Der Krankenhaus-Standort wird aufgegeben, doch Pater Ferdinand Pützhoven blickt gelassen in die Zukunft.

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Der Altarraum von St. Kamillus: Entworfen wurde das Gotteshaus von Dominikus Böhm.

Der Altarraum von St. Kamillus: Entworfen wurde das Gotteshaus von Dominikus Böhm.

Pater Ferdinand Pützhoven (74) ist Superior der Kamillianer.

Böhling, Bild 1 von 2

Der Altarraum von St. Kamillus: Entworfen wurde das Gotteshaus von Dominikus Böhm.

Mönchengladbach. Das Wichtigste ist, dass das Kamillus-Krankenhaus weiterhin einem sozialen Zweck dient. Dieser Meinung ist Pater Ferdinand Pützhoven. Er ist Superior der drei Kamillianer-Brüder, die dort noch ihren Konvent haben.

Der 74-Jährige ist noch immer in der Krankenhaus-Seelsorge tätig und sieht es gelassen, dass die Lungenheilkundliche Abteilung der Kliniken Maria Hilf, die in diesem Haus untergebracht ist, demnächst ins Franziskushaus an der Viersener Straße umzieht. „Dann kann ich mich etwas zurückziehen. Alt genug dafür bin ich ja. Ich werde dann nur noch als Subsidiar die Gemeinschaft der Gemeinden Lürrip unterstützen“, sagt er.

Pützhoven war derjenige, der dafür sorgte, dass das von Dominikus Böhm entworfene Gebäude-Ensemble aus dem Jahr 1929 in den 1990er Jahren saniert wurde. Böhm war der Architekt, der den Kirchenbau in den 20er und 30er Jahren revolutionierte und den Entwurf für das Gladbacher Kamillus-Haus 1929 auf der Weltausstellung in Spanien präsentierte (Mies van der Rohe gestaltete damals den deutschen Pavillon).

Konvent greift Formensprache der Kirche auf

Wie üblich bei frühen Betonbauten bröckelte der Sichtbeton. Pützhoven ließ die Kanzel abbauen und platzierte hier eine Orgel, deren Gehäuse vom Gladbacher Orgelbauer Martin Scholz stammt, die die Architektur aufgreift.

Von dort aus geht es in den Konvent, der die Formensprache der Kirche abwandelt. Die Wände sind nun nicht weiß, sondern mit Ziegeln, deren Fugen erhaben sind, gestaltet. Dadurch wirken die Räume dunkler und heimeliger. Ein Atrium mit einem Fischteich sorgt für Helligkeit.

Die Kliniken verfügen über 766 Planbetten und 2300 Mitarbeiter.

Der Architekt Dominikus Böhm, der aus Schwaben stammte, lebte von 1880 bis 1955. Er entwarf auch die Franziskus-Kirche in Geneiken.

Wiederum anders zeigen sich die Räume des Krankenhaus-Altbaus. Interessant sind auch hier die Materialien. So gestaltete Böhm beispielsweise Säulen aus Tonabflussrohren und stattete die Wände und Stufen im Treppenhaus mit Solnhofener Platten aus. Elemente, die den Bau ebenfalls sehr heimelig wirken lassen.

Später wurde ein Neubau angebaut. Beides zusammen beherbergt momentan die 142 Betten der Pneumologie der Maria Hilf Kliniken. „Sie wird im ersten Halbjahr 2012 an das Franziskushaus an der Viersener Straße ziehen“, sagt Jürgen Boix, zuständig für die Betriebsorganisation im Maria Hilf.

Das Schlaflabor für die Pulmologie ist bereits bezugsfertig und eingeweiht. Mitte 2013 soll dann das Kamillus-Krankenhaus als drittes Standbein der Maria-Hilf-Kliniken aufgelöst werden, wenn die neue Küche im Franziskushaus fertig ist und auch das Maria Hilf Krankenhaus an der Sandradstraße mit versorgen kann, was bis dahin noch vom Kamillus- Krankenhaus aus geschieht.

Dann wird der ehemalige Neubau des Krankenhauses in ein Altenheim umgebaut, das von der Sozialholding der Stadt betrieben wird. Der von Böhm gestaltete Altbau – der nach Auskunft von Boix nicht unter Denkmalschutz steht – wird dann zur staatlichen Krankenpflegeschule umgebaut, die in Trägerschaft der Maria Hilf Kliniken steht und momentan im Mengehaus in Stadtmitte untergebracht ist. „Da müssen dann Klassenräume entstehen, mit der heute vorgeschriebenen Ausstattung“, sagt Boix.

Konvent und Kirche werden bleiben, „solange wir leben“, sagt Pater Pützhoven.

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