Die Beraterinnen nutzen das Internet – und warnen zugleich vor dessen Gefahren.

Zornröschen-Mitarbeiterin Sandra Gottschalk (l.) soll die Online-Beratung weiter ausbauen. Neben ihr: Monika Schiffer und Michael Heinemann vom Vorstand.
Zornröschen-Mitarbeiterin Sandra Gottschalk (l.) soll die Online-Beratung weiter ausbauen. Neben ihr: Monika Schiffer und Michael Heinemann vom Vorstand.

Zornröschen-Mitarbeiterin Sandra Gottschalk (l.) soll die Online-Beratung weiter ausbauen. Neben ihr: Monika Schiffer und Michael Heinemann vom Vorstand.

Knappe

Zornröschen-Mitarbeiterin Sandra Gottschalk (l.) soll die Online-Beratung weiter ausbauen. Neben ihr: Monika Schiffer und Michael Heinemann vom Vorstand.

Mönchengladbach. Der Mönchengladbacher Verein Zornröschen, Kontakt- und Informationsstelle zum Thema sexueller Missbrauch, bietet seit dem vergangenen Jahr auch Online-Beratung als ein weiteres wichtiges Standbein seiner Arbeit an. Sandra Gottschalk, seit Mai Mitarbeiterin, soll diesen Bereich nun weiter ausbauen.

„Unsere Zielgruppe erreichen wir online am direktesten“, erklärt die Sozialwissenschaftlerin und Familien-Sozialtherapeutin. Das Internet sei Lebensmittelpunkt vieler Jugendlicher. 90 Prozent hätten Zugriff auf das weltweite Netz, sagt Sandra Gottschalk.

Hilfen zum Thema sexueller Missbrauch finden die jungen Nutzer online 24 Stunden täglich auf der Homepage des Vereins. Dort ist auch der Zugang zur Beratung per E-Mail oder im Chatroom zu finden.

Hilfesuchende können mit Mitarbeiterinnen chatten

Es gibt drei feste Chat-Angebote in der Woche und die Möglichkeit, individuelle Termine auszumachen. „Schriftlich lassen sich Gedanken und Gefühle oft leichter formulieren“, sagt Gottschalk. Außerdem bleibe alles, was gesendet werde, anonym, betont die neue Mitarbeiterin.

Laut Jahresbericht suchten 23 Jugendliche im vergangenen Jahr Unterstützung bei Zornröschen. Insgesamt wendeten sich 465 Ratsuchende zur Erstberatung an die Kontakt- und Informationsstelle – Zahlen, die im Vergleich zu den Vorjahren relativ stabil blieben.

Schulen melden häufig Cybermobbing

Der jährliche Gesamtetat des Vereins liegt bei 230 000 Euro.

Zornröschen finanziert sich zu 40 Prozent aus Spenden, zu 30 Prozent aus städtischen Zuwendungen, zu 17 Prozent aus Bußgeldern und zu acht Prozent durch Veranstaltungen.

„Auffällig sind vermehrte Anfragen von Kollegen in Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen“, sagt Zornröschen-Mitarbeiterin Brigitte Bialojahn. In rund 53 Prozent der Kontaktaufnahmen suchten Pädagogen Beratung – eine Steigerung um sechs Prozent in den vergangenen Jahren.

„Immer häufiger geht es um Fragen zum Umgang mit sexuellen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen“, sagt die Heilpädagogin und Psychotraumatologie-Beraterin. Dabei zeige sich, dass der unbegrenzte Zugang zum Internet auch zum Problem werde. Schulen vermeldeten beispielsweise häufig Fälle von Cybermobbing. Da würden Nacktfotos ins Netz gestellt und von Mitschülern weitergeschickt, um Druck auszuüben.

Manche ließen sich überreden, sich vor der Webcam auszuziehen und sexuelle Handlungen auszuführen, sagt Brigitte Bialojahn. „Es ist erschreckend, wie leicht die Schranken hier fallen“, so die Pädagogin. Es sei eigentlich Aufgabe der Eltern, ihre Kinder dazu zu erziehen, Grenzen einzuhalten.

Zornröschen versteht sich als Anwalt der Opfer sexueller Gewalt. Die vier Mitarbeiterinnen helfen bei der Aufklärung, wenn ein Verdacht besteht. Sie beraten, informieren über Hilfsangebote und vermitteln Kontakte zu den zuständigen Behörden wie Jugendamt oder Polizei.

Ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet ist die Prävention. Aktuell schult der Verein Mitarbeiter des Bistums Aachen zum Thema sexueller Missbrauch. „Die Fortbildung von Lehrern müsste eigentlich Standard sein“, findet Bialojahn.

Die Homepage des Vereins ist zu finden unter: www.zornroeschen.de

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