Für den 51-jährigen Emil D. ist es ein besonders harter Winter. Der wohnungslose Gladbacher wechselt mehrmals täglich den Unterschlupf.

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Der Obdachlose Emil D. sucht in der Notunterkunft an der Erzbergerstraße Schutz vor der Kälte.

Der Obdachlose Emil D. sucht in der Notunterkunft an der Erzbergerstraße Schutz vor der Kälte.

Der Obdachlose Emil D. sucht in der Notunterkunft an der Erzbergerstraße Schutz vor der Kälte.

Mönchengladbach. Schnee und Eiseskälte in Mönchengladbach: was die Kinder begeistert und die Autofahrer ärgert, kann für Menschen ohne Obdach zur lebensgefährlichen Bedrohung werden. Bei diesen Temperaturen kann niemand mehr im Freien übernachten.

Letzte Zuflucht für Wohnungslose bietet der so genannte Bunker an der Erzbergerstraße, die städtische Notunterkunft. Fensterlos ist der Bunker und aus ungemildertem, grauem Beton, aber er bietet Schutz vor der gnadenlosen Kälte draußen.

36 Schlafmöglichkeiten finden sich in den Zwei- und Vierbetträumen, aber nicht alle sind belegt. Im Gemeinschaftsraum läuft der Fernseher.

"Am Bahnhof reden wir ein bisschen und trinken einen."

Eine Küche mit zwei Kochplatten, Waschmaschine und Trockner sind ebenfalls vorhanden. Wer hier Unterschlupf finden will, braucht einen Übernachtungsschein von der Stadt, der von der Beratungsstelle des Diakonischen Werks abgestempelt werden muss.

Um 19 Uhr öffnet der Bunker seine Stahltore offiziell, dann wird es in den Gängen lebendig. Manchmal ist Manuela Brülls da, die sich als Krankenschwester des Diakonischen Werks um die wohnungslosen Männer kümmert. Emil D. ist einer von ihnen. Er bekommt regelmäßig Spritzen, außerdem braucht sein lädiertes Bein einen neuen Verband.

Der ehemalige Gärtner lebt seit fünf Jahren auf der Straße

Emil D. ist 51 Jahre alt und lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Er ist obdachlos, seitdem die Mutter gestorben und der Vater ins Altenheim gezogen ist. "Ich habe auch keine Papiere mehr, seit die Wohnung aufgelöst wurde", sagt er, der einmal Gärtner gelernt hat, etwas hilflos. "Die sind irgendwie weggekommen. Ich habe noch nicht mal ein Bild von meiner Mutter."

Seine Nächte verbringt er im Bunker. Um halb acht Uhr morgens, wenn die Notunterkunft schließt, geht er in den Treff Jenaer Straße zum Frühstücken und Kaffeetrinken. "Da habe ich auch einen Spind, wo ich meine Sachen lassen kann, damit nichts geklaut wird", sagt er. "Duschen und meine Sachen waschen kann ich da auch."

Es gibt keine genauen Zahlen zur Obdachlosigkeit in der Stadt

Auch sein Geld wird ihm dort zweimal wöchentlich ausgezahlt. Zum Mittagessen, das einen Euro kostet, bleibt er noch im Treff, aber um 15 Uhr muss er sich einen anderen warmen Unterschlupf suchen. "Meistens bin ich dann am Bahnhof, so wie die anderen", sagt er. "Dann reden wir ein bisschen und trinken einen." Früher habe er auch schon mal im Winter draußen im Park geschlafen, aber das sei hart.

"Heute bin ich rund ums Jahr hier im Bunker", erklärt der 51-Jährige. "Wir haben auch Silvester hier gefeiert. Das war schön, da haben wir bis zehn Uhr morgens hier gesessen."

Die Zahlen über Obdachlosigkeit in Mönchengladbach liegen weit auseinander. Die Stadt verzeichnet in ihrer Notunterkunft in einem Monat 30 Nutzer, die zentrale Beratungsstelle für wohnungslose Männer an der Jenaer Straße spricht von 546 Ratsuchenden im Jahr 2008, davon 296 ohne eigene Wohnung.

Bei den Frauen liegen die Fallzahlen niedriger: Das Diakonische Werk verzeichnet 205 Klientinnen, davon etwa 50 ohne eigene Wohnung.

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