Ein neuer Krimi entführt in die Vergangenheit. Es ist das Erstlingswerk von Reiner Welters.

Mönchengladbach. Ein schlimm zugerichteter Toter auf den Bahngleisen bei Ellinghoven beschäftigt nicht nur die Polizei, sondern auch den Mineralogen Martin Frank. Denn er ist es, der beim Heimatbesuch eine Abkürzung über den Bahndamm nimmt und buchstäblich über die Leiche stolpert.

Als er dann auch noch im ermittelnden Kommissar Robert Meister einen ehemaligen Schulkameraden entdeckt, mischt sich Frank mehr ein, als es für ihn gut ist. Während er gleichzeitig auf die Suche nach dem Mörder und nach seiner Vergangenheit als Kind und Jugendlicher in Ellinghoven und Rheindahlen geht, kommt er der Lösung des Falls gefährlich nah.

Der Autor Reiner Welters entführt seine Leser in seinem historischen Krimi ins Jahr 1968. Ein Jahr, das mit "den 68ern" einen besonderen Platz in der Geschichte hat.

Zwischen Feldern und Feiern bricht sich etwas Böses Bahn

Doch auf dem Land spielen Bürgerbewegung, Studentenproteste oder eskalierende Antikriegs-Demonstrationen keine Rolle. Pflügende Bauern und feiernde Schützen scheinen in einer Welt zu leben, die noch in Ordnung ist. Wenn da nicht diese Leiche wäre, die ahnen lässt, dass der Schein trügt. Das, was sich seit Jahren hinter den Fassaden des Idylls am Rande von Mönchengladbach und dem Kreis Heinsberg verbirgt, bricht sich Bahn.

Es ist eine spannende Geschichte um enttäuschte Liebe, vertane Chancen auf Glück und das gewalttätige Zerstören von Mitmenschen, die Welters, der in Rheindahlen aufgewachsen ist entwickelt hat. Obwohl sein roter Faden kein blutiger ist, also nicht an jeder Ecke plötzlich jemand tot über dem Zaun hängt, ist der Spannungsbogen fesselnd.

"Tödlich war die Maiennacht", Schardt Verlag, Taschenbuch, 232 Seiten, 12,80 Euro, ISBN 978-3-89841-460-9.

Der 74-jährige Welters, der selbst begeisterter Krimi-Leser ist und beispielsweise von den ersten Fred-Vargas-Romane begeistert war, mag keine "brutalen Krimis". Gerade die skandinavischen Romane seien oft "von Psychopathen ja geradezu bevölkert". Selbst einen Krimi zu schreiben, habe er sich als junger Mann bereits vorgenommen.

"Wenn man jung ist, setzt man sich ja verrückte Ideen in den Kopf." Nach dem Chemie-Studium in Bonn, währenddessen er wissenschaftliche Artikel schrieb, kam er auf den Gedanken, auch mal etwas Unterhaltendes schreiben zu wollen. Frisch verheiratet, fing er an, an einem Krimi zu schreiben, der in der Nähe von Liverpool spielte. Aber er vollendete ihn nie.

Während seines Berufsleben - Welters war zunächst forschend und später in der Kommunikationsabteilung eines großen Darmstädter Unternehmens tätig - schrieb er Texte zu Bildbänden, Kunst-Editionen und Gedichte.

Und nun eben seinen ersten Krimi mit zwei Ermittlern, die dem Leser nach und nach ans Herz wachsen. Es ist so rührend, wie sich Freizeitdetektiv Frank um seine Tochter kümmert, so überraschend liebreizend, wie der Herr Kommissar eine Kollegin findet. Für diejenigen, die davon mehr haben wollen, hat Welters eine gute Nachricht: "Die Fortsetzung ist fertig. Sie spielt in Stadtmitte."

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