Ermittler schließen nicht aus, das Islamisten in Mönchengladbach das Feuer selbst gelegt haben.

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Der Mönchengladbacher Sven Lau („Abu Adam“) – hier bei einem Interview – gilt als einer der Köpfe der islamistischen Szene in Deutschland.

Der Mönchengladbacher Sven Lau („Abu Adam“) – hier bei einem Interview – gilt als einer der Köpfe der islamistischen Szene in Deutschland.

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Der Mönchengladbacher Sven Lau („Abu Adam“) – hier bei einem Interview – gilt als einer der Köpfe der islamistischen Szene in Deutschland.

Mönchengladbach. Die Festnahme dreier Salafisten vom umstrittenen islamistischen Verein „Einladung zum Paradies“ (EZP) in Mönchengladbach hat innerhalb der Gruppe zu heftigen Reaktionen geführt. So rief der fundamentalistische Prediger Pierre Vogel dazu auf, sich gegen die „Festnahme zu wehren und sich zu organisieren“.

Am Montag war das Trio auf Geheiß des Staatsschutzes zur Vernehmung ins Gladbacher Polizeipräsidium gebracht worden. Die Männer sollen im Keller eines Mehrfamilienhauses Feuer gelegt und sich anschließend als Opfer eines Brandanschlags dargestellt haben. Unter den Festgenommenen war auch Abu Adam alias Sven Lau aus Mönchengladbach. Der Ex-Feuerwehrmann ist seit wenigen Wochen Vorsitzender und Kopf des EZP. Jüngst hatte sich der Verein ein ausrangiertes Feuerwehr-Auto angeschafft.

Zeuge soll Vereinsvorsitzenden am Brandherd gesehen haben

Noch am Montagabend kamen die Islamisten wieder frei. Ein Ermittler: „Lau hat nichts gesagt, auf Vorhaltungen hat er oft gelächelt.“ Laut Staatsanwalt Peter Aldenhoff stand das stundenlange Verhör im Zusammenhang mit einem Kellerbrand in der Nacht zum 5. Juni an der Eickener Straße 166 – dem angeblichen Domizil des EZP, in dem sich regelmäßig Mitglieder treffen. In Ermittlerkreisen schließt man nicht aus, dass Salafisten selbst das Feuer gelegt haben könnten. Es soll einen Zeugen geben, der Lau zur fraglichen Zeit am Brandherd gesehen haben will. Lau selbst sprach nach dem Feuer „von einem Anschlag, der uns gegolten hat“.

Behörden zu einer härteren Gangart gegen Islamisten aufgefordert

Der EZP wird schon länger vom Verfassungsschutz beobachtet. Insbesondere seitdem die orthodoxe Gruppierung in Mönchengladbach eine bundesweite Islamschule mit Moschee errichten wollte. Das Projekt hat man nach Auskunft der Stadt fallengelassen – unter anderem wegen fehlender Bauanträge hatte die Verwaltung die Arbeiten gestoppt, seitdem beharken sich die Beteiligten vor dem Verwaltungsgericht.

Ermittlungsintern heißt es, dass die Behörden zu einer härteren Gangart gegenüber den Salafisten aufgefordert worden seien. Laut dem Vorsitzenden der Innenminister-Konferenz, Boris Rhein (CDU), könnten der Salafismus und seine Anhänger den Weg zum islamistischen Terrorismus bereiten. Lau hat das immer bestritten.

Salafismus bezeichnet eine besonders strenge, rückwärtsgewandte Strömung im Islam. Salafisten verstehen sich als Vertreter des wahren Islams und orientieren sich radikal am Koran. Religiöse Praxis und Lebensführung seien an den „frommen Altvorderen“ ausgerichtet, behaupten sie.

Nach Einschätzung des deutschen Verfassungsschutzes streben Salafisten eine Gesellschaft nach den Regeln der islamischen Rechtsordnung Scharia an. Sie vertreten unter anderem diskriminierende Positionen gegen Frauen, deren Vollverschleierung sie fordern, sowie gegen Homosexuelle. Innerhalb der ultra-orthodoxen Bewegung hat sich ein Flügel herausgebildet, der zum Heiligen Krieg (Dschihad) gegen „Ungläubige“ aufruft.

Laut Verfassungsschutz können salafistische Prediger einen Radikalisierungsprozess befördern. Ein bekannter Vertreter der Strömung ist der deutsche Konvertit und Ex-Boxer Pierre Vogel (Foto). In Deutschland kann sich der Salafismus laut Verfassungsschutz auf etwa 2500 Anhänger und 200 Hauptakteure stützen.

Er sieht sich wie seine Glaubensbrüder „von den deutschen Behörden verfolgt“ und spricht von einer „Hatz Ungläubiger“. Wilfried Schultz, Sprecher der Gladbacher Bürgerinitiative gegen Salafismus, meint dagegen: „Von den Salafisten geht eine akute Gefährdung aus. Es wundert mich, warum das Verbot so lange dauert.“

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