Um an Geld für den Konsum zu kommen, sollen sechs Angeklagte einen Mann zwei Tage lang festgehalten haben. Das sagte eine Frau am Dienstag aus.

gericht
Drei der sechs Angeklagten mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt im Landgericht.

Drei der sechs Angeklagten mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt im Landgericht.

Heike Ahlen

Drei der sechs Angeklagten mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt im Landgericht.

Mönchengladbach. „Was Herr E. da gerade schildert, ist vollkommen gelogen“, sagt Rebekka S. (25). Christopher E. (21) und sie sind gemeinsam mit Alexander S. (30), Michel R. (26), Markus G.N. (26) und Sandra G.N. (23) angeklagt, weil sie ihr Opfer Phillip S. zwei Tage lang eingeschlossen und gequält, ihm Börse und EC-Karte abgenommen, die Geheimnummer dazu erpresst und Geld abgehoben haben sollen.

Die Männer und Frauen sind alle abhängig

Die Lebensgeschichten der Mönchengladbacher ähneln einander: Alle haben Förderschulen besucht, drei von ihnen stehen unter Betreuung. Bei Michel R. und Markus G.N. ist der Grund dafür eine Minderbegabung.

Während Rebekka S. vor dem Gladbacher Landgerich zugibt, hochgradig drogenabhängig zu sein, wollen die anderen beim Prozessauftakt am Dienstag zunächst mit Drogen nichts oder nur wenig am Hut gehabt haben.

Zur Tatzeit habe sie täglich etwa sechs Gramm Cannabis konsumiert, dazu Pep und Koks, berichtet S.. Wo das Geld dafür herkam, will sie zunächst aus Scham nicht sagen. Ihre Anwältin hilft: „Frau S. ist anschaffen gegangen, acht Freier am Tag waren normal.“

Ein Versuch, den Teufelskreis zu durchbrechen, gelang nicht

Die junge Frau hat jahrelang auf der Straße gelebt, ist Mutter von zwei Kindern, inzwischen sechs und vier Jahre alt, von denen sie nicht weiß, wo sie sind, weil man sie ihr nach der Geburt wegnahm.

Ein bis zwei Monate vor der Tat habe sie Christopher E. kennengelernt. Ebenso abhängig, dazu sehr aggressiv, wie sie berichtet. Alle sechs hätten gemeinsam versucht, den Teufelskreis des Geld-Besorgens zu durchbrechen, was aber fehlgeschlagen sei.

Ihr Opfer habe auch Drogen konsumiert, so habe man sich im Internet kennengelernt. Der Plan, dem jungen Mann aus dem Ruhrgebiet sein Geld abzunehmen, um damit wieder Drogen zu kaufen, sei von ihr und Christopher E. gemeinsam gefasst worden, sagt Rebekka S..

Ansonsten belasten sich beide gegenseitig. Sie versuchen, die eigene Rolle beim Martyrium des Opfers geringer aussehen zu lassen. Dass sie ihn geschlagen haben, räumen aber beide ein. Der Mann erlitt vom 29. April bis zum 1. Mai 2010 einen Nasenbeinbruch und Prellungen fast am ganzen Körper.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer