Strassenkarneval: Rathäuser wurden am Donnerstag von jecken Frauen gestürmt, Männer vertrieben und überall ausgelassen gefeiert.

Mönchengladbach. Das war kein Wetter für alte Weiber. Da wurden sogar Pelzmäntel reaktiviert, wie in Odenkirchen zu sehen war. Es war das Gebot der Stunde. Statt wie üblich auf dem Platz vor dem Rathaus hatten die Karnevalsgesellschaften Schwarz-Gold und Ruet-Wiss in Odenkirchen das Möhnentreiben erstmals in die Mitte des Ortes an den Martin-Luther-Platz gerückt. Dort war es lausig kalt, und es zog.

So waren nur wenig echte Möhnen zu sehen. Lieber stülpten die Damen und auch einige Herren ein weites Teufelsgewand oder anderen wallenden Stoff über das notwendige dicke "Darunter".

Der Vorsteher des Bezirks Süd, Karl Sasserath (Grüne), offenbarte in seiner Kostümierung politisch wenig Überraschendes: Er kam als Gärtner in Grün. Aber die Details machten es aus: "Die Clowns-Püppchen haben die Farben der Ampel-Kooperation", gab er schmunzelnd einen Hinweis auf seinen Halsschmuck. Kinderprinz Alexander I. hatte sich eine bunte Punkerperücke aufgesetzt. Auch in den begleitenden Garden gaben witzige Perücken einen Hinweis, dass der Saalkarneval fast vorbei ist und das wilde Treiben auf den Straßen beginnt.

Von oben kommen Kamelle statt Schnee

Schnatternd zieht der närrische Hofstaat nach Giesenkirchen. Prinzessin Niersia Kirsten I. fasst mit leicht angekratzter Stimme zusammen, was Karneval ausmacht. "Man trotzt den Unbilden der Jahreszeit und sorgt mit Sonne im Herzen, Lachen, Schunkeln und Bützen für menschliche Wärme." Aber sie bittet, doch in der nächsten Zeit brav die Teller leer zu essen, damit es zu den Zügen weniger kalt und windig sei.

"An mir liegt das nicht" - kontert der Bezirksvorsteher Ost, Hermann-Josef Krichel-Mäurer (SPD), vom Rathausfenster am Konstantinplatz. Dann lässt er die ersten Kamelle der Session auf wartende Kinder regnen, um das von Männern besetzte Rathaus gegen die Erstürmung durch Möhnen zu verteidigen.

Hunderte liebevoll kostümierte und bis zur absoluten Unkenntlichkeit maskierte Möhnen unterstützen die Obermöhne Angelika Palmen. Die stachelt die Menge vom Bühnenwagen aus an, mit einem "Giesenkirchen - Vor Rop" gegen die Rathaustür zu drängen. Das Tor gibt um kurz nach zwölf gefährlich nach, doch erst nach dem dritten Ansturm um 13Uhr nehmen die weiblichen Narren das Zepter in die Hand.

Kostümwettbewerbe, frierende Mariechen und Zwiebelprinzip

"Hakt euch ein und schunkelt euch warm", ermunterten die Jungs der Karnevalsband Narren Rock ihr Publikum. Das setzten die Jecken, die zur Friedrichstraße kamen, gleich in die Tat um. Ihre gute Stimmung ließen sich Hexen, Pinguine und Prinzessinnen durch Frost und Schnee nicht verderben: "Kein Alkohol, ein bisschen Bewegung, meine Angoraunterwäsche - das ist der beste Schutz vor Erkältungen", verriet eine Dame im langen Kleid, die zum 45. Mal beim Kostümwettbewerb mitmachte. "Das Zwiebelprinzip" helfe gegen die Kälte, erzählte ein gut gelauntes Damenquartett.

In der Zwischenzeit hat der Kommandant der Funkengarde KG Stadtmitte seine Mädchen und Jungs für den Auftritt zusammengetrommelt. Die Mariechen frieren zwar in ihren kurzen Röcken, dürfen jedoch nicht tanzen: "Das ist mir bei der nassen, glatten Bühne viel zu gefährlich", sagt Ernst Noathnick.

Schwarz-weiß wie Kiss und Kölsche Tön gegen das Frieren

Schwarz-weiß geschminkte Gesichter, schwarzes Outfit und Gitarren im Arm: Vier Närrinen sehen aus wie die Band Kiss: "Wir kommen extra aus Hochneukirch, um mitzufeiern." Dass die Stimmung vor dem Rathaus in Rheydt immer "bombig" ist und sich ihr Ausflug auf jeden Fall lohnt, wussten sie "vom Hörensagen". In der Zwischenzeit hat MKV-Moderator Bella Peltzer das Programm auf der Bühne richtig in Schwung gebracht und die erste Band angekündigt. Sie hat kölsche Karnevalshits im Gepäck und heizt dem rotnasigen Publikum ein. "Es könnte schlimmer sein. Stellt euch vor, es würde regnen", trösten die Musiker.

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