Gladbacher demonstrierten gegen verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken und spielten den Störfall nach.

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Vom Markt über die Hindenburgstraße bis zum Europaplatz zogen die Demonstranten beim Mönchengladbacher Strahlenzug.

Vom Markt über die Hindenburgstraße bis zum Europaplatz zogen die Demonstranten beim Mönchengladbacher Strahlenzug.

Vom Markt über die Hindenburgstraße bis zum Europaplatz zogen die Demonstranten beim Mönchengladbacher Strahlenzug.

Mönchengladbach. Laut scheppernd hüpfen die Blechdosen über das Pflaster. "Radioaktiv verseucht" warnt das schwarze Gefahrengutzeichen auf gelbem Untergrund. Auch Renate Prüfer zieht einen der Mini-Castor-Behälter an einem Band hinter sich her. "Man kann nicht immer nur motzen", sagt sie. Gemeinsam gegen Missstände zu protestieren, das sei das Einzige, das man tun könne. "Auch wenn ich keine Kinder habe, muss ich mich doch dafür interessieren, wie die Welt nach mir aussieht", sagt die Atomkraftgegnerin.

Rund 50 Gleichgesinnte haben sich am Samstagmittag auf dem Alten Markt versammelt. Der Mönchengladbacher Strahlenzug ist einer von rund 100 bundesweiten Demos zum Castorstrecken-Aktionstag. Gruppen wie der Arbeitskreis "Eine Welt" der Hauptpfarre, Attac, Bürger-Aktion Umweltschutz Gladbach, Eine-Welt-Laden, Friedensforum, Greenpeace sowie Vertreter der Parteien Die Linke, SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben aus Protest gegen die Castortransporte zur Demo aufgerufen: "Es ist wichtig zusammenzuarbeiten. So können wir zeigen, dass sich viele Bürger gemeinsam wehren", sagt Torben Schultz vom Bündnis.

Die Atomkraftgegner fürchten die Verseuchung einer Region

Gegen die mögliche Verlängerung von Atomkraftwerk-Laufzeiten durch die schwarz-gelbe Bundesregierung setzen die Gegner auf Förderung regenerativer Energien. Sie fürchten, dass bei einem Unfall der Castortransporte ins Zwischenlager Gorleben eine ganze Region radioaktiv verseucht würde. Und Gladbach liege immerhin nahe an einer möglichen Transportstrecke von Jülich nach Ahaus.

Auch für Renate Prüfer ist die Entsorgung des hochradioaktiven Atommülls ein ungelöstes Problem: "Die meisten denken einfach gar nicht darüber nach, was mit dem Schrott passiert." Der Strahlenzug setzt sich über die Hindenburgstraße in Richtung Europaplatz in Bewegung. "Stopp Atomkraft"-Plakate und ein riesiges gelbes Atommüllfass machen den Anfang, das Ende bildet ein als "Tscher-No-Mobil" umgerüstetes Fahrrad.

Einige Teilnehmer tragen weiße Schutzanzüge oder schwenken Fahnen mit der Anti-Atomkraft-Sonne. "Hop, hop, hop - Atomtransporte Stopp", schallt es über die Hindenburgstraße.

Viele Passanten entlang der gut besuchten Fußgängerzone werden aufmerksam und bleiben stehen. Auf dem Europaplatz schließen die Atomkraftgegner ihre Aktion mit einem nachgespielten Störfallszenario ab. Die Alarmsirene schrillt und alle Demonstranten lassen sich zu Boden fallen. Damit ist die Aktion in Gladbach beendet. Renate Prüfer fährt mit den meisten Demonstranten weiter nach Neuss, wo die Strahlenzüge aus ganz NRW zusammenkommen.

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