Wer seine Rechnung nicht zahlen kann, muss nicht sofort im Dunkeln sitzen.

Strom
Rentner, Arbeitslose und Geringverdiener sind von der Stromsperrung oft betroffen.

Rentner, Arbeitslose und Geringverdiener sind von der Stromsperrung oft betroffen.

Frank Kindervatter (NEW), Hanna Masuhr, Ursula Winbeck und Klaus Müller (alle Verbraucherzentrale, v. l.) präsentieren das neue Konzept.

Knappe, Jochmann, Bild 1 von 2

Rentner, Arbeitslose und Geringverdiener sind von der Stromsperrung oft betroffen.

Mönchengladbach. Seit der Energiewende vor zwei Jahren geht die Schere immer weiter auseinander: Während die Preise für Energie um 15 Prozent gestiegen sind, haben besonders die Menschen am unteren Einkommensbereich monatlich nicht mehr Geld in der Tasche. Die Folge: Eine steigende Zahl von Haushalten kann ihre Rechnung nicht mehr bezahlen. Ihnen droht die Sperrung von Strom und Gas. Betroffen sind landesweit zu 40 Prozent Hartz-IV-Empfänger und ebenso viele Geringverdiener sowie zu einem Fünftel Rentner.

Acht Kommunen machen derzeit bei dem Projekt mit

„Energie gehört ebenso wie ein Dach über dem Kopf zur notwendigen Existenzsicherung“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Um Menschen mit kleinem Einkommen zu unterstützten, startet seine Einrichtung das Modellprojekt „NRW bekämpft Energiearmut“. Mönchengladbach ist eine von acht Kommunen, in denen es jetzt individuelle Beratung für von Energieschulden Betroffene gibt.

Der Kühlschrank ist kaputt, ein neuer muss gekauft werden. Die Familie wächst und zieht in eine größere Wohnung: „Auf einmal reicht das Geld nicht mehr für den Strom“, beschreibt Ursula Winbeck, Fachberaterin Energiearmut bei der Verbraucherzentrale, die Probleme. Meist habe der Schuldner keinen Überblick über seine Finanzsituation. Immer sei es eine Katastrophe ohne Wärme, Licht und Strom zu dazustehen: „Ich habe nie erlebt, dass die Menschen nicht bezahlen wollen“, erklärt die Fachberaterin.

Sie versucht mit dem Schuldner eine langfristige Lösung zu entwickeln – durch umfassende Finanzplanung, Ratschläge zum Energiesparen und Rechtsberatung. Das Ziel: Existenz sichern und Neuverschuldung vermeiden. „Wenn notwendig verweise ich auch an die Schuldnerberatung“, sagt Ursula Winbeck. Das Projekt läuft bis Ende 2015 und wird vom Land insgesamt mit 1,5 Millionen Euro unterstützt.

In Gladbach ist die NEW mit 30 000 Euro jährlich mit im Boot: „Für uns eine Chance, die hohen Kosten beim Zahlungsverkehr zu senken“, sagt Frank Kindervatter, NEW-Vorstandsmitglied.

Rund 5600 Fälle jährlich gibt es im NEW-Gebiet. Wird eine Rechnung nicht bezahlt, kommt nach zehn Tagen zunächst eine Mahnung, dann die Sperrandrohung. Nach vier bis fünf Wochen wird gehandelt.

Bei der Verbraucherzentrale unter RY 49000.

Auch der Energieversorger musste in den letzten zwei Jahren mehr Haushalten den Strom sperren. Allerdings nachdem die NEW drei Tage vorher mit dem Schuldner Kontakt aufgenommen hat: „Wir bieten dann eine Ratenabzahlung an“, beschreibt Frank Salewski, Leiter des NEW-Kundencenters.

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