menschen Sammler gibt es viele. Ausstellungen zusammen- getragener Schmuckstücke auch. Aber dass jemand in sein Haus einlädt, um der Welt seine Schätze zu zeigen – das ist ungewöhnlich. Familie Schnelle hat es getan.

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Silvia Schnelle inmitten einer Auswahl ihrer historischen Sammlerstücke.

Silvia Schnelle inmitten einer Auswahl ihrer historischen Sammlerstücke.

Horst Siemes

Silvia Schnelle inmitten einer Auswahl ihrer historischen Sammlerstücke.

Mönchengladbach. Schon im Vorgarten offenbart sich, dass das ein besonderes Haus ist. Eine ganze Armee Gartenzwerge säumt den Weg zur Haustür. Begrüßt wird man von einem Lassie in Miniformat. Shelty Larry bellt kurz und dient damit gleichzeitig als Alarmanlage.

Und die ist wichtig: Denn im ersten Stock des Hauses hat Frauchen Silvia Schnelle Werte angesammelt, mehr als 200 Schildkrötpuppen, die im Internet für Hunderte von Euro gehandelt werden, Puppenhäuser und Steiff-Tiere.

"Hier, die Fledermaus", gibt Silvia Schnelle einen Hinweis, "die hat noch das Schildchen auf der Brust, und unter dem Knopf ist auch noch das Fähnchen vorhanden." Damit hat das Tier einen besonderen Sammlerwert.

"Aber darauf kommt es mir nicht an", sagt die 47-Jährige, die als Buchhalterin arbeitet. Sie liebt die zahllosen Objekte, die sie im Laufe von mehr als 25 Jahren zusammengetragen hat und will ihre Freude daran mit anderen Menschen teilen.

Die Vitrinen sind voll mit Schildkröt- und Steiff-Stücken

Deshalb hat sie nun ein Spielzeugmuseum in ihrem Haus eingerichtet, musste eine Nutzungsänderung dafür beantragten und eine Abnahme durch das Bauordnungsamt durchlaufen. Vitrinen mussten angeschafft werden.

Familie Schnelle will an jedem Sonntag historisches Spielzeug, Puppen, Eisenbahn und vieles mehr ausstellen. Von 14 bis 17 Uhr erwarten Silvia und Johannes Schnelle Besuch in ihrem Haus am Schrödt 27 in Giesenkirchen: Tel. RY 89433.

Jeden Sonntagnachmittag öffnet sie nun ihr Haus für Besucher, bietet ihnen zum Selbstkostenpreis Kaffee und Kuchen, lädt zum Erzählen und zum Austausch. Eintritt verlangt sie nicht. "Ich freue mich über jeden, der kommt."

Angefangen hat alles mit ihrer eigenen Schildkröt-Sprechpuppe, seit ihrem 18. Lebensjahr erweiterte sie danach ihren Fundus über das hinaus, was ein Kind zum Spielen braucht. "Unterbrochen habe ich das nur, als unsere Tochter klein war. Da fehlte das Geld." Damals wurden lediglich kleine Steifftiere angeschafft.

Wer Silvia Schnelles Museum durchstreift, findet in den Vitrinen viel Das-hatte-ich-auch-mal-Stücke. "Da fühlen sich die Menschen in ihre Kindheit zurück versetzt. Die meisten haben diese Dinge irgendwann weggeworfen und freuen sich, sie bei mir wiederzufinden. "Manche zeigen die Sachen dann auch ihren Kindern."

Auch ein typisches Jungenspielzeug, eine elektrische Eisenbahn, ist aufgebaut. Die gehört eigentlich Schnelles Mann Johannes. "Erst bekam ich zu Weihnachten ein paar Modell-Häuser geschenkt", sagt der Gemahl. Mit ihnen war die Frau zwei Jahre lang zufrieden. Irgendwann bekam ihr Mann das Starter Set der H0-Eisenbahn zu Weihnachten.

"Gewünscht hatte ich mir das nicht", betont er lächelnd. Weil er eigentlich wunschlos glücklich ist, hat er sich bereitwillig auf das Hobby der Frau eingelassen und teilt es. Stolz zeigt er die Eislaufbahn, auf der zwei Figuren auf Schlittschuhen ihre Kreise ziehen, und den strombetriebenen Sessellift.

Manche Menschen, die ihre Sammlung gesehen haben, schenken Silvia Schnelle altes Spielzeug. "Eine Frau kam und brachte uns zum Beispiel das Spielzeug ihrer erwachsenen Söhne, die selbst keine Kinder haben."

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