Thomas Beckmann tritt zu Gunsten seiner Initiative „Gemeinsam gegen Kälte“am 19. März in der Christuskirche auf. Unsere Redaktion hat ihn gefragt, was ihn zum Helfen bewegt.

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Thomas Beckmann spielt gegen soziale Kälte.

Thomas Beckmann spielt gegen soziale Kälte.

Stefanie Siegel

Thomas Beckmann spielt gegen soziale Kälte.

Mönchengladbach. Sein Cello trägt den Namen "Il Mendicante" - der Bettler. Seit 1996 engagiert sich Thomas Beckmann für Obdachlose und arme Menschen - bundesweit und mittlerweile auch in Japan. England und Frankreich sind ebenfalls angedacht.

1,5 Millionen Euro hat er so schon in Konzerten erspielt. Am Freitag, 19. März, macht Beckmann mit seiner zehnten Benefiztournee um 20 Uhr in der Mönchengladbacher Christuskirche Station.

Herr Beckmann, warum spielen Sie für Obdachlose?

Thomas Beckmann: Die Anfänge reichen bis in meine Kindheit zurück. Als ich fünf Jahre alt war, ging ich mit meinem Vater durch die Düsseldorfer Altstadt. Er gab einem Bettler 50 Pfennig und es entwickelte sich folgender Dialog: Ich fragte: Was ist das für ein Mann? Ein armer Mann, sagte mein Vater. Und wer kümmert sich um ihn? - Der Staat. Wer ist der Staat? - Wir alle. Wenn sich alle um ihn kümmern, warum sitzt der Mann dann da? Als dann 1992 zwei Frauen in der Altstadt erfroren, gingen Tausende vorbei und alle dachten, da kümmert sich der Staat drum, aber im Grunde war es juristisch gesehen unterlassene Hilfeleistung.

Da haben Sie angefangen, für Schlafsäcke zu sammeln?

Thomas Beckmann ist 53 Jahre alt und hat Musik studiert. 1980 wurde er Meister-Schüler des renommierten Cellisten Pierre Fournier. Verheiratet ist er mit der Pianistin Kayoko Matsushita. Beide leben in der ehemaligen Wohnung von Clara und Robert Schumann in der Düsseldorfer Altstadt.

Beckmann: Das war der Anfang. Mittlerweile fördern wir mit unserem Verein "Gemeinsam gegen Kälte" - übrigens die erste private Initiative gegen Obdachlosigkeit - Hilfsprojekte aller Art in 100 deutschen Städten.

Welche Möglichkeiten hat man Ihrer Meinung nach, Obdachlose aus dem Teufelskreis von Arbeits- und Wohnungslosigkeit zu befreien?

Beckmann: Man wird es stets versuchen müssen, und es gelingt öfter als man denkt. Aber in einem Land, in dem mehr als 80 Millionen Menschen leben, wird es immer einen gewissen Prozentsatz von seelisch entkräfteten Menschen geben. Den politischen Ansatz, Hilfsangebote nur dann zu gewähren, wenn sie mit therapeutischen Maßnahmen verbunden sind, halte ich für falsch. Mitleid kennt keine Bedingungen.

Und trotzdem ist es Ihr Anliegen, zu helfen?

Beckmann: Ja, es steht uns nicht zu, die, die uns nicht gefallen, aus dem Stadtbild zu verbannen. Gerade deshalb habe ich mir den schwierigsten Fall ausgesucht.

Den schwierigsten Fall?

Beckmann: Ja, neulich habe ich ein ausverkauftes Konzert für krebskranke Kinder gegeben. Bei diesem Thema sind die Menschen schnell für den guten Zweck zu begeistern. Beim Thema Obdachlosigkeit steht aber der Schuldgedanke leider manchmal noch im Vordergrund. Dann versuchen wir unser persönliches Angstgepäck denen auf den Rücken zu schnallen, die schon ihr eigenes Bündel nicht mehr tragen können.

Worin liegt ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Beckmann: Es ist nicht ausschließlich ein Problem der Wirtschaft, sondern mehr noch der Politik. Jeder Mensch würde gerne sinnvoll arbeiten, das liegt in unserer Natur. Aber wenn man jemandem, für den die Rahmenbedingungen völlig falsch gesteckt sind, vorwirft, er solle doch arbeiten gehen, dann müssen die, die den Schaden haben, sich auch noch den Spott gefallen lassen.

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