Die Kontaktstelle Zornröschen will für das Thema „Sexueller Missbrauch durch Mütter“ sensibilisieren.

Betroffene Kinder zeigen meist starke Verhaltensänderungen.
Betroffene Kinder zeigen meist starke Verhaltensänderungen.

Betroffene Kinder zeigen meist starke Verhaltensänderungen.

Symbolbild/dpa

Betroffene Kinder zeigen meist starke Verhaltensänderungen.

Mönchengladbach. Das Rollenbild ist eindeutig: Eine gute Mutter sorgt für die Sicherheit ihrer Kinder und opfert sich für den Nachwuchs auf. Wird sie zum Täter, wiegt ihr Vergehen daher oft umso schwerer und wird nicht selten tabuisiert.

Das gilt besonders für das Thema sexueller Missbrauch durch Mütter. „Es erschüttert die Grundfesten unseres Denkens. Daher ist das Sprechen darüber scheinbar besonders schwer“, weiß Brigitte Bialojahn, Mitarbeiterin von Zornröschen.

Man geht in 10 bis 25 Prozent der Fälle von einer Täterin aus

Dabei gehören in der Mönchengladbacher Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen missbrauchende Frauen zur Realität. In der Gesellschaft wird von 10 bis 25 Prozent Täterinnen ausgegangen.

Im Jahr 2011 wurden in NRW 50 Frauen wegen dieser Tat strafrechtlich verfolgt. Zahlen, die nicht alles sagen. Eben weil Übergriffe durch Frauen oft übersehen und bagatellisiert werden, gibt es eine hohe Dunkelziffer. Das Problem sei, „wer nicht hinsehen will, kann auch nicht erkennen“, betont Brigitte Bialojahn.

Unter dem Titel „Das letzte Tabu!? – Sexuell missbrauchende Mütter“ hat Zornröschen daher im Paritätischen Zentrum eine Fachtagung veranstaltet, die „für das Thema sensibilisieren soll“, berichtet Bialojahn.

„Familien sind geschlossene Systeme und der Geheimhaltungsdruck ist groß.“

Brigitte Bialojahn, Zornröschen

Die Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen ist an der Eickener Straße 197. Die Telefon-Beratung ist erreichbar unter Tel. MG 208 886, Mo, Mi, Do, Fr: 9-11 Uhr, Mo, Di, Do: 15-17 Uhr.

Weitere Infos im Internet: www.zornroeschen.de

Die rund 53 Teilnehmer waren Mitarbeiter der sozialen Dienste und der Jugendhilfe, Lehrer, Erzieher, Juristen, Ärzte und Polizisten. Sie gehören zu dem Netzwerk an Helfern, die Zeichen von sexuellem Missbrauch bei den Opfern erkennen sollten. „Familien sind geschlossene Systeme und der Geheimhaltungsdruck ist groß“, sagt Brigitte Bialojahn.

Doch egal ob Täterin oder Täter, die Signale des Opfers seien immer die selben. „Das Kind leidet Not und zeigt meist auffällige Verhaltensveränderungen“, sagt Thomas Schlingmann, Tagungsreferent und Mitarbeiter von Tauwetter, der Berliner Anlaufstelle für Männer, die als Jungen missbraucht wurden.

Diese Zeichen müssten in Kitas, Schulen oder bei Kinderärzten erkannt werden, um anschließend Gründe zu finden und Hilfe in die Wege zu leiten.

„Mütter sind nicht die größte Gruppe derjenigen, die sexuellen Missbrauch ausüben“, betont Schlingmann. Täterinnen können Babysitterinnen, Erzieherinnen oder Trainerinnen sein.

Missbrauch durch Frauen sei nicht weniger brutal als der von Männern. Es gehe in beiden Fällen nicht in erster Linie um Sexualität, sondern um Macht und Kontrolle über das Opfer, das klein gemacht und gequält wird.

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