Die Karnevalistinnen tanzten auf Stühlen. Topstars aus Köln zu Gast.

Die Karnevalistinnen tanzten auf Stühlen. Topstars aus Köln zu Gast.
Die Temperaturen bei den Holter Hausfrauennachmittagen erinnern an Hochsommer.

Die Temperaturen bei den Holter Hausfrauennachmittagen erinnern an Hochsommer.

Ilgner

Die Temperaturen bei den Holter Hausfrauennachmittagen erinnern an Hochsommer.

Es sind gerade erst wenige Minuten vergangen, da stehen die Damen schon auf den Stühlen. „Leev Marie“ singen die Paveier, die bei der größten Damensitzung des Mönchengladbacher Karnevals den Auftakt bestreiten. Die Damen singen lautstark mit, tanzen und werden zum größten Chor der Stadt. Im Festzelt an der Immelmannstraße herrschen schon zu Beginn der Sitzung tropische Temperaturen. Die Damen setzen daher auf luftige Kostüme mit teils wenig Stoff. Den Künstlern auf der Bühne macht es sichtlich Spaß, den Närrinnen einzuheizen.

1800 Damen sind gekommen, um mit der KG Immer lustig Holt zu feiern. Weil das Zelt so riesige Ausmaße hat, hängt in der Mitte eine Leinwand, damit auch die hintersten Reihen alles sehen können. Doch darauf kommt es vielen gar nicht an. Die Damen möchten Musik hören und ausgelassen feiern. Genau deshalb haben Redner es schwer beim Holter Hausfrauennachmittag. Anders Achnes Kasulke. Ihr hören die meisten zu und die Lacher sind ob der hellen Stimmen gewaltig. Kasulke berichtet von ihrem Ehemann Erwin und anderen Familienmitgliedern. So habe sie ihrem Vater das Nägelkauen abgewöhnt, indem sie ihm das Gebiss versteckte. Als sie gegen Ende ihres Auftritts dann doch zu einem Lied ansetzt, rasten die Holter Damen sofort wieder aus. Musik kommt bei ihnen eben doch am besten an. Das zeigt sich spätestens beim Auftritt der Räuber. Die Band gehört fest zum Repertoire einer jeden Holter Damensitzung. „Ich hab’s schon oft gesagt und ich bleibe dabei: Bei Euch ist die geilste Stimmung!“, ruft Frontmann Charly Brand den Damen zu, die es ihm jubelnd danken.

„Im Rheinland gibt es wenige Sitzungen die mit Holten mithalten.“

Charly Brand, Frontmann der Räuber

Die Band hat noch keinen Ton gespielt, da hält es niemanden mehr auf den Stühlen. Jede Liedzeile wird textsicher mitgesungen und beim Medley der alten Räuber-Stücke wird das Festzelt zum Tollhaus. Die Damen steigen nun nicht nur auf die Stühle, sondern teils auch auf die Tische, die bedenklich wackeln. Die Temperaturen sind längst auf Sauna-Niveau gestiegen und manch einer Dame läuft der Schweiß über das Gesicht. Doch das stört niemanden. Sie fordern laut eine Zugabe nach der nächsten. „Im ganzen Rheinland gibt es höchstens zwei oder drei Sitzungen, die mit den Holter Mädels mithalten können“, resümiert Charly Brand nach dem Auftritt. Er geht nach der Session in den karnevalistischen Ruhestand. Die Auftritte in Holt seien für ihn Höhepunkte gewesen.

Hinein in diese tobende Menge zieht das Tanzcorps der Kölner Rheinveilchen. Mit ihrer puren Akrobatik versetzen sie das Publikum in schieres Staunen. Mariechen Ilka Strenge läuft zur Hochform auf und animiert die Damen zum Mitklatschen. Die Flugeinlagen und hoch anspruchsvollen Hebefiguren quittieren die Damen immer wieder mit Jubelschreien, als hätte Borussia die Meisterschaft gewonnen. Das Festzelt bebt und nun stehen sie vor der Türe: Die Prinzengarden samt Prinzenpaar. Unter Gardisten heißt es, dass man in Holt eigentlich eine mit Teflon beschichte Hose brauche, denn die Uniformträger sind bei den Damen hoch begehrt. Der Einzug gerät daher immer wieder ins Stocken. Auf der Bühne hat Prinz Norbert I. natürlich nichts zu melden. Niersia Barbara buttert ihn zusammen mit den Damen immer wieder unter. Der Prinz spielt mit. Am Samstag gibt es die zweite Auflage der Damensitzung.

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