Wenn die katholische Schule zur Gemeinschaftsgrundschule wird, könnte es dort bald auch Islamunterricht geben

In der Rheydter Innenstadt gibt es drei Grundschulen. Zwei sind katholisch, eine ist evangelisch. Ausgerechnet in dem Stadtgebiet mit dem höchsten Ausländeranteil gibt es ausschließlich Bekenntnisschulen. Das könnte sich bald ändern. Denn aus der katholischen Grundschule Waisenhausstraße soll eine Gemeinschaftsgrundschule werden. Den Beschluss der Schulkonferenz, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten, gibt es ebenso wie die nötigen 20 Prozent der Eltern, die das Vorhaben unterstützen. Jetzt muss noch gewählt werden.

Ende Februar sollen die Eltern in geheimer Wahl abstimmen. Votieren zwei Drittel für eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule, geht der Antrag zur Bezirksregierung. Die Bewilligung ist eher ein formaler Akt. Dann würde in der Stadt nach vielen, vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine Konfessionsschule umgewandelt.

An der katholischen Grundschule Waisenhausstraße haben 80 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. 28 Nationen sind vertreten. 48 Prozent der Kinder sind muslimischen, 22 Prozent katholischen Glaubens. Schon jetzt wird an der Schule viel Integrationsarbeit geleistet. Im Januar gab es dafür sogar einen Preis für die katholische Grundschule Waisenhausstraße von der Stadt. „Der besonderen Herausforderung der Doppelsprachigkeit bei Kindern mit Migrationshintergrund setzt die Schule intelligente Fördermaßnahmen entgegen“, sagte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners in seiner Laudatio zur Preisverleihung. Schon im Vorfeld würden die Kinder durch spezielle Kurse auf den Schulbesuch vorbereitet. Es gibt muttersprachlichen Unterricht an der Schule in Türkisch und Italienisch und viele Förderangebote.

„Ich möchte, dass es eine reine Wahl der Eltern wird.“

Ursula Stegemann-Hirsch, Schulleiterin, äußert keine Meinung zur Umwandlung

Sollte die Grundschule Waisenhausstraße tatsächlich eine Gemeinschaftsgrundschule werden, könnte sich Schulleiterin Ursula Stegemann-Hirsch vorstellen, dass neben katholischer Religion auch Islamunterricht erteilt wird, „wenn die Eltern das wünschen und wir einen ausgebildeten Lehrer bekommen“. Stegemann-Hirsch ist selber katholisch. Sie hätte aber keine Probleme damit, wenn die Schule keine Bekenntnisschule mehr wäre. „Wir leben hier an der Schule nach den Grundsätzen des christlichen Abendlandes. Werte wie Respekt, Barmherzigkeit und Ehrlichkeit gibt es in allen monotheistischen Religionen“, sagt sie.

Die rot-grüne Landesregierung will die Umwandlung von Bekenntnis- in Gemeinschaftsschulen deutlich erleichtern. Über einen entsprechenden Gesetzesentwurf wird derzeit beraten. Schulen sollen demnächst schneller auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können. Zuwanderungsbewegungen und eine verstärkte Mobilität hätten die Bevölkerung nachhaltig verändert, so die Politiker.

Im Fall der katholischen Grundschule Waisenhausstraße ist noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Das heißt auch, dass überhaupt erst einmal mehr als 66 Prozent aller Eltern zur Wahlurne gehen müssen. Wären es weniger, wäre der Umwandlungsversuch gescheitert.

Ursula Stegemann-Hirsch will sich nicht zu Vor- und Nachteilen einer Umwandlung äußern: „Ich möchte, dass es eine reine Wahl der Eltern wird.“

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