Die Zahlen bewegen sich auf konstant hohem Niveau. Nur die wenigsten Taten werden aufgeklärt.

Die Einbruchszahlen in Gladbach liegen weiter auf einem konstant hohen Niveau. Im ersten Halbjahr 2016 hat es in der Stadt 520 versuchte oder vollendete Wohnungseinbrüche gegeben. 2015 war die Zahl der Wohnungseinbrüche um 39,8 Prozent auf 955 gestiegen. Noch im Jahr 2014 wurden nur 683 Wohnungseinbrüche registriert. Diese Fallzahl dürfte für dieses Jahr in Kürze erreicht sein, denn rechnet man die Daten aus dem Einbruchsradar hoch, sind es bis Mitte September bereits deutlich über 600 Fälle. Und die dunklen Monate November und Dezember kommen erst noch.

Gestern meldete die Polizei einen typischen Fall: Am Mittwoch zwischen 19.30 und 22 Uhr waren Unbekannte in ein Einfamilienhaus an der Trimpelshütter Straße eingebrochen. Sie kamen und flüchteten durch Garten und Wintergarten, wo sie eine Tür zum Wohnzimmer aufbrachen. Ob Beute gemacht wurde, ist unklar. Die Polizei sucht Zeugen unter Telefon 02161/290.

Selten werden die Einbrecher ermittelt. Die Aufklärungsquote lag zwischen 5,5 Prozent (Februar) und 18,8 Prozent (Mai). Im März hat die Polizei das Einbruchsradar gestartet. Seitdem können Bürger wöchentlich aktualisiert verfolgen, in welchen Gegenden zuletzt eingebrochen worden ist.

Kaum noch jemand engagiert private Sicherheitsdienste

Schaut man sich die wöchentlichen Karten an, lässt sich daraus kaum ein Muster ablesen. Einbruchstarke wechseln sich mit deutlich ruhigeren Wochen ab. Auch in der regionalen Verteilung gibt es kein einheitliches Bild. Für die Woche vom 28. März bis 4. April etwa wurden drei Einbrüche in Rheindahlen registriert. Anschließend war dort fünf Wochen Ruhe, bevor wieder in zwei aufeinanderfolgenden Wochen im Mai Wohnungseinbrüche registriert wurden – und danach war wieder zwei Wochen Ruhe im Stadtteil. Womöglich ist das ein Ergebnis verstärkter Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft. Und von Polizeipräsenz.

Für die Polizei ist das Einbruchsradar ein nützliches Instrument. „Unsere Direktionen orientieren sich daran, erkennen Schwerpunkte und handeln entsprechend“, sagt Polizei-Sprecherin Isabella Hannen. Beamte sind im ganzen Stadtgebiet auf Streife und halten präventiv Ausschau nach verdächtigen Fahrzeugen und Personen. Private Sicherheitsdienste tun dies immer weniger. Obwohl so viel eingebrochen wird, bestellen immer mehr Nachbarschaften die einst beliebte Privatstreife ab. „Es wird immer weniger“, sagt Bodo Schmitz, Chef des größten Gladbacher Sicherheits-Dienstleisters. Und das liegt vornehmlich an der Bezahlung: „Wenn jemand den Dienst bestellt, profitieren die Nachbarn ebenfalls davon, wollen sich aber nicht an den Kosten beteiligen. Das macht’s den Einbrechern einfacher.“

Die Politik hat erkannt, dass das Thema eins für den Wahlkampf sein könnte. CDU-Landtagskandidat Jochen Klenner schrieb bei Facebook, 955 Einbrüche seien 955 Gründe, die Landesregierung abzuwählen. Grünen-Kandidat Boris Wolkowski nannte dies „billige Polemik“: „Derart tumbe Schuldzuweisungen lassen allenfalls die Politikverdrossenheit steigen und helfen der AfD.“

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