Projekt: Streetworkerin Nici Glasmacher will der Diskriminierung unter Jugendlichen vorbeugen.

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Streetworkerin Nici Glasmacher diskutiert mit den Schülern über das Thema Mobbing.

Streetworkerin Nici Glasmacher diskutiert mit den Schülern über das Thema Mobbing.

Horst Siemes

Streetworkerin Nici Glasmacher diskutiert mit den Schülern über das Thema Mobbing.

Mönchengladbach. Linda weiß, wie es ist, wenn alle Klassenkameraden plötzlich gegen einen sind, wenn man ständig Beschimpfungen ertragen muss. "Vor etwa einem Jahr gab’s bei uns die ’Coolen’, die haben ständig auf den ’Uncoolen’ herumgehackt. Damals war ich eine der ’Uncoolen’, aber ich habe mich gewehrt, ich habe mir nie etwas gefallen lassen", erzählt die 13-Jährige.

Klassenkamerad Niclas erinnert sich: "Viele haben das aber alles geschluckt, es gab viele Tränen, die Lehrer mussten sogar eingreifen. Jetzt tut es mir leid, dass wir so gemein waren."

Mobbing ist für die Schüler der Klasse 8b des Gymnasiums am Geroweiher mittlerweile kein Thema mehr, alle halten jetzt zusammen. Für ein Projekt müssen sie sich jedoch noch einmal damit befassen. Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Streetworkerin Nici Glasmacher (28) besucht seit zwei Jahren Schulen und Einrichtungen, um mit den Jugendlichen Aktionen zur Vorbeugung von Diskriminierung und Mobbing zu machen. Die Initiative ist Teil einer Zusammenarbeit von Stadt und Awo.

"Mobbing auf dem Pausenhof kommt an allen Schulen vor. Schüler werden verstoßen, beschimpft oder ausgelacht, weil sie etwa keine Markenklamotten tragen", erklärt Glasmacher. Für die Opfer habe das oft schlimme Folgen: Angst vor der Schule bis hin zu Selbstmordgedanken. "Es ist wichtig, den Jugendlichen klar zu machen, dass es kein Spaß ist, andere fertig zu machen", so Glasmacher.

Mobbing im Internet ist ein Schwerpunkt

Einen Schwerpunkt lege sie zudem auf das so genannte Cyber-Mobbing, also Diskriminierungen in Internet-Foren. "Die nutzen viele, um von ihrem Opfer zum Beispiel Fotos online zu stellen und es so lächerlich zu machen", sagt Glasmacher.

Vier Schulstunden dauert ihr Präventions-Projekt, bei dem Rollenspiele, Fragebögen und Plakate erstellen auf dem Plan stehen. Für das Rollenspiel werden die Schüler in "Cliquen" eingeteilt, drei spielen neue Klassenmitglieder, die versuchen, Anschluss zu finden. Doch das sollen die Grüppchen ihnen alles andere als leicht machen.

Alina ist die erste, die ihr Glück versucht. "Hi, wie geht’s?", fragt sie. Die erste Truppe dreht sich auf dem Absatz um und lässt die 13-Jährige alleine zurück. Bei der zweiten Clique stößt Alina auf Gelächter und unfreundliche Worte.

"Wie habt ihr euch dabei gefühlt?", will Glasmacher danach wissen. Die Schüler sind sich einig: "Scheiße", schallt es ihr im Einklang zurück.

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