Hauptschüler nehmen an einem ungewöhnlichen Anti-Aggressions-Training teil.

Die Jugendlichen sollen mit Kampfsport ihre Aggressionen in friedliche Bahnen lenken.
Die Jugendlichen sollen mit Kampfsport ihre Aggressionen in friedliche Bahnen lenken.

Die Jugendlichen sollen mit Kampfsport ihre Aggressionen in friedliche Bahnen lenken.

Jörg Knappe

Die Jugendlichen sollen mit Kampfsport ihre Aggressionen in friedliche Bahnen lenken.

Mönchengladbach. Ein schriller Pfiff schallt durch die Turnhalle Mülfort. Die 20 Schüler der Gemeinschaftshauptschule Dohr hören auf zu laufen. "20 Liegestütze", fordert Jonny Brand auf.

Die Schüler der fünften und sechsten Klassen gehen in Position und beginnen unter den aufmerksamen Blicken von Brand und seinem Trainingshelfer Marko Kavelmann mit der Kraftübung.

Hier und da wird angefeuert, wenn jemand aufgeben will. Aus dem CD-Player dröhnt dazu "Eye of the tiger", die Musik des berühmten Boxerfilms "Rocky".

Letztlich schaffen alle ihre 20 Liegestützen und nehmen das Laufen wieder auf, wobei auf halber Runde die beiden Trainer stehen und so genannte Pratzen halten, gegen die die Jugendlichen im Lauf kurz boxen.

"Gewaltprävention gehört zum festen Programm"

Jeden Montag von 15 bis 16 Uhr ist die Turnhalle fest in der Hand der 20 Schüler. Allerdings findet hier kein normaler Sportunterricht statt, sondern das neu eingeführte Anti-Aggressionstraining. "Gewaltprävention gehört an unserer Schule mit zum festen Programm", erklärt Reinhard Lowin, Konrektor der Hauptschule.

Bislang war lediglich die Kriminalpolizei wegen dieses Themas in die Schule gekommen - und hielt Vorträge. Ein Anti-Aggressionstraining war schon länger der Wunsch der Schule, aber bislang fehlte das Geld dazu. Erst als der Zonta-Club II Mönchengladbach auf den Plan trat, ein Zusammenschluss sozial engagierter Frauen, und mit einer Finanzspritze von 1.000 Euro half, konnte das Projekt im September diesen Jahres gestartet werden.

"Wir haben bislang Projekte im Bereich der Gewaltprävention in Grundschulen gefördert und gehen mit diesem Projekt erstmals neue Wege an weiterführenden Schulen", bemerkt Anne Embser, Präsidentin des Zonta-Clubs II.

Das Training gibt Kickboxer Brand, der selbst einst Schüler der Rheydter Hauptschule war und 2001 in Los Angeles Weltmeister im Kick-Boxen wurde. "Ich bin nicht nur Kick-Boxer, sondern auch Anti-Aggressions-Trainer und biete mein Training unter anderem Schulen an", berichtet Brand.

Die Jugendlichen sollen sich verausgaben

Die Schüler lernen in dieser AG kein professionelles Kickboxen. Vielmehr geht es darum, dass die Jugendlichen sich einmal richtig auspowern können. Aggressionen werden so in friedliche Bahnen gelenkt. Auf der anderen Seite stärkt das Training das Selbstwertgefühl der Schüler.

Bis Ende Januar 2010 finanziert der Zonta-Club II das Training, danach übernimmt die Stadt für zwei Jahre die Finanzierung. "Dies geschieht im Rahmen unserer Integrationsarbeit", informiert der städtische Integrationsmitarbeiter Klaus Schmitz.

Allein wegen des Hintergrunds, dass an der Gemeinschaftshauptschule Dohr 50 Prozent der Schüler aus Zuwanderungsfamilien stammen, ist Integrationsarbeit zugunsten eines friedvollen Miteinanders nötig.

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