Pfarrer Manfred Riethdorf hat mit der Mutter von zwei Brüdern gesprochen, die in die Kirche „Scheiß Christen“ gerufen haben sollen.

Pfarrer Manfred Riethdorf (r.) mit seinem Kollegen Klaus Hurtz.  Archiv
Pfarrer Manfred Riethdorf (r.) mit seinem Kollegen Klaus Hurtz. Archiv

Pfarrer Manfred Riethdorf (r.) mit seinem Kollegen Klaus Hurtz. Archiv

Raupold

Pfarrer Manfred Riethdorf (r.) mit seinem Kollegen Klaus Hurtz. Archiv

Mönchengladbach. Die Aufregung über den Vorfall bei der Krippenfeier in der Pfarrkirche St. Marien ist immer noch sehr groß. Inzwischen hat Pfarrer Manfred Riethdorf mit einer Familie der jungen Störer Kontakt aufgenommen.

Er äußerte sich zufrieden über die Reaktion der muslimischen Mutter: „Sie hat mir sehr deutlich gemacht, dass sie das Verhalten ihrer Kinder in keinster Weise toleriert. Sie hat mir ihre Erziehungsprinzipien dargelegt. Davon war ich recht angetan.“ Riethdorf hat mit der alleinerziehenden Mutter ein weiteres Gespräch vereinbart, weil die Unruhestifter, zwei Brüder im Alter von 14 und 13 Jahren, bei seinem Besuch nicht zugegen waren: Sie waren bei ihrem Vater. Die Familie will auch den Kontakt zu den anderen Störern herstellen.

Riethdorf erntet für sein Vorgehen Lob von allen Seiten

Weil die fünf Unruhestifter nicht nur die Krippenfeier massiv störten, sondern auch „Scheiß Christen“ in die Kirche riefen, will Manfred Riethdorf den Vorfall mit aller Konsequenz aufklären. Und dafür bekommt er Lob von vielen Seiten. „Ich finde, man sollte den Vorfall nicht überbewerten. Dennoch bin ich begeistert von der bei ihm gewohnten, souverän-freundlichen Art von Manfred Riethdorf, mit einem solchen Vorfall umzugehen. Das ist der richtige Weg: Mit den Menschen ins Gespräch kommen, wenn sie denn wollen. Nur so kann man ihnen eine Hilfe zukommen lassen, die sie offensichtlich in ihrem alltäglichen Leben nicht mehr erfahren“, sagt Regionaldekan Ulrich Clancett.

Der Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss, Dietrich Denker, lobt seinen katholischen Kollegen ebenfalls: „Manfred Riethdorf handelt absolut richtig. Er setzt ein Zeichen, findet klare Worte und lässt sich und die Kirche nicht zum Spielball machen“, sagt Denker, der selbst seit rund 24 Jahren Pfarrer in Rheydt ist. Er berichtet von Störungen auf evangelischen Friedhöfen: „Auch dagegen mussten wir bereits entschlossen vorgehen und klare Grenzen setzen.“

Aus dem Kreis Mettmann meldete sich der SPD-Landtagsabgeordnete Manfred Krick bei Riethdorf und nennt dessen Vorgehen „beispielhaft“. „Das Verhalten der Kinder und des Jugendlichen ist frech und mehr als ungebührend. Deshalb ist es auch richtig, dies nicht kopfschüttelnd und verärgert zu akzeptieren“, schreibt der Politiker.

Bei seinen Schülern war Riethdorf stets beliebt

Das will und wird Manfred Riethdorf auch nicht. Der Seelsorger, der selbst 30 Jahre an Gymnasium Am Geroweiher unterrichtet hat und von ehemaligen Schülern als Super-Lehrer bezeichnet wird, war am Samstag gleich zweimal bei der Familie der beiden Störer, die der Küster nach dem Vorfall festhalten konnte. Einmal war die Mutter nicht da, beim zweiten Besuch waren Verwandte aus Istanbul anwesend. „Sie haben mich zu einer Linsensuppe eingeladen. Es war eine gute Gesprächsatmosphäre“, erzählt Riethdorf.

Der Wille, den Vorfall aufzuarbeiten, sei bei der Mutter erkennbar gewesen. „Sie hat mir deutlich gemacht, dass sie ihren Kindern beigebracht hat, andere Religionen zu respektieren und Gotteshäuser zu achten“, sagt der Seelsorger. Ein weiteres Gespräch, an dem die Störer teilnehmen, sei vereinbart. Riethdorf: „Ich will die Namen der anderen wissen. Und ich will wissen, wer sie dazu angestachelt hat.“

Für Regionaldekan Clancett ist das ein guter Ansatz: „Ich finde eine Entwicklung bedenklich, die unter Kindern und Jugendlichen fortschreitet. Es ist ein Weg hin zu einer selbst definierten Freiheit, die nicht bei der Freiheit des Anderen endet. Respektlosigkeit ist dabei eines der Stichworte.“ Es sei wichtig, zu „unseren Werten und Positionen“ zu stehen.

Leserkommentare (7)


() Registrierte Nutzer