Ministerin Barbara Steffens besuchte gestern die Klinik im Hardterwald, um sich ein Bild zu machen.

Wilfried Jacobs hat eine Vision. „Ich stelle mir vor, dass aus dem Herzpark Hardterwald ein Gesundheitspark Hardterwald wird“, sagt er. Der Vorsitzende des Klinik-Verwaltungsrats möchte das „traumhafte Gelände“ in Gänze revitalisieren. „Man könnte rund um die Reha-Klinik kleine Bungalows bauen, in denen Menschen ab einem gewissen Alter leben könnten. Sie wären hier medizinisch und pflegerisch bestens versorgt“, sagt er. Ähnliches habe er in Dänemark gesehen. „Was hier bis jetzt passiert ist, ist schon fantastisch, aber da ist noch viel mehr drin.“

25 Millionen Euro hat der Träger in die Klinik investiert

Auf dem 230 000 Quadratmeter großen Areal hat sich der Herzpark etabliert. 25 Millionen Euro hat die Eifelhöhen-Klinik AG als Träger der Einrichtung in die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes und in die Errichtung des Neubaus investiert. 105 stationäre und 40 ambulante Plätze stehen den Patienten zur Verfügung. Die Auslastung liegt bei fast 100 Prozent. Jetzt startet etwas Einzigartiges. Sieben Monate nach der offiziellen Eröffnung bietet die Klinik ein spezielles Behandlungsprogramm für Frauen an. Im Hardterwald entsteht eine der ersten Frauenkardiologien in Deutschland. Denn die Erfahrungen des Ärztlichen Direktors, Professor Dr. Georg V. Sabin belegen: „Mann und Frau, das sind zwei Welten – auch in der Medizin.“ Das sei in der Diagnose und Behandlung von Krankheiten bisher jedoch kaum berücksichtigt worden.

Im niederländischen Nijmegen gibt es an der Radboud Universität einen Lehrstuhl Kardiologie für Frauen. „Wir sind nach Nijmegen gefahren und haben uns den Fachbereich angesehen“, sagt Jacobs. Die Arbeit der Leiterin, Professor Dr. Angela Maas, habe sie überzeugt. Resultat: Angela Maas sitzt im wissenschaftliche Beirat Kardio-Medizin des Herznetzes Rheinland und des Herzparks Hardterwald. Und die Frauenkardiologie wurde auf den Weg gebracht. Was unterscheidet die Behandlung von Männern und von Frauen? Wilfried Jacobs erklärt es so: „Der Mann hat einen Herzinfarkt, er geht in die Klinik, anschließend in die Reha. Zurück zu Hause lässt er sich von seiner Frau versorgen.“ Bei der Frau sei das anders: „Sie ist nur ein paar Tage hier und schon nach kürzester Zeit muss sie das Familienunternehmen wieder bewältigen.“ Manche Frauen würden die Reha gar nicht erst antreten, obwohl sie wüssten, dass sie nötig sei. „Aber da ist immer jemand in der Familie, der sie braucht.“ Deshalb ist es im Herzpark möglich, den zu pflegenden Angehörigen mitzubringen. „Der wird einfach mit aufgenommen“, sagt Jacobs. Und die Klinik geht noch einen Schritt weiter. Die Frauen werden nach erfolgter Rehabilitation zu Hause weiter therapiert – mittels der Telemedizin. „Die individuell auf den Patienten zugeschnittene Therapie wird in der Klinik trainiert und nach dem Ende der Reha in den eigenen vier Wänden fortgeführt“, erklärt der Geschäftsführer des Herzparks, Dr. Markus Küthmann.

Die Patientinnen werden ein Jahr per Telemedizin betreut

Dafür erhalten die Patienten ein Telemedizin-Leihgerät, ein Ergometer und das notwendige Zubehör. Per Telemedizin bekommen die Patienten ihre Herz-Trainingseinheiten täglich zugestellt. Von den Therapeuten des Herzparks werden sie dabei ein Jahr lang betreut. Die Experten erhalten regelmäßig ein Feedback über Trainingsverlauf und Gesundheitszustand des Patienten und können entsprechend handeln.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens ließ sich gestern von der Ärzteschaft über die Anlage und durch die Räumlichkeiten der Herzklinik führen. Auch das inhaltliche Konzept wurde der Ministerin vorgestellt. Ihr erster Eindruck war überaus positiv. „Die Anlage wirkt wirklich einladend und sieht toll aus. Es ist beeindruckend, was hier entstanden ist“, sagte sie.

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