Mittwoch ist der letzte Tag von Ina Obst-Oellers als Präsidentin des Landgerichts.

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Ina Obst-Oellers ist nur noch wenige Stunden Präsidentin des Gladbacher Landgerichts.

Ina Obst-Oellers ist nur noch wenige Stunden Präsidentin des Gladbacher Landgerichts.

Horst Siemes

Ina Obst-Oellers ist nur noch wenige Stunden Präsidentin des Gladbacher Landgerichts.

Mönchengladbach. Die junge Frau, die gerade ihr Abitur am Mädchengymnasium an der Gartenstraße absolviert hat, weiß, was sie will: Medizin studieren und Ärztin werden.

Um einen ersten Eindruck von ihrer künftigen Arbeit zu bekommen, entschließt sie sich zu einem ungewöhnlichen Schritt. Sie fragt einen Mediziner, ob sie mal bei einer Obduktion zusehen dürfe. Der Pathologe erlaubt es ihr. Doch der Anblick des toten jungen Mädchens, das bei einer Abtreibung starb, ist zuviel für die Rheydterin.

"Am ,Tag der Arbeit’ beginnt mein Ruhestand."

Ina Obst-Oellers

"Plötzlich fiel ich ohnmächtig zu Boden", erzählt Ina Obst-Oellers. Der Traum vom weißen Kittel war damit ausgeträumt. "Und dann habe ich mich eben entschlossen, Jura zu studieren." Es war ganz offensichtlich eine gute Entscheidung.

Bereits mit 23 Jahren macht sie ihr Erstes Staatsexamen, wird später Richterin in Krefeld und am Oberlandesgericht in Düsseldorf. Dort verhandelt sie unter anderem das Verfahren gegen Markus Wolf, den ehemaligen Leiter der Auslandsabteilung der DDR-Staatssicherheit. Seit 2002 leitet sie als Präsidentin das Landgericht Mönchengladbach - bis Mittwoch Nacht Punkt Null Uhr.

"Am ,Tag der Arbeit’ beginnt mein Ruhestand", sagt die 65-Jährige mit einem leicht ironischen Lächeln. Sie sitzt in ihrem großen Büro an der Rheinbahnstraße auf einer breiten Ledercouch. Zu einem geschmackvollen Kostüm in Creme trägt sie dezenten Goldschmuck an Ohren und Händen - eine Dame von Welt, die auf eine beachtliche Karriere blicken kann.

Zu Beginn ihrer Karriere hatten es Frauen nicht leicht

Dabei war es zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn nicht leicht, als Frau im Justizwesen voll akzeptiert zu werden. "Mein Ausbilder während des Referendariats ging etwa davon aus, dass ich nach meiner Hochzeit nicht wiederkommen, sondern mich ganz meinem Ehemann widmen würde", erzählt sie. Ihr Kommentar damals: "Nö, in drei Wochen bin ich wieder da!"

Mit ihrem zweiten Mann, den ersten verlor sie schon früh, will Ina Obst-Oellers jetzt "erst einmal reisen". Ein Ziel für den Juli ist schon ausgeguckt: Cornwall mit seinen herrlichen Rosamunde-Pilcher-Kulissen. Außerdem "dilettiere" sie seit einiger Zeit im Golfklub Myllendonk und wolle nun versuchen, ihr Handycap zu verbessern.

"Wir werden unseren Ruhestand jetzt gnadenlos ausnutzen", sagt die scheidende Präsidentin. Der Juristerei bleibt Ina Obst-Oellers aber noch ein paar Jahre als Prüferin für das Erste Staatsexamen erhalten. "Unter den Studenten habe ich, glaube ich wenigstens, einen ganz guten Ruf", sagt sie. "Ich weiß nämlich selbst noch gut, wie man sich in dieser Situation fühlt."

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