Nach dem brutalen Übergriff auf einen Polizisten wird der städtische Integrationsrat aktiv.

Betretene Gesichter beim Integrationsrat: Die Mitglieder wollen vermitteln.
Betretene Gesichter beim Integrationsrat: Die Mitglieder wollen vermitteln.

Betretene Gesichter beim Integrationsrat: Die Mitglieder wollen vermitteln.

Betretene Gesichter beim Integrationsrat: Die Mitglieder wollen vermitteln.

Mönchengladbach. "Die Polizei kann die Probleme nicht alleine lösen", sagt Reinhard Lenzen-Fehrenbach. Im Versammlungsraum des Deutsch-Russischen Integrationsvereins an der Frankenstraße ist es sehr still. Die Mitglieder des Gladbacher Integrationsrats erfahren aus erster Hand von den Ereignissen, die zu den schweren Verletzungen des Polizeibeamten Michael F. beim Einsatz Samstagnacht (28. August) in Odenkirchen-Mitte geführt haben, und sie hören etwas über die Gesamtlage in diesem Stadtteil. Der städtische Integrationsrat hat dazu den Leiter der Polizeiinspektion Mönchengladbach sowie den Odenkirchener Bezirkspolizisten Bernd Thiel eingeladen. "Wir wollen uns informieren, was wir als Integrationsrat tun können", begründet die Vorsitzende des "Rates", Gülistan Yüksel, die Aktion.

Neuer Streetworker ist im Einsatz

Der Polizei sei es wichtig, "so viele Akteure wie möglich ins Boot zu holen", betont Lenzen-Fehrenbach. Viele Menschen, die in der Wohnanlage Zur Burgmühle zu Hause sind, haben einen Migrationshintergrund. Viele unterschiedliche Nationalitäten sind dort vertreten. "Einige wenige Jugendliche sind sehr aggressiv und gewaltbereit", sagt der Polizeiinspektionsleiter. Er sieht bei dieser Gruppe von zehn bis 15 Jugendlichen - den "Odenkirchener Ghetto-Boys" - keine Chance auf Resozialisierung. Zu erreichen seien jedoch die vielen anderen Kinder, "die zu Mitläufern werden können". Polizeikommissar Thiel ist seit 1997 für den Bezirk Odenkirchen zuständig und weiß, was dort fehlt: "Die Kinder fühlen sich vernachlässigt". Es gebe keinen Raum, sich zu treffen, und vor allem habe es bisher keine kontinuierliche Kommunikation gegeben.

Der Polizeibeamte Michael F. wurde von einem 20-Jährigen mit einem einzigen Fußtritt am Kopf schwerstverletzt.

Der Integrationsrat ist ein gewähltes Gremium. Er vertritt in der Stadt die Interessen der Ausländer.

Der Deutsch-Russische Integrationsverein ist für rund 12.000 Menschen aus ehemaligen Sowjetrepubliken da, die im Großraum Mönchengladbach leben.

Ein Schritt in die richtige Richtung: Seit 14 Tagen hat ein Streetworker die Arbeit in diesem Wohnbereich übernommen, der aus Bangladesch stammt. Er wurde aber offensichtlich auch nur deshalb aktiv, weil es zu dem brutalen Übergriff auf den Polizeibeamten kam, die WZ berichtete.

Politiker mit ins Boot holen

Gülistan Yüksels Vorschlag an die Polizeibeamten: "Unsere Mitgliedsvereine stellen Ihnen Ansprechpartner zu Verfügung, die den Familien gleicher Nationalität Gespräche anbieten". Zwischen Landsleuten bilde sich schneller ein Vertrauensverhältnis: "Wir wissen besser, wie Jugendliche aus dem Süden Afrikas denken und reagieren anders als etwa ein deutscher Polizeibeamter", bestätigt ein Mitglied aus Kamerun. Fazit des Abends: Für ein friedliches Miteinander müsse ein Gesamtkonzept und präventive Sozialarbeit her. Dazu ist es notwenig, alle beteiligten Gruppen besser zu vernetzen und die politischen Entscheidungsträger ins Boot zu holen. Aufgabe des städtischen Integrationsrats kann es dabei sein, das Gespräch zu den Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern zu erleichtern. Nötig sei aber auch ein "größeres Engagement" der Stadt. OB Norbert Bude (SPD), selbst Odenkirchener, hat den "Fall Odenkirchen" zur Chefsache erklärt. Bislang habe es Bude aber bei Absichtserklärungen bewenden lassen. Hier erwarten die aufgeschreckten Beteiligten "konkrete Schritte".

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer