Die EWMG könnte das Gebäude kaufen und mit Karstadt einen Vertrag aushandeln, um das Aus in Rheydt abzuwenden. Doch es mehren sich in der Politik die kritischen Stimmen.

Die Mitglieder des Aufsichtsrats der Stadttochter EWMG bekommen in diesen Tagen ein dickes Paket. Inhalt: Neben der Tagesordnung umfangreiches Material zum möglichen Kauf des Karstadt-Gebäudes durch die EWMG und zu weiteren Verhandlungen mit der Karstadt-Geschäftsführung, ob das Rheydter Haus verkleinert weitergeführt werden kann. „Die bisherigen Gespräche mit dem Warenhaus-Betreiber waren sehr gut. Es ist wahrscheinlich, dass sie bei diesem Konzept mitziehen“, sagt ein Insider.

Gebäude schiebt einen Sanierungsstau vor sich her

Aber es mehren sich kritische Stimmen bei CDU und SPD. Sie fragen: Darf sich die Stadt ein fast 40 Jahre altes Gebäude, das sanierungsbedürftig ist, ans Bein binden? Was passiert, wenn Karstadt nicht überlebt? Und wie steht die Stadt da, wenn Karstadt trotz des angepeilten Zehn-Jahres-Vertrags in drei, vier Jahren einen Schlussstrich unter seine Rheydter Vergangenheit ziehen würde? Dann hätte die Stadt bei ihrer Tochter EWMG ein Gebäude im Portfolio, für das die Nutzungsmöglichkeiten beschränkt sind.

Bei ihren Fraktionssitzungen am Montag wollen CDU und SPD zu einer abschließenden Meinung kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das hehre Ziel, das Karstadt-Aus in Rheydt mit der EWMG-Lösung abzuwenden, aufgegeben wird. Denn Bauexperten haben ebenfalls Alarm geschlagen und darauf hingewiesen, dass das Gebäude einen erheblichen Sanierungsstau vor sich herschiebt: Zum Kaufpreis im siebenstelligen Bereich kommt eine hohe Summe, die in die Renovierung des Hauses gesteckt werden müsste. Energetisch ist der Bau beispielsweise auf einem Stand, der heutigen Anforderungen überhaupt nicht mehr entspricht.

Das Haus war auf dem freien Markt – und keiner griff zu

Vor allem bei der CDU gibt es neben zahlreichen Befürwortern auch mehrere Gegner der EWMG-Lösung. Selbst für Fraktionschef Hans Peter Schlegelmilch ist es eine Gratwanderung. „Wir haben viele Millionen Euro in das Innenstadtkonzept Rheydt gesteckt und haben daher auch die Verpflichtung, Rheydt nicht das Wasser abzugraben. Aber wir brauchen eine kaufmännisch gute wirtschaftliche Lösung, die auf Langfristigkeit angelegt ist“, sagt er. Schwierig seien auch das Gebäude und seine Konstruktion, weil ein Teil von der Verwaltung genutzt wird. Nicht vom Tisch ist bei der CDU die Alternative, Karstadt und das Haus dem freien Spiel des Marktes zu überlassen. Andererseits: Das Haus war mehrere Jahre auf dem Markt – und keiner hat zugegriffen.

Bei der SPD ist die Bereitschaft groß, das Gebäude zu kaufen, zu investieren und mit Karstadt einen Sondervertrag auszuhandeln. „Wir brauchen an dieser Stelle einen Magneten und wollen hier keinen Billig-Discounter“, sagt Fraktionschef Felix Heinrichs.

Die FWG hat schon vor Monaten eine strategische Planung für Gebäude und Umfeld verlangt. Ihr Parteichef Erich Oberem fühlt sich nicht ausreichend von Stadt und EWMG informiert: Er hat Akteneinsicht beantragt.

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