Ein kleiner Schnitt soll den Erfolg bei Operationen ermöglichen.

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Oberarzt Stefan Bollmann zeigt die Technik, daneben Frank A. Granderath.

Oberarzt Stefan Bollmann zeigt die Technik, daneben Frank A. Granderath.

Jörg Knappe

Oberarzt Stefan Bollmann zeigt die Technik, daneben Frank A. Granderath.

Mönchengladbach. Eigentlich geht es nicht um die Schönheit, aber ein narbenfreier Bauch ist ein angenehmer Nebeneffekt des Verfahrens, das im Krankenhaus Neuwerk bei Darm-OPs eingesetzt wird. Bei der so genannten Single-Port-Technik wird durch einen winzigen Schnitt im Bauchnabel hindurch operiert.

"Das Single-Port-Verfahren ist eine Weiterentwicklung der minimalinvasiven Chirurgie, bei der bisher durch vier bis fünf kleine Zugänge hindurch operiert wird", erläutert Professor Dr. Frank A. Granderath, Chefarzt der Allgemein- und Visceralchirurgie.

Neue Methode ist schwieriger

Single-Port bedeutet, dass durch einen winzigen Schnitt im Bauchnabel Kamera, Halte- und Schneide-Instrument eingeführt werden.

Der Operateur sieht auf einem Monitor, was er im Bauchraum des Patienten tut. Die relativ neue Technik stellt den Chirurgen vor größere Schwierigkeiten als die herkömmliche minimalinvasive Chirurgie, weil die Instrumente nicht in einem 60-Grad-Winkel, sondern parallel bewegt werden müssen.

In Neuwerk wird das Verfahren seit zwei Jahren bei Gallenblasen-Operationen eingesetzt, jetzt hat das Team um Granderath erstmalig in der Region auch einen Teil des Dickdarms auf diese Weise entfernt.

Das Single-Port-Verfahren ist eine Weiterentwicklung der so genannten Schlüsselloch-Chirurgie.

"In Neuwerk besteht erstmals in unserer Region die Möglichkeit, sich nahezu narbenfrei einen Teil des Dickdarms entfernen zu lassen", sagt Pressesprecherin Verena Schäfers.

Das Akut-Krankenhaus gehört zu den St. Augustinus-Kliniken Neuss, die sind eine gemeinnützige GmbH.

Der Vorteil des Verfahrens liege auf der Hand: Gibt es einen winzigen Schnitt, muss nur ein winziger Schnitt heilen. Geht man zudem durch den Bauchnabel (eine "natürliche Körperöffnung", wie Granderath ihn nennt) ist später die Narbe kaum erkennbar. "Wir vermeiden so ein Bauchdeckentrauma", sagt der Chirurg.

Vorreiterrolle soll offiziell bestätigt werden

Die Patienten können nach sechs bis sieben Tagen nach Hause. Obwohl die Methode bei den Gallenblasen-OPs früh in Neuwerk eingeführt wurde, ist der Chefchirurg kein uneingeschränkter Verfechter der Technik.

Es sei aber machbar, die Methode auch bei Magen-, Leber- oder Bauchspeicheloperationen einzusetzen, für sinnvoll hält es der Chefarzt nicht immer. Bei Tumorfällen wird die Single-Port-Technik in Neuwerk nicht angewandt.

Allerdings schreitet die Medizin schnell fort. "Als ich mit Gallenblasenoperationen per Single-Port-Technik begann, haben Kollegen mich ausgelacht", erzählt der Chefarzt. Inzwischen werde in Neuwerk häufig und erfolgreich auf diese Weise operiert.

Neuwerks Vorreiterrolle soll offiziell bestätigt werden: Das Krankenhaus hat sich um die Zertifizierung als Referenzzentrum für minimalinvasive Chirurgie beworben.

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