparer sind nicht das Problem des Gladbacher Tabakwaren-Großhändlers Hall. Das 1903 gegründete Familien-Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Gewinnverlust von etwa zehn Prozent hinnehmen müssen. "Vor allem das Rauchverbot in Restaurants und Gaststätten hat uns im vergangenen Jahr hart getroffen", sagt Geschäftsführer Michael Reisen. Weniger Raucher am Tresen, bedeuten eben weniger Raucher an den Automaten in der Kneipe.

Durch die Einführung der Zigaretten-Automaten mit Alterskontrolle und des Nichtrauchergesetzes hat Hall im Automatengeschäft im Vergleich zu 2006 etwa 100 Millionen Euro Umsatz eingebüßt.

Doch Reisen sieht die Gladbacher Glimmstengel-Vertreiber nicht in der Krise: "Automaten wird es immer geben, sie sind die sicherste Verkaufsform für Zigaretten." Außerdem gebe es ja noch das Großhandelsgeschäft und da hat Hall seinen Umsatz steigern können - durch Aufkäufe von Konkurrenten.

Die Firma Hall setzte netto im vergangenen Jahr 657,8 Millionen Euro um. In 2007 waren es 660,9 Millionen.

Hall machte im vergangenen Jahr vor Steuern 7,7 Millionen Euro Gewinn. Das sind knapp zehn Prozent weniger als 2007.

2007 gab es 35000 Hall-Zigarettenautomaten, 2008 noch 32500.

Der Zigarettenkonsum der Deutschen ist von 2003 (174 Milliarden) bis 2008 (140 Milliarden) um knapp 20 Prozent gesunken.

Hall Tabakwaren wurde 1903 von Josef Hall gegründet. Er betrieb ein Einzelhandelsgeschäft mit Zigarren, Rauchtabak und Zigaretten. 1936 wurde es von Sohn Hans Hall fortgeführt. Er begann mit der Aufstellung von Zigarettenautomaten. Seinem Sohn Jürgen Hall gehört die Firma heute.

"Der Kuchen im Zigarettenhandel ist verteilt. Es geht nur noch darum, wer das größte Stück auf dem Teller hat", sagt Reisen. Wachstum sei ein Mittel, um sich gegen die Krise zu wappnen. "Wir brauchen eine Betriebsgröße, mit der man wirtschaftlich arbeiten kann."

Der Schmuggler ist der größte Feind des Tabakhändlers

Hall hat im vergangenen Jahr dennoch zwei der acht bundesweiten Standorte zusammenfassen müssen, die Belegschaft ist um 42 Mitarbeiter geschrumpft. In der Gladbacher Firmenzentrale wurde aber kein Job gestrichen.

"Wir sind gut aufgestellt für die Zukunft. Und wir geben nur das aus, was wir auch haben", sagt Reisen, der sich keine Sorgen machen würde, wenn da nicht der Zigaretten-Schmuggel wäre: "Ohne den könnten wir 20 Arbeitsplätze mehr schaffen."

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