WZ-Serie: Er ist ein „Platz für Menschen“ – der Park am Geroweiher. Cengiz Sahin zieht es immer wieder dorthin, obwohl er längst nicht mehr in der Nähe wohnt.

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Cengiz Sahin genießt die Stille im Park–manchmal alleine, manchmal mit seiner Familie.

Cengiz Sahin genießt die Stille im Park–manchmal alleine, manchmal mit seiner Familie.

Böhling

Cengiz Sahin genießt die Stille im Park–manchmal alleine, manchmal mit seiner Familie.

Möchengladbach. Früher hat er direkt um die Ecke gewohnt. "Da war ich immer hier", sagt Cengiz Sahin, der es sich auf dem Rasen am Geroweiher bequem gemacht hat. "Jetzt wohne ich an der Hehner Straße und komme immer noch hierher." Er lehnt sich zurück, stützt sich auf die Ellbogen. "Das ist der beste Platz, besonders bei Hitze." Mit neun Jahren kam er aus der Türkei hierher, und seitdem ist der Park sein Platz. Inzwischen ist er Deutscher.

Der Wind löst sich von der Wasseroberfläche und streicht den Hang hinauf. Das Sprudeln des Brunnens vermittelt zusätzliche Frische und lässt den Verkehrslärm der Hittastraße in den Hintergrund treten. "Der macht mir nichts aus", sagt Sahin. "Im Gegenteil, ich beobachte gerne die Autos."

Der Siebdrucker (45) hat sich einen halben Tag frei genommen und ist direkt von der Arbeit aus hierher gekommen. Normalerweise kommt dann auch seine Familie nach. "Heute vielleicht nicht, mein Junge ist krank." Früher hatte er ein Handy, um sich in solchen Fällen abzustimmen, "das haben mir die Kinder platt gemacht." Aber die Familie wisse, wo er sei und umgekehrt, da sei ein Handy unnötig.

Zum Grillen in den Volksgarten, zum Genießen an den Weiher

Als er seine Frau vor zehn Jahren heiratete, konnte sie weder lesen noch schreiben, geschweige denn deutsch. "Da konnte sie nur marokkanisch." Er hat sie kennengelernt, als sie ihre Schwester in Gladbach besuchte. Es habe sofort gefunkt. "Nach der Heirat habe ich sie erst mal drei Jahre lang zur Schule geschickt. Das war mir zu stressig, sie konnte ja keinen Behördengang alleine machen."

Inzwischen spricht sie deutsch und türkisch und findet sich überall alleine zurecht. Die acht- und fünfjährigen Töchter sowie der zweijährige Sohn spielen dann im Park, "und wir sitzen hier. Oft machen wir Picknick. Wenn man hier noch baden könnte und grillen dürfte, dann würde man gar nicht mehr weggehen", sagt er lächelnd.

Bei der WZ-Serie "Platz für Menschen" geht es um Orte in der Stadt, an denen sich Menschen wohlfühlen oder gerne treffen, an denen sich immer wieder die gleichen Leute begegnen und reden oder sich eine Auszeit nehmen und Ruhe finden, aber auch, an dem sie ihren Fleck gefunden haben, um einem besonderen Zeitvertreib nachzugehen.

Wenn Sie einen tollen Platz für sich gefunden haben oder Menschen kennen, die einen Ort als ihren perfekten eigenen Platz entdeckt haben, dann erzählen Sie uns davon: redaktion.moenchengladbach@westdeutsche-zeitung.de

Manchmal geht er zum Grillen in den Volksgarten, manchmal ist er im Bunten Garten. "In den Abteigarten könnte man auch noch gehen, aber der wird abends abgeschlossen." Cengiz Sahin ist oft bis zehn Uhr abends im Park. "Schade, dass man immer aufpassen muss, wegen der Hundehaufen."

Zuhause hat er zwar einen Garten, aber der ist ihm zu eng und zu begrenzt durch die umliegenden Häuser und Mauern, er liebt die Weite.

"Hier hat sich nicht sehr viel verändert in den Jahren", sagt er und lässt den Blick schweifen.

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