Es herrscht keine Einigkeit über den Neubau. Kippt die Stadt das Projekt, wird’s aber teurer.

Das Minarett der Moschee an der Duvenstraße. Archiv
Das Minarett der Moschee an der Duvenstraße. Archiv

Das Minarett der Moschee an der Duvenstraße. Archiv

Seit dem Baubeginn an der Mittelstraße in Rheydt ist auf der Baustelle nicht viel geschehen. Noch gibt es viel zu viele unbeantwortete Fragen rund um das Projekt des islamischen Kulturvereins Masjid Arrahman.

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Das Minarett der Moschee an der Duvenstraße. Archiv

Die Baustelle ist verbrettert, nur durch Lücken gelingt ein Blick auf die Baugrube. Auf einer Fläche von 1644 Quadratmetern will die islamische Gemeinde Masjid Arrahman für rund vier Millionen Euro eine neue Moschee mit einer 17 Meter hohen Kuppel und einem Minarett bauen. Doch seit dem Start ist auf dem Bau nicht viel passiert. Dafür beschäftigt das umstrittene Projekt intensiv Gladbachs Politiker.

Zu den Freitagsgebeten könnten bis zu 800 Menschen kommen

In der Bezirksvertretung Süd legt die Verwaltung am Mittwoch dar, wie die Gemeinde die Genehmigung erhalten hat. Fakt ist: Würde die Stadt das Projekt kippen und die Genehmigung zurückziehen, müsste sie mit erheblichen Kosten rechnen. Man könne sie nicht beziffern, schreibt Baudezernent Gregor Bonin, listet dann aber auch auf, wie viele Positionen das sind. Sie reichen von den Planungskosten bis zum Ausgleich für Zinsbelastungen und Vertragsstrafen.

Wer die angrenzende Lagerhalle einer ehemaligen Spedition sieht, kann sich kaum vorstellen, dass sich hier an der Mittelstraße in Rheydt schon eine Moschee befindet. Auch Salafisten sollen sich hier treffen, deshalb steht das Bethaus im Visier von Staatsschützern. Islamistische Prediger wie Pierre Vogel und Sven Lau sollen aber Hausverbot haben. Im Herbst 2016 hat der islamische Kulturverein Masjid Arrahman Fakten geschaffen: Vor Ablauf der Baugenehmigung hat er nach einer Baubeginn-Anzeige eine Grube ausheben und ein Fundament gießen lassen. Die Bauvoranfrage stammt vom 16. Juni 2011, sie wurde zwei Monate später positiv beschieden. „Eine Bindungswirkung für die Errichtung der Moschee entstand mit der Erteilung dieses Bauvorbescheides“, heißt es in Bonins Erklärung.

Die geplante Anzahl der Parkplätze würde wohl nicht ausreichen

Die Baugenehmigung wurde Juni 2013 erteilt. „Erweiterung des Vereinsgebäudes mit Gebetsraum, Herstellung von 69 Stellplätzen“ heißt der Titel. Auf diese verhältnismäßig geringe Zahl an Stellplätzen konzentrieren sich die Politiker, die das Projekt noch verhindern wollen. Denn der Verein Masjid Arrahman gibt selbst an, dass bis zu 500 gläubige Muslime zum Freitagsgebet kommen, durch den Flüchtlingszuzug soll ihre Zahl deutlich gestiegen sein. Die islamische Gemeinde hat in einem Internetvideo selbst von bis zu 800 Menschen in der alten Moschee berichtet. Allerdings: Die städtische Baubehörde hat den Parkplatz nur mit 69 Stellplätzen genehmigt. Und sie hat auch die Verkehrsanbindung positiv bewertet. Auch in dieser Hinsicht gibt es kritische Stimmen: Die Mittelstraße ist relativ eng und wird – gerade auch freitags – von zahlreichen Menschen angefahren, weil hier mehrere Discounter ansässig sind.

Interessant ist auch ein Passus auf die Frage, welche weiteren Moscheen oder „moscheeartigen Bauvorhaben“ geplant waren oder sind. Bonin erklärt, dass es für ein Projekt Am Krahnendonk in Neuwerk eine Bauvoranfrage gab – sie wurde abgelehnt. In einem Haus an der Erzbergerstraße/Ecke Volksgartenstraße sollten Vereinsräume in Gebetsräume umgewandelt werden – wegen unzureichender Unterlagen wurde der Antrag zurückgewiesen. Im Gewerbegebiet Am Klosterhofweg in Güdderath will eine hinduistische Glaubensgemeinschaft eine alte Villa nutzen – hier wurde die Art der Nutzung inzwischen als „zulässig“ beantwortet. Und in einem Gebäude an der Straße Langmaar in Schelsen nutzten Sinti und Roma illegal Gebetsräume – jetzt haben sie immerhin einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt.

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