In „Das Interview“ verlieren sich zwei verletzte Seelen im Schlagabtausch.

Theater
Pierre (Adrian Linke) und Katja (Anja Barth) im Rollentausch.

Pierre (Adrian Linke) und Katja (Anja Barth) im Rollentausch.

Stutte

Pierre (Adrian Linke) und Katja (Anja Barth) im Rollentausch.

Mönchengladbach. Gar nicht so leicht zu durchschauen. Wer von den beiden Medienprofis ist in welchem Augenblick mal ehrlich. Was gaukelt er dem anderen vor? Das sind Fragen, die den Zuschauer von „Das Interview“ bei der Premiere im TiN gute 80 Minuten in Atem halten.

Pierre und Katja kommen aus unterschiedlichen Welten

Der Niederländer Theo van Gogh, inzwischen von einem islamischen Fundamentalisten ermordet, führte Regie in dem Film. Im TiN inszenierte Siegfried Hopp. Adrian Linke überzeugt als der politische Redakteur und Kriegsreporter Pierre auf dem Abstellgleis. Der die Probleme beispielsweise im Bosnien-Krieg erkannte und benannte – was die Katastrophe von Srebrenica jedoch nicht verhinderte. Linke zeigt, dass diese Erkenntnis tiefere Narben bei seinem Alter Ego hinterlassen hat, als der Granatsplitter, der sich dort in seinen Leib bohrte.

Anja Barth überzeugt als Quoten-Queen Katja, die zwar beliebt ist und viel Geld verdient, aber darunter leidet, dass man sie für dämlich hält und nicht ernst nimmt. Besonders solche intellektuellen, arroganten Schnösel wie Pierre, würden sich gerne über sie erheben. Eine Verletzung, die auf ihrer Seele eben solche Narben hinterlassen hat und sie zum Zynismus zwingt.

„Narbe erkennt Narbe“, heißt ihr Schlüsselsatz, der einen Aspekt beleuchtet, warum sich die beiden auf die Schlacht einlassen, warum die Rollen zwischen Interviewer und Befragtem dauernd tauschen. Warum das auf eine Stunde anberaumte Treffen zu einem Abend wird, an dem sich beide unglaublich nahe kommen – und sich im nächsten Augenblick mit aller Vehemenz abstoßen.

Das Stück fesselt den Zuschauer und regt zum Nachdenken an

Das Stück fesselt. Vielleicht, weil es auf eindringliche Weise Zwänge darstellt, denen öffentliche Personen unterliegen und die Mechanismen der Medienwelt offenbart. Vielleicht aber auch, weil es so vielschichtig ist und es sich auf der menschlichen Ebene um das Thema „Mann – Frau“ dreht, dem jeder schon mal auf die eine oder andere Weise begegnet ist. Ein Theaterabend, der die Zuschauer noch lange beschäftigen wird und den Akteuren zunächst langanhaltenden, begeisterten Applaus beschert.

 

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