Die Katholiken in Mülfort teilen sich ihr Gotteshaus jetzt mit einer Gemeinschaft von Gläubigen aus dem Irak.

Nach dem ersten Gottesdienst in St. Paul wurde gefeiert.
Nach dem ersten Gottesdienst in St. Paul wurde gefeiert.

Nach dem ersten Gottesdienst in St. Paul wurde gefeiert.

Knappe

Nach dem ersten Gottesdienst in St. Paul wurde gefeiert.

Mönchengladbach. Als Shemal Marcus 1995 aus dem Irak nach Deutschland einwanderte, ließ er ein Leben als politisch Verfolgter hinter sich. In seiner irakischen Heimat war er als Angehöriger einer diffamierten Minderheit seines Lebens nicht mehr sicher.

Denn Shemal Marcus ist chaldäischer Christ und damit in der muslimischen Welt ein Exot. Heute wohnt er im friedlichen Odenkirchen und arbeitet als Diakon für die chaldäische Kirchengemeinde. Er ist nur einer von schätzungsweise 1200 Menschen chaldäischen Glaubens, die in Mönchengladbach zu Hause sind. Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak. Viele sind in den vergangenen Jahren in die Stadt gezogen - als Flüchtlinge, die im Pulverfass des kriegsgeschundenen Landes um ihre Existenz gefürchtet hatten.

Eine feste Bleibe und regelmäßige Gottesdienste

Weil immer mehr Chaldäer nach Mönchengladbach zogen, hat die Gemeinde nun eine feste Bleibe gefunden, um ihren Glauben ausüben zu können. Unter dem Dach der Kirche St. Paul in Mülfort können sie seit kurzem regelmäßig Gottesdienste abhalten. "Ganz wunderbar" sei das, sagt Shemal Marcus, der als Diakon eine wichtige Stütze der Gemeinde ist. Bislang gab es nur in loser Reihenfolge Messen in St. Marien in Rheydt. Eine Gemeinde mit einer eigenen Unterkunft waren die Chaldäer da noch nicht.

Beim Gottesdienst zur feierlichen Eröffnung sind rund 200 Chaldäer gepilgert. Eine stolze Zahl. Gemeindereferentin Irmgrad Bromkamp erzählt, für die Chaldäer hätten die Messen nicht nur einen religiösen Zweck. Sie seien auch eine Art Familienfest. "Da kommt die ganze Großfamilie zusammen, samt Tante und Onkel" sagt Bromkamp. Die Liturgie ist durchaus mit den Riten westeuropäischer Katholiken vergleichbar. Es gibt nur einen entscheidenden Unterschied: Die Predigt wird auf Aramäisch gehalten, einer altsyrischen Sprache, die zu Lebzeiten Jesu in der arabischen Welt verbreitet war.

Als Pfarrer betreut Sami Danka die Chaldäer in Gladbach - ein Geistlicher, der erst vor ein paar Jahren aus dem Irak nach Deutschland floh. Danka wohnt in Essen, wo die deutschlandweit größte chaldäische Gemeinschaft beheimatet ist und er der einzigen eigenständigen chaldäischen Kirchengemeinde in NRW als Pastor vorsteht.

Die Mülforter Chaldäer bilden seit ihrem Einzug in St. Paul die "Filialgemeinde" des Essener Glaubens-Stützpunkts. Sie sind dankbar, dass Danka in ihrer Gemeinde als Ersatzpfarrer arbeitet. Jeden Sonntag um 16 Uhr steht er zum wöchentlichen Gottesdienst auf der Kanzel. So ist es auch nicht mehr notwendig, dass extra ein chaldäischer Pfarrer aus Rom eingeflogen werden muss. Diese Mühe hatten sie in den vergangenen Jahren einige Male auf sich genommen, um ihren Glauben ausüben zu können.

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