Ausprobieren, zuschauen und staunen war das Motto beim mittelalterlichen Markt auf dem Mühlentorplatz.

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Die Mann des Vereins Habitare 1288 zeigen, wie Anno dazumal gekämpft wurde.

Die Mann des Vereins Habitare 1288 zeigen, wie Anno dazumal gekämpft wurde.

Jörg Knappe

Die Mann des Vereins Habitare 1288 zeigen, wie Anno dazumal gekämpft wurde.

Mönchengladbach. "Fresst, sauft und kauft, wie es war vor langer Zeit", gibt der mittelalterlich gekleidete Gaukler den Menschen, die sich auf dem Rheindahlener Mühlentorplatz versammelt haben, mit auf den Weg. "Wohl an" und "Es sei" ruft die Menge zurück.

Das "Volk von Dahlen" darf sich zerstreuen und unter den wachsamen Blicken der Gefolgsleute des Grafen von Jülich seine Eurotaler für Kappes-Schlodder, Kirsch-Met oder Grillhaxe an den Mann bringen.

"Nee, da möchte ich nicht gelebt haben", erklärt eine Besucherin, die an diesem Wochenende über den mittelalterlichen Markt des Kappesfestes in Rheindahlen schlendert. Recht hat sie.

Immerhin fast 32 Kilogramm wog das aus kleinen Metallschlaufen gefertigte Kettenhemd, das ein Rittersmann mit sich herumschleppen musste, weiß Roland Klein zu berichten. "Das konnten sich die armen Leute gar nicht leisten.

Ein Bauernhof mit allen Tieren ging für den Schutzpanzer von Brust, Armen und Beinen vor feindlichen Schwertangriffen drauf", erzählt das Mitglied des Rheindahlener Vereins Habitare 1288, der traditionell den historischen Teil des Kappesfest gestaltet.

Manchmal ist das Mittealter näher als man denkt

Dass manchmal das Mittelalter gar nicht so fern ist, stellen zwei ältere Festbesucherinnen fest, die den historischen Waschfrauen bei der Arbeit am Waschbrett zusehen: "So haben wir auch noch gewaschen", erinnern sie sich. Ihre Enkelinnen dürfen das mühsame Schrubben der Wäsche an dem rauen Brett einmal ausprobieren. "Jetzt weiß ich auch, warum Oma so stark ist", erklärt die eine.

Ausprobieren, zuschauen und zuhören ist angesagt beim Kappesfest. Auf dem Mühlentorplatz, vor der Pfarrkirche und auf dem Helenaplatz haben Handwerker, Händler und Vereine ihre Stände aufgebaut.

Und natürlich drehen sich die verschiedenen Gerichte, die im Angebot sind, wieder um Weißkohl, Sauerkraut und Kohlrouladen: "Das ist für mich schon alte Gewohnheit. Ich muss unbedingt als erstes eine Kappes-Schlodder-Suppe essen", erklärt ein Familienvater den traditionellen Sinn des Kappesfestes. So gestärkt geht es weiter zu Menga, der Brettchenmacherin, die ihr Handwerk am Webstuhl demonstriert.

Beim Dosenmacher kann sich die ganze Familie ihre Dose nach eigenen Wünschen gestalten und ein Geschichtenerzähler lädt die Kinder in sein Zelt ein. Ob hier von bösen Drachen, einem geraubten Burgfräulein und mutigen Rittern die Rede sein wird?

Festbesucher Jonas hält mehr vom praktischen Ausprobieren des Ritterdaseins und nutzt das Angebot sich beim Bogenschießen zu üben. Seine Eltern stehen dagegen auf Getränke aus Maischegärung. "Ein echtes Aphrodiasikum", verspricht die Dame beim Verkauf.

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