Bauarbeiten: Auch in den Ferien ist die Geschwister-Scholl-Realschule nicht verwaist. Der Baulärm der Sanierung dröhnt aus dem Gebäude. Doch bis zum Schulanfang ist jetzt nicht mehr viel Zeit.

wza_130x132_212710.jpeg
Markus Winterscheid bei der Arbeit: Insgesamt müssen in der Geschwister-Scholl Schule 2300 Quadratmeter PCB-verseuchter Anstrich und Putz von den Wänden entfernt werden.

Markus Winterscheid bei der Arbeit: Insgesamt müssen in der Geschwister-Scholl Schule 2300 Quadratmeter PCB-verseuchter Anstrich und Putz von den Wänden entfernt werden.

Markus Winterscheid bei der Arbeit: Insgesamt müssen in der Geschwister-Scholl Schule 2300 Quadratmeter PCB-verseuchter Anstrich und Putz von den Wänden entfernt werden.

Jörg Knappe, Bild 1 von 2

Markus Winterscheid bei der Arbeit: Insgesamt müssen in der Geschwister-Scholl Schule 2300 Quadratmeter PCB-verseuchter Anstrich und Putz von den Wänden entfernt werden.

Mönchengladbach. Der Presslufthammer knackt Zentimeter für Zentimeter Putz und Farbe von der Wand des Klassenzimmers. Immer größer wird das graue Loch in der ansonsten gelben Fläche. Einen Quadratmeter groß ist das Stück, dass Bauarbeiter Markus Winterscheid von PCB-belastetem Material befreit hat. Zehn Minuten hat der Mann mit Mundschutz und weißem Ganzkörper-Schutzanzug dafür gebraucht.

2300 Quadratmeter Anstrich und zum Teil auch Putz muss insgesamt von den Betonwänden der Geschwister-Scholl-Realschule gelöst werden. 1500 Quadratmeter Böden und ebenso viele Deckenplatten müssen unter größten Sicherheitsvorkehrungen für die Mitarbeiter der Baufirmen entfernt werden. Denn sie sind PCB-belastet. Die Geschwister-Scholl-Realschule ist die letzte Schule in der Stadt, die gesamtsaniert werden muss.

PCB wurden früher oft als Brandhemmer eingesetzt

Erste Schadstoff-Quelle sind die Decken. "PCB war mal Stand der Technik, ein beliebter Zusatz zum Beispiel in Holzschutzmitteln und sehr oft als Brandverzögerer eingesetzt", erzählt Hanns-Joachim Schmitz, Leiter des städtischen Bereichs Gebäudemanagement. 1978 wurden die Verbindungen zunächst in offenen Systemen, 1989 dann generell verboten, weil durch Giftunfälle klar wurde, wie gefährlich der Stoff war. Da war er aber auch in den Mönchengladbacher Schulen schon zigfach verarbeitet.

Alles Schlechte kam von oben. Über die Jahre drangen die Schadstoffe, die aus den Decken austraten, auch in die Böden und die Wandverkleidungen ein. Bei Messungen im Jahr 2003 wurde festgestellt, dass die PCB-Grenzwerte in dem Schulgebäude an der Karl-Fegers-Straße überschritten wurden.

Vier Jahre später brummt die Luftfilter-Anlage in einer Tour, während Markus Winterscheid Farbreste zusammenfegt. Daneben liegen die einst strahlend-grünen Vorhänge auf dem ansonsten blanken Beton-Boden. Sie sind wohl auch belastet.

Zwei Gebäude weiter strahlt schon neue Farbe an der Wand

Zwei Gebäude weiter ist der entkernte Zustand längst vorbei. Hier fehlt noch das Mobiliar. In den Naturwissenschafts-Räumen basteln die Installateure an letzten Details. Neue Farbe strahlt an den Wänden. Darunter sind PCB-Reste vom alten Putz und Anstrich, die in Kleinst-Ritzen und -löchern sitzen könnten, mit einem Spezialanstrich gebunden. Bauabschnitt A ist so gut wie fertig.

In drei Abschnitte hat Bauleiter Franz-Josef Goral das ganze Projekt unterteilt. Und zwar ganz simpel, damit nicht so viele Umzüge innerhalb des Hauses nötig sind. Die ersten Arbeiten starteten schon während des vergangenen Schuljahres, die letzten werden noch nach den Sommerferien weiterlaufen.

Außer der PCB-Sanierung standen und stehen Brandschutz und Energiespar-Maßnahmen auf dem Programm. "Wir machen es lieber jetzt einmal gründlich, damit wir den Schulbetrieb nicht gleich mehrfach belasten", sagt Hanns-Joachim Schmitz auch mit Blick auf die Kosten von 1,3 Millionen Euro. "Damit ist das hier das größte Projekt im Rahmen der PCB-Sanierung an Schulen, aber nur ein Drittel sind tatsächlich durch die PCB-Belastung verursacht", sagt Benno Pasieka vom städtischen Gebäudemanagement, zuständig für Schadstoffe aller Art.

Es wurden Doppelglas-Fenster eingebaut, Dach und Fassaden isoliert, neue Heizungsrohre und Elektroinstallationen verlegt, neue Heizungen montiert. Es wird moderne Brandmelder geben. Eigentlich ist fast nichts mehr so wie vorher.

Bevor die Möbel zurück kommen, wird noch mal die Luft gemessen

Bevor nun die Möbel wieder in die Schulklassen, das Lehrerzimmer und die Verwaltungsbüros eingeräumt werden, wird Benno Pasieka noch mal auf Schadstoffe messen. Stichtag: 27. Juli, 8 Uhr. Am 30. Juli steht der Einzug an.

Sieben Klassen- und ein Musikraum werden dann noch nicht fertig sein. Der entsprechende Unterricht wird zunächst im Pavillon auf dem Gelände weitergehen. Ende des Jahres können die Klassen dann in Abschnitt C einziehen, wo Markus Winterscheid jetzt noch mit dem Presslufthammer knattert.
 

Polychlorierte Biphenyle in Gladbach

Polychlorierte Biphenyle lassen sich auch in der Muttermilch nachweisen. Foto: dpa

Polychlorierte Biphenyle PCB, organische Umweltgifte, eine Gruppe, die rund 200 verschiedene Stoffe zusammenfasst. 1929 wurde es erstmals technisch hergestellt. Nach einer Massenvergiftung mit PCB-kontaminierten Lebensmitteln 1968 in Japan wurden Herstellung und Anwendung von PCBs 1978 zuerst in offenen Systemen verboten, die Produktion in Deutschland 1983 eingestellt und das Ganze dann 1989 generell verboten.

EU 2003 begannen wegen der EU-weiten Verschärfung der PCB-Grenzwerte die Messungen auch in Mönchengladbach.

Schulen Drei mit PCB belastete Schulen sind derzeit noch "in Arbeit": außer der Geschwister-Scholl-Realschule noch die Hauptschule Neuwerk und die Grundschule Geusenstraße. Im kommenden Jahr stehen nur noch zwei Sporthallen und der Verwaltungsbereich der Hauptschule Neuwerk an.

Kosten Elf Schulen wurden bisher saniert, die erste war die Sonderschule Heidegrund. Bis jetzt wurden für die Totalsanierungen als PCB-Folge in der Stadt 5,5 Millionen Euro ausgegeben.

Belastung Belastet ist primär, was mit PCB-haltigen Materialien behandelt beziehungsweise verkleidet wurde. In der Geschwister-Scholl-Realschule sind das die Decken. Sekundär belastet sind Wände, Böden, manchmal auch zum Beispiel Kunststoff-Mobilar, weil die von den Decken austretenden Schadstoffe eingezogen sind.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer