Die Karnevalisten wappnen sich gegen die Neue Grippe. MKV-Chef Gothe will allzu engen Körperkontakt vermeiden. Aber nicht alle sehen das so.

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Ein Bild, das in der Karnevalssession 2009/10 öfters zu erleben sein wird? Zwei närrische Damen verteilen Freude strahlend Handküsse. (Archiv

Ein Bild, das in der Karnevalssession 2009/10 öfters zu erleben sein wird? Zwei närrische Damen verteilen Freude strahlend Handküsse. (Archiv

Jörg Knappe, Horst Siemes

Ein Bild, das in der Karnevalssession 2009/10 öfters zu erleben sein wird? Zwei närrische Damen verteilen Freude strahlend Handküsse. (Archiv

Mönchengladbach. Karnevalisten mögen den Austausch von Zärtlichkeiten. Sie wollen schunkeln, bützen und umarmen. Berührungen gehören zur fünften Jahreszeit ebenso dazu wie die musikalische Dauerrotation von Höhner- oder Brings-Schlagern.

Der Kuschelfaktor im Karneval - er ist auch in Mönchengladbach essentiell. Doch was tun, wenn eine Pandemie wie die Schweinegrippe um sich greift - und beim Körperkontakt in den Festsälen akute Ansteckungsgefahr besteht?

Auf Bützchen verzichten - und dennoch zärtlich sein

Bernd Gothe, Chef des Mönchengladbacher Karnevals-Verbands (MKV), weiß jetzt schon, zum Auftakt der Session in dieser Woche, was für ihn nicht in Frage kommt: seine jecken Kameraden zu bützen. Er will eine Krankheitsübertragung vermeiden. Auf Gesten der Zuneigung wird er aber nicht verzichten. Gothe will stattdessen ausgiebig Handküsse verteilen - die halten mitfeiernde Narren auf Distanz und versprühen dennoch Charme.

Der MKV-Chef sagt: "Wenn Handküsse zum Standardrepertoire in den Karnevalsvereinen zählen, ist schon viel getan, um eine weitere Ausbreitung der Schweinegrippe zu verhindern." Ob Gothe, der gestandene Karnevalist, aber tatsächlich auch das Schunkeln bleiben lässt, ist schwer vorzustellen.

Zwar spricht der MKV "keine generellen Empfehlungen" aus, ein paar weitere Hygiene-Ratschläge hat Gothe aber trotzdem auf Lager: Er legt den Karnevalsvereinen beispielsweise nahe, bei den Saalsitzungen gewissenhaft die Gläser zu spülen. Außerdem empfiehlt er, während der Feiern nicht permanent von der molligen Wärme im Saalinneren ins Freie zu laufen, um dort in der Winterkälte eine Kippe zu rauchen. "Da kann man sich schnell erkälten." Und wer gesundheitlich geschwächt ist, läuft eher Gefahr, sich anzustecken.

Am Samstag finden zahlreiche Veranstaltungen zum Auftakt der Session in Mönchengladbach statt. Die Gelb-Blauen Funken feiern ab 17.11 Uhr ihr traditionelles Biwak in der Eickener Mehrzweckhalle. Ab 18.11 Uhr feiert die KG Mennrather Sankhase ihr Hoppeditzerwachen im Haus Dahlen in Rheindahlen, Mühlenwallstraße 4. Auch die KG Alles onger ene Hoot feiert Hoppeditzerwachen, ab 19.11 Uhr im Pfarrheim St.Bonifatius, Hardterbroicher Straße, in Hardterbroich. Um 20.11 Uhr feiert das auch die KG Schwarz-Gold-Rheydt im Turnerheim Nordstraße in Rheydt. Ruet-Wiss Okerke feiert den Auftakt der Session um 20 Uhr in der Burggrafenhalle, Zur Burgmühle. Der Eintritt ist frei.

Die Große Gladbacher Karnevalsgesellschaft feiert am Samstag, 21. November, um 19 Uhr im Kaisersaal im Haus Haus Erholung, Abteistraße 11, einen Gala-Abend.

Die Karnevalsgesellschaft "Alles onger ene Hoot" kündigt an, bei ihren Sitzungen Desinfektionsmittel in den Toiletten bereitzustellen. Aber Geschäftsführerin Elke Brenneis glaubt nicht, dass sich "die Jecken das Schunkeln und Bützen" nehmen lassen wollen.

Sie muss es wissen: Immerhin hat sie bis zum jetzigen Zeitpunkt schon einige Sitzungen besucht. Und dort "sei alles so ausgelassen wie immer" gewesen - eng an eng, kuschelig wie eh und je. Ob sich die Devise durchsetzen wird, Handküsse statt Bützchen zu verteilen, könnte sich also als schwierig herausstellen.

"Wenn Handküsse zum Standardrepertoire zählen, ist schon viel getan."

Bernd Gothe, MKV-Chef

Bei der Großen Gladbacher Karnevalsgesellschaft winkt der Geschäftsführer Rolf Terhaag gleich ab. Seine lapidaren Worte: "Bei uns spielt die Schweinegrippe keine Rolle." Das Thema werde "ignoriert". Terhaag findet, dass die Debatte um die Infektionsgefahr bei der Schweinegrippe "in den Medien hochgekocht" wird.

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