Am Donnerstag ist der Tag des Notrufs – ein guter Grund, einer Einsatzkraft in der Leitstelle einmal über die Schulter zu schauen.

Ein Mann mit Nerven: Norbert Ohlenforst an seinem Arbeitsplatz – der Notrufzentrale an der Von-Groote-Straße.
Ein Mann mit Nerven: Norbert Ohlenforst an seinem Arbeitsplatz – der Notrufzentrale an der Von-Groote-Straße.

Ein Mann mit Nerven: Norbert Ohlenforst an seinem Arbeitsplatz – der Notrufzentrale an der Von-Groote-Straße.

Horst Siemes

Ein Mann mit Nerven: Norbert Ohlenforst an seinem Arbeitsplatz – der Notrufzentrale an der Von-Groote-Straße.

Mönchengladbach. 1-1-2: Aus Sicht des Mathematikers ist das nur eine schnöde Zahlenreihe. Bei Norbert Ohlenforst, Hauptbrandmeister bei der Feuerwehr, steht diese Zahl jedoch im Zentrum des Berufsalltags. Ohlenforst arbeitet in der Leitstelle an der Von-Groote-Straße - bei ihm landen alle Mönchengladbacher, die genau diese Nummer in ihr Telefon eintippen. Es sind Menschen, die sich in Gefahr befinden, ob durch Brände, Unfälle oder gesundheitliche Beschwerden - und deren Leben im Extremfall bedroht ist, falls nicht schnelle Hilfe kommt.

Am 11. 2., ruft die EU den Tag des Notrufs aus, um der Bevölkerung die lebensrettende Bedeutung dieser Nummer zu vermitteln.

Im Fernsehen und in den Zeitungen wird von den Tragödien, die Menschen zur Wahl der Nummer nötigt, gerne mit großer Inbrunst berichtet. Doch die Menschen, die durch die Entgegennahme des Hilfeschreis den Rettungsprozess in Gang bringen, geraten dabei oft aus dem Blickfeld.

Den Anrufer beruhigen, ihm Antworten abringen

Norbert Ohlenforst ist einer dieser Menschen. Seit 1980 arbeitet der 51-jährige Familienvater bei der Leitstelle der Mönchengladbacher Feuerwehr - er zählt damit zu den dienstältesten Mitarbeitern. Er gibt zwar zu, einen nervenaufreibenden Job auszuüben, sagt aber auch: "Im Laufe der Karriere entwickelt man Routine, wird gelassener."

Wichtig sei es, den Anrufer zu beruhigen, ihm sachliche Antworten über seinen Standort abzuringen. Manchmal werden solche Gespräche zum Kampf gegen den Tod. In den 90er Jahren hatte Ohlenforst einen lebensmüden Mann am Hörer, der damit drohte, sich erschießen zu wollen. Ohlenforst fiel die schwere Aufgabe zu, ihn am Telefon zu halten, während Rettungswagen und Notarzt mit Tatütata zum Ort des Geschehens ausrückten. Die Strategie gelang, der Mann blieb am Hörer, bis die Rettungskräfte eintrafen und den Mann in Schutz nahmen. Ein Herzschlag-Szenario.

In der Leitstelle der Feuerwehr sitzen ständig vier Einsatzkräfte. Zudem sind zwei Assistenten anwesenden, um bei Rettungseinsätzen mitzufahren.

Dank eines effektiven Computersystems sind mit einem Klick sämtliche wichtigen Diensteinheiten informiert - also Rettungswagen, Löschzüge, Notarzt und Polizei.

Im März zieht die Leitstelle vom jetzigen Standort an der Von-Groote-Straße in die Feuerwache III am Stockholtweg um.

Ohlenforst erinnert sich auch an Kuriositäten: Mitte der 90er Jahre behauptete ein Anrufer, dass in Neuwerk ein Panzer von einer Brücke gestürzt sei. "Ich habe an einen schlechten Scherz gedacht." Doch die Geschichte stellte sich als wahr heraus. Die Ketten des wuchtigen Fahrzeugs, das sich auf einem Manöver befand, hatten sich gelöst. Der Fahrer verlor die Kontrolle. Sämtliche Insassen überlebten den Unfall schwer verletzt.

Es gibt Tage in der Leitstelle, da schrillt innerhalb kürzester Zeit mehrmals das Telefon. "Dann steigt der Druck", sagt Ohlenforst. Die Dienstanweisung lautet in diesem Fall: eine kurze Auszeit nehmen.

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