97 Deutsche starben vor zehn Jahren bei dem Flugzeug-Unglück in Paris. Mönchengladbach war besonders betroffen, weil 13 Todesopfer aus der Stadt kamen. Der Anwalt der Angehörigen hatte gehofft, es werde keinen Prozess geben.

Mönchengladbach. "Ein Flugzeug stürzt ab. Das erleben wir mehrmals im Jahr irgendwo auf der Welt. Bald geht man zur Tagesordnung über. So läuft es normalerweise. Und dann stürzt wieder ein Flugzeug ab. Nur ist diesmal alles anders. Wir kennen viele Opfer, haben mit ihnen zusammengearbeitet, sie geschätzt, gemocht, geliebt."

Dieser Auszug aus der Ansprache der damaligen Oberbürgermeisterin Monika Bartsch bei der Trauerfeier für die Opfer des Concorde-Absturzes in der Hauptkirche in Rheydt war Ausdruck dafür, wie sehr Mönchengladbach vom Concorde-Unglück am 25. Juli 2000 betroffen war. Betroffen, weil 13 der insgesamt 113 Todesopfer aus der Stadt kamen. Betroffen, weil viele trauerten, mitfühlten und anteilnahmen.

Unter den Mönchengladbacher Opfern waren stadtbekannte Unternehmer, Lehrer und ihre Familien. Eine Odenkirchener Gruppe, darunter eine CDU-Ratsherr, die langjährige Bezirksvorsteherin Renate Zimmermann und der Protokollchef im OB-Büro überlebten, weil sie nicht, wie geplant, Platz in der Concorde fanden, sondern in einer Lufthansa-Maschine. Alle Mönchengladbacher hatten eine Kreuzfahrt mit der MS Deutschland ab New York bei einem Rheydter Veranstalter gebucht.

Gladbacher sieht bei Staatsanwalt Profilierungssucht

Dass der Absturz der Maschine nun am kommenden Dienstag in Paris vor Gericht geht, ist nicht im Sinne von Christof Wellens. Die Kanzlei, zu der der Mönchengladbacher Anwalt gehört, hatte über 20 Opferfamilien vertreten, die Angehörige verloren hatten. Für sie sei der Fall abgeschlossen, sagt er. Für ihn sei die Klage gegen die US-Fluggesellschaft Continental "Profilierungssucht eines Staatsanwalts", hatte er kritisiert, als die Klage eines französischen Staatsanwalts noch in der Vorbereitung war.

Angeklagt sind fünf Menschen wegen fahrlässiger Tötung

"Die Angehörigen wollen Ruhe haben. Für uns ist das Verfahren seit 2001 beendet." Damals hatten die Hinterbliebenen Schmerzensgeld in Millionenhöhe erhalten. Der Anwalt geht davon aus, dass nur sehr wenige Angehörige zum Prozess reisen werden.

Der Verein "Crash-Gesellschaft für Opferrechte" wurde von Angehörigen der Opfer des Concorde-Absturzes gegründet. Christof Wellens, Anwalt aus der Gladbacher Kanzlei Backes + Partner, ist Vorsitzender. Die Kanzlei hatte viele Angehörige nach dem Unglück vertreten, bei dem 96 Deutsche starben.

Angeklagt sind fünf Mitarbeiter von Fluggesellschaften und einem Luftfahrtkonzern. Sie sollen Schuld am Unglück sein. Die Anklage: fahrlässige Tötung.

Wellens hatte zwei Jahre nach dem Concorde-Unglück mit einigen Angehörigen den Verein "Crash-Gesellschaft für Opferrechte" gegründet. Das Anliegen: Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen. So bot der Verein zum Beispiel im vergangenen Jahr den Angehörigen der Opfer des Air-France-Absturzes über dem Atlantik Unterstützung an. Der Verein hat rund 50 Mitglieder. Wellens ist Vorsitzender der Gesellschaft.

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