Altenpflege: Die chinesische Kampfkunst Tai Chi begeistert die Bewohner des Lindenhofs. Die Kurse helfen, Stürze zu vermeiden.

Die Tai-Chi-Runde mit Birgit Ciesla macht den Senioren Spaß.
Die Tai-Chi-Runde mit Birgit Ciesla macht den Senioren Spaß.

Die Tai-Chi-Runde mit Birgit Ciesla macht den Senioren Spaß.

Burghardt

Die Tai-Chi-Runde mit Birgit Ciesla macht den Senioren Spaß.

Mönchengladbach. Mühsam setzt sich Elisabeth Schmitter auf den Stuhl. Und ist kurz danach kaum wieder zu erkennen. "Und hoch die Fäuste und vor und kreisen!" Anfangs noch etwas zittrig, hat Elisabeth Schmitter die Bewegungen schnell im Griff, lächelt stolz der Trainerin zu. Dann die nächste Übung - die 82-jährige Seniorin kreuzt langsam die Arme.

Was da aussieht wie Karate in Zeitlupe, ist die chinesische Kampfkunst Tai-Chi. Elisabeth Schmitter und 15 weitere Bewohner des Seniorenzentrums Lindenhof sind mit Riesenspaß dabei - wie jede Woche.

Sie sitzen im Kreis, einige in ihren Rollstühlen. Die Trainerin im rot-schwarzen Kampfanzug ruft: "Jetzt eine Hand in den Nacken, die andere vor den Bauch." Dann greift sie einer schmächtigen Dame unter die Achseln, hilft ihr behutsam bei den Bewegungen. Die anderen klatschen Beifall, als ihre Mitbewohnerin die Übung geschafft hat. Überhaupt wird viel geklatscht und gelacht.

Doch was hat chinesisches Schattenboxen im Altenheim zu suchen? "Tai-Chi ist ideal zur Sturzprophylaxe oder um Bewegungsabläufe zu koordinieren und unsere Erfahrungen bestätigen das", erklärt Birgit Ciesla, Vorsitzende des Kampfkunst-Centers JuDjuSu-Jitsu Karate.

Sogar Demenzkranke machen mit Tai Chi Fortschritte

Sie leitet mit ihrem Cheftrainer Heinz Jansen die Kurse, an denen 60 Bewohner teilnehmen. Heimleiterin Sabine Baum ergänzt: "Als Maßnahme zur Sturzvorbeugung bezuschussen die Krankenkassen einen zehnwöchigen Kurs zu 80 Prozent. Doch weil die Bewohner so begeistert sind, lassen wir die Kurse weiterlaufen - das finanziert unser Haus." Birgit Ciesla staunt: "Das ist eine Ausnahme, leider gibt’s am Niederrhein nur ganz wenige Altenheime, die so was anbieten."

Die chinesische Kampfkunstsportart Tai Chi, im Volksmund auch Schattenboxen genannt, wird von Experten als besonders gesundheitsfördernd geschätzt: Regelmäßiges Training hilft zur Vorbeugung gegen Stürze, schult gestörte Bewegungsabläufe, kann durch meditative Elemente bei Schmerzen und nervösen Leiden helfen - so eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg. Bei Kleinkindern und Senioren werden geeignete Tai Chi-Übungen teilweise mit Elementen der Chigong-Bewegungs-Meditation kombiniert. KURSE Tai Chi bietet das Curanum-Seniorenzentrum Lindenhof seit August 2008 an. Ein Kurs dauert zehn Wochen, wird zu 80 Prozent von den Krankenkassen bezuschusst. Folgekurse für Bewohner finanziert der Lindenhof; teilnehmen können auch interessierte Gäste. Durchgeführt werden die Kurse vom gemeinnützigen Mönchengladbacher Sportverein Kampfkunst-Center JuDjuSu-Jitsu Karate. INFOS Nähere Informationen beim Kampfkunst-Center, Telefon 0170-3410844, im Seniorenzentrum Lindenhof, Telefon 02166-62620, oder im Internet.

Sabine Baum jedenfalls ist vom Erfolg der Tai-Chi-Kurse überzeugt: "Sogar acht Bewohner mit Demenz machen mit, lernen ihre Bewegungen neu verstehen, das tut uns allen gut, wenn wir solche Fortschritte erleben."

Auch Elisabeth Schmitter ist begeistert: "Ich mache die Übungen schon morgens im Bett, meine Glieder sind elastischer, die Steife ist weg." Anfangs war sie noch skeptisch. "Erst hab ich gedacht, dass ist nix für Frauen, aber man kann alles, wenn man will. Tai-Chi macht Spaß."

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