Anwohner Egon Förtsch ist entsetzt über die Nager an der Dessauer Straße.

Egon Förtsch ärgert sich über die vielen Ratten an den Altglascontainern an der Dessauer Straße.
Egon Förtsch ärgert sich über die vielen Ratten an den Altglascontainern an der Dessauer Straße.

Egon Förtsch ärgert sich über die vielen Ratten an den Altglascontainern an der Dessauer Straße.

Aufkleber warnen Passanten und Hundebesitzer vor den Gift-Ködern.

Jörg Knappe, Bild 1 von 2

Egon Förtsch ärgert sich über die vielen Ratten an den Altglascontainern an der Dessauer Straße.

Mönchengladbach. Für die einen sind sie die liebsten Haustiere überhaupt, für die anderen nur krankheitsübertragende, eklige Schädlinge. Egon Förtsch gehört zu Letzteren. Aber aus gutem Grund: "Mir ist eine Ratte mal fast ins Gesicht gesprungen, als ich an der Dessauer Straße Papier in einen Container werfen wollte."

In diesem Fall war Förtsch der Eindringling. Der Bahnsteig und der Bereich rund um die Altpapier-Container sind fest in Rattenhand. "Wenn man da fünf Minuten steht, huschen 30 bis 40 Ratten um die Füße." Überall sieht man Trampelpfade und Löcher der grauen Tiere. "Der Bahndamm sieht aus wie ein Schweizer Käse", sagt Förtsch, der an der Victoriastraße wohnt und an der Dessauer Straße eine Garage hat.

Der Rentner fühlt sich von der Stadt nicht Ernst genommen. Er habe die Situation schon im November dem Gesundheitsamt gemeldet. Geschehen sei aber bisher nichts.

Das kann Stadtsprecher Dirk Rütten so nicht gelten lassen. "Es gab auch Beschwerden über die Lage an der Dessauer Straße von anderen Bürgern." Und die Stadt habe sehr wohl gehandelt: "Die Firma Leeser und Will wurde beauftragt das Problem anzugehen."

"Die Ratten bleiben die Sieger."

Das Gesundheitsamt bestätigt gegenüber der WZ, dass es an der Dessauer Straße ein Rattenproblem gebe. Und Günter Bovelett von Leeser und Will sagt: "An solchen Containern ist das immer so. Da finden die Ratten meist viel Nahrung. Und viel Nahrung heißt viel Nachwuchs."

Schädlingsbekämpfer Günter Bovelett schätzt, dass pro Woche 30 bis 40 Meldungen über Rattenbefall bei der Stadt eingehen. Das Gesundheitsamt bestätigt hunderte Anrufe im Jahr.

Bei vielen Meldungen, die die Stadt erreichen, ist diese aber gar nicht zuständig, weil es sich um Privat- oder Firmengrundstücke handelt.

Die Stadt Mönchengladbach gibt im Jahr etwa 50000Euro für die Schädlingsbekämpfung aus.

Die Schädlingsbekämpfer haben einen Vertrag mit der Stadt, kümmern sich um sämtliches "Ungeziefer". Die Köder, die die Firma auslegt, bestehen aus Haferflocken mit Blutgerinnungshemmer. "Wenn die Ratten das fressen, verbluten sie innerlich", sagt Bovelett. "Entrattung" nennt die Branche das.

Egon Förtsch glaubt nicht, dass es funktioniert: "Die Ratten sind nicht blöd, die fressen nicht jedes Gift." Fachmann Bovelett klärt auf: "Da die Ratten erst nach Tagen an dem Mittel sterben, können sie sich nicht merken, wovon es ihnen schlecht geht." Der Lerneffekt beim schlauen "Schadnager" wird so ausgeschlossen.

Viel anrichten können die Ratten ohnehin nicht: Dass sie Seuchen übertragen, ist in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland fast nicht mehr vorgekommen,. Den Bahndamm so auszuhöhlen, dass die Statik gefährdet wäre, schaffen sie auch nicht. Und Menschen greifen sie höchstens an, wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.

Es gibt Brennpunkte, aber keine Rattenplage in der Stadt

Allerdings hatten die Nager im vergangenen Jahr an der Kreuzung Korschenbroicher Straße/Erzberger Straße eine Ampel drei Tage lang lahmgelegt, weil sie die Kabel angefressen hatten.

Aber die Stadt hat kein Rattenproblem. Zwar gebe es einzelne Brennpunkte, aber der Befall sei nicht schlimmer als in anderen Großstädten auch, versichern Gesundheitsamt und Schädlingsbekämpfer unisono. Das Problem sind vielmehr die Menschen, die illegal ihren Müll entsorgen und damit kleine Rattenparadiese schaffen.

Wie viele Ratten es pro Einwohner in Mönchengladbach gibt, lässt sich nur schätzen: "Pro Kopf eine Ratte" ist die Faustformel des Gesundheitsamtes. "Die einen sagen vier pro Kopf, die anderen schätzen zehn", sagt Volker Guske, Geschäftsführer von Leeser und Will. "Gezählt hat sie aber noch keiner."

An der Dessauer Straße werden es dank der "Entratter" wohl bald weniger sein. Daran will Egon Förtsch noch nicht glauben: "Ich bin Realist, die Ratten bleiben die Sieger."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer