Die Wollfabrik versorgt Filzer und Spinner in vielen Ländern mit Material fürs Hobby.

Inhaberin Ursula Henneke präsentiert einen kleinen Teil des großen Sortiments der Wollfabrik.
Inhaberin Ursula Henneke präsentiert einen kleinen Teil des großen Sortiments der Wollfabrik.

Inhaberin Ursula Henneke präsentiert einen kleinen Teil des großen Sortiments der Wollfabrik.

Jörg Knappe

Inhaberin Ursula Henneke präsentiert einen kleinen Teil des großen Sortiments der Wollfabrik.

Mönchengladbach. "Als wir in einem hinteren Gebäudeteil Rohwolle verkauft haben - und Spinnräder, hat man uns anfangs belächelt", erinnert sich Ursula Henneke. Sie und ihr Mann Klaus sind Inhaber der Firma Gert. Huppertz, besser bekannt als "Die Wollfabrik" und das überregional.

Gegründet wurde die Wollfabrik 1933 als Wollwäscherei

Weltweit versorgen sie Spinner und Filzer mit dem richtigen Rohmaterial und dem passenden Werkzeug. "Unsere Wolle geht bis nach Japan", sagt Klaus Henneke, Sohn der Firmengründerin Gertrud Huppertz, die 1933 noch als Fräulein den Betrieb als Wollwäscherei in Gladbach gegründet hat. "Damals war so etwas für Frauen nicht üblich", erinnert sich Henneke. Deswegen auch "Gert." als Abkürzung für Gertrud im Firmennamen.

Hätte er die Wäscherei weiter betreiben wollen, wären Millionen-Investitionen für eine Kläranlage nötig geworden. "Jetzt lassen wir in Belgien waschen. Allerdings beliefern wir nur noch Kleinstabnehmer." Darüber haben die großen Wollkämmereien in Gladbach nur milde gelächelt. "Die sind jetzt pleite und wir weben immer noch."

Seinen Anfang nahm das Ende der 80er-Jahre. "Da haben wir wirklich nur die Ökos bedient", sagt Ursula Henneke über die Wollfabrik und lächelt sanft. "Die Waldorfleute haben die Wolle gekauft und damit ihre Puppen ausgestopft." Später kamen Merinowolle, Leinen und Seide zum Spinnen dazu. Als diese Welle abebbte, kam der Trend zum Filzen. "Sogar in Moskau gibt es einen Club, den wir beliefern", sagt Henneke.

Stolz ist er aber auf andere "Hämmerchen". Die Kostüme von "Stars Wars" fertigte die Roermonderin Claudy Jongstra in ihrem Amsterdamer Atelier aus Wolle der Firma Huppertz. "Dadurch ergaben sich besondere Lichteffekte", weiß Henneke aus den Gesprächen mit ihr. Auch auf der Ballrobe einer syrischen Prinzessin war Seide von Huppertz mit eingefilzt. "Der Fummel hat bestimmt 25.000 Euro gekostet. Und die Seide hier kostet 2,10 Euro pro 100 Gramm."

Derzeit werde auch das Spinnen wieder beliebt. "Die Wirtschaftskrise", nennt Henneke den Grund. "Es lohnt sich zu spinnen." 100 Gramm handgesponnene Merinowolle kostet 10 Euro. "Und wegen der Arbeitslosigkeit haben die Menschen Zeit." Manche nutzen sie, um sich individuelle Kleidungsstücke zu fertigen.

Bei Huppertz bekommt man Wolle von verschiedenen Schafrassen. Es ist eine Lust für die Hände, die Unterschiede zu fühlen - ob die von Tiroler Bergschafen, die von Gotlandschafen, locker und wolkig oder die von australischen Merinoschafen, unvergleichlich wattig und weich.

Demnächst wird Henneke den Besuchern durch ein Fenster ein Blick auf seine Kardiermaschine erlauben. "Früher gab es viele in Mönchengladbach", sagt er. "Jetzt ist sie die einzige."

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