Ein Strategiepapier der Industrie- und Handelskammer zeigt Gladbacher Schwächen auf.

Einzelhandel
Im Weihnachtsgeschäft waren die Läden voll, aber die Kaufkraft der Mönchengladbacher sinkt kontinuierlich.

Im Weihnachtsgeschäft waren die Läden voll, aber die Kaufkraft der Mönchengladbacher sinkt kontinuierlich.

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Im Weihnachtsgeschäft waren die Läden voll, aber die Kaufkraft der Mönchengladbacher sinkt kontinuierlich.

Mönchengladbach. Die Industrie und Handelskammer Mittlerer Niederrhein sieht den Einzelhandel in der Stadt in der Krise. Schuld daran seien ausgerechnet Unternehmen, die wie im Artikel oben beschrieben auf dem Arbeitsmarkt für Hoffnung sorgen: Onlinehändler wie zum Beispiel Zalando.

Zum anderen liegt es aber auch daran, dass die Kaufkraft der Mönchengladbacher seit 2005 kontinuierlich abgenommen hat. War die Stadt 1999 noch an zweiter Stelle, ist sie heute Schlusslicht im niederrheinischen Vergleich mit dem Rhein-Kreis Neuss, dem Kreis Viersen und der Stadt Krefeld. Im Bundesdurchschnitt hat ein Einwohner knapp 5400 Euro an Kaufkraft, in Mönchengladbach sind es nur 5300.

Ein weiterer Faktor, so das IHK-Papier, ist die negative Entwicklung bei den Umsätzen im Einzelhandel. „Mönchengladbach hat seine Umsätze im Vergleich zu den Nachbarn weniger stark steigern können und zeigt noch Potenzial“, sagt IHK-Vollversammlungsmitglied Thomas Bensch von der Galeria Kaufhof in Mönchengladbach.

„Wir gehen davon aus, dass die Arcaden und die Umgestaltung der Rheydter Innenstadt Aufschwung bringen.“

Thomas Bensch, Galeria Kaufhof

Lagen die Umsätze 2008 noch bei rund 1,7 Milliarden Euro, liegen sie 2012 bei rund 1,6 Milliarden Euro. „Wir gehen davon aus, dass die 2014 eröffnenden Arcaden und die Umgestaltung der Rheydter Innenstadt weiteren Aufschwung bringen“, sagt Bensch.

Im Vergleich mit den Nachbarn wird es aber auch hier immer enger. Zwar ist Mönchengladbach bei den Umsätzen noch an zweiter Position, allerdings lässt der Abwärtstrend die Stadt Krefeld immer näher heranrücken. Daher warnt Bensch davor, sich mit den baulichen Umgestaltungen in den Innenstädten zufrieden zu geben: „Mit diesen Maßnahmen ist es nicht getan. Weitere Projekte zur Attraktivitätssteigerung sollten folgen.“

Zu den zehn Forderungen des IHK-Strategiepapiers gehört unter anderem die Aufforderung an die Kommunen, Zentrenkonzepte zu entwickeln und in Bebauungspläne umzusetzen. Damit legen die Kommunen fest, wo der innerstädtische Einzelhandel und wo der großflächige Einzelhandel angesiedelt werden. „Steuerungswirkung bieten eine verlässliche Planungsgrundlage“, erklärt Schmidt.

Zudem sollen die Kommunen in so genannten Sortimentslisten festschreiben, welche Waren nur in der City zu finden sein sollten. Außerhalb der Innenstädte dürfen diese nur zehn Prozent der Verkaufsfläche ausmachen. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Bürger für Einkäufe nicht mehr in die Fußgängerzonen begeben“, sagt IHK-Präsident Heinz Schmidt. Deshalb gehörten neben Einzelhandel, Restaurants, Kneipen und Kultur auch Banken, Rathäuser, Ärzte, Post und Arbeitsagenturen in die Zentren. Vor allem sollten die Innenstädte aber erreichbar bleiben – mit dem Auto, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Fahrrad. Umweltzonen und Parkgebühren dürften die Kunden nicht fernhalten, so die IHK. Schließlich hätten alle Akteure dasselbe Ziel: Mit attraktiven Innenstädten den Erlebnischarakter für die Kunden zu fördern, um so der Dynamik des Onlinehandels etwas entgegenzusetzen zu haben. rema

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