Mehr als 5.000 Gladbacher haben mindestens eine scharfe Schusswaffe.

Mönchengladbach. Nach dem Amoklauf von Winnenden ist das Waffenrecht in der Diskussion. Kommt man in Deutschland zu leicht an Waffen? Werden Waffenbesitzer zu selten kontrolliert?

Tim Kretschmers Vater war Sportschütze und Waffensammler. Er hatte ordnungsgemäß auch einen Waffenschrank, aber Tatwaffe und Munition waren für den Amokläufer frei zugänglich.

In Mönchengladbach gibt es nach Angaben der Polizei 14.012 registrierte Schusswaffen. "Ich bin selbst erschrocken, wie viele es sind", sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. Die Pistolen, Revolver und Gewehre verteilen sich auf 5.288 Menschen, die über eine Waffenbesitzkarte verfügen.

Um mit einer scharfen Waffe auf der Straße herumlaufen zu dürfen, braucht man einen Waffenschein. Den haben in Gladbach nur fünf Personen. "Das sind zwei Personen, die als besonders gefährdet gelten und drei, die im Wachdienst oder bei Geldtransporter-Firmen arbeiten", sagt Jürgen Mülfarth. Er kümmert sich bei der Gladbacher Polizei um das Waffenrecht. Wer einen Waffenbesitzschein beantragt, landet bei ihm.

"Wir überprüfen, ob gegen den Antragsteller Verfahren laufen oder ob er Vorstrafen hat. Außerdem muss er seine Sachkunde nachweisen." Ein Waffensammler muss dazu den Beweis erbringen, dass seine Sammlung kulturhistorisch wertvoll ist."

Ein psychologisches Gutachten ist aber nicht nötig. "Wir achten darauf, ob uns die Person geistig reif erscheint", sagt Polizist Mülfahrt. Auch bei der Waffenaufbewahrung gibt es strenge Vorschriften: "Munition und Waffe müssen getrennt in vorgeschriebenen Schränken oder Tresoren weggeschlossen werden. Nur der Registrierte darf Zugang haben."

Ob Sammler, Privatpersonen oder Sportschützen - eine regelmäßige oder unangemeldete Kontrolle gibt es nicht. "Wir überprüfen nur nach Hinweisen auf falschen Umgang mit der Waffe." Eine umfassende Kontrolle ist bei vier Beamten, die sich in Gladbach mit dem Thema beschäftigen, kaum möglich.

Dennoch hält Mülfahrt das bestehende Recht für ausreichend: "Ich mache das seit 1981 und nur in ganz wenigen Ausnahmen wurde mit Waffen falsch umgegangen."

Jährlich verlieren in Gladbach zehn bis 15 Menschen ihre Berechtigung zum Waffenbesitz, weil sie straffällig werden. "Das hat aber nicht zwingend mit den Waffen zu tun, dass kann auch wegen eines Verkehrsdelikts sein", sagt Polizeisprecher Lützen. Wer einen Eintrag in der Polizei-Akte hat, ist in der Regel seine Waffe los.

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