Das Werk in Vacha wird dicht gemacht – auch in Rheydt gehen dadurch Arbeitsplätze verloren.

Lauter Protest von bis zu 400 Nexans-Beschäftigten Anfang April vor dem Verwaltungsgebäude des „Kabelwerks“ an der Bonnenbroicher Straße in Rheydt.
Lauter Protest von bis zu 400 Nexans-Beschäftigten Anfang April vor dem Verwaltungsgebäude des „Kabelwerks“ an der Bonnenbroicher Straße in Rheydt.

Lauter Protest von bis zu 400 Nexans-Beschäftigten Anfang April vor dem Verwaltungsgebäude des „Kabelwerks“ an der Bonnenbroicher Straße in Rheydt.

Jörg Knappe

Lauter Protest von bis zu 400 Nexans-Beschäftigten Anfang April vor dem Verwaltungsgebäude des „Kabelwerks“ an der Bonnenbroicher Straße in Rheydt.

Mönchengladbach. In Hannover tagte der Aufsichtsrat der Nexans Deutschland von 9 bis 14.15 Uhr. Dann stand die umstrittene Entscheidung fest: Das Werk des Kabelherstellers im thüringischen Vacha wird geschlossen. Wegen "zu hoher Kosten" und der "ständigen Verluste", sagt das Management. 186 Mitarbeiter verlieren ihren Job, zählt man die Zulieferer hinzu, werden es wohl "mehr als 300" sein, sagt Rheydts Betriebsratschef Udo Hess.

Das Aus für Vacha habe auch Auswirkungen auf das große Werk an der Bonnenbroicher Straße. Von 40 und mehr Stellen, die wegfallen, ist in der Belegschaft die Rede. Denn die Rheydter liefern verkabelten Draht sowie Kunststoffmischungen in die thüringische Region. Sie ist mit Arbeitsplätzen keineswegs gesegnet.

Hess, auf den Jobverlust in Rheydt angesprochen: "Vacha wird auf jeden Fall Auswirkungen bei uns haben, aber wie viele Kolleginnen und Kollegen am Ende tatsächlich betroffen sind, kann ich im Moment nicht genau beziffern."

Im Aufsichtsrat habe es eine "ewig lange Diskussion" um Vacha gegeben. Die Arbeitnehmer-Vertreteter hätten gegen das Auslaufen der Produktion gestimmt. Bis Mitte 2008 sollen hier noch Installationskabel (u.a. für den Hausbau, Elektrogeräte) hergestellt werden.

Mit einem Alternativkonzept eines Unternehmensberaters ("So retten wir Vacha") hatte sich der Betriebsrat gegen die Werkschließung gestemmt. Die Beschäftigten wollten auf zehn Prozent des Lohns verzichten. Vergebens.

Kurzarbeit wird ausgedehnt

Die deutschen Werke des französischen Multis beschäftigen rund 4000 Menschen. Auch in Rheydt sollen die Fixkosten um 1,5 Millionen Euro gesenkt werden - wegen der Krise.

Auch in Rheydt läuft nicht alles rund. "Das 1. Quartal lief noch ganz gut, aber jetzt reichen die Aufträge gerade mal noch für zwei bis drei Monate", sagte Nexans-Export-Manager Lothar Wilms zu einem früheren Zeitpunkt.

Wilms sorgt sich um die Zukunft des Kabelherstellers ebenso wie die rund 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen mehr als 160 weniger arbeiten. Die Zahl der Kurzarbeiter werde sich wohl schon kurzfristig erhöhen.

Gegen das betriebliche Ende in Vacha hatten Anfang April bis zu 400 Männer und Frauen in Rheydt demonstriert - aus Werken wie Nürnberg, Hannover, Bramsche, Berlin und Rheydt. Aus Vacha reisten damals mehr als 100 Betroffene an. Nicht wenige von ihnen reagierten aggressiv und enttäuscht auf die drohende Betriebsaufgabe. Auffallend auch die Protest-Poster. Eins trug die Aufschrift: "Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun." Sarkasmus pur, angelehnt an die Worte des gekreuzigten Jesus’.

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