Die Gruppe des St. Josefshauses in Hardt ist ein gelungenes Beispiel für die Integration behinderter Menschen.

Auch das Zillertal (hier die Gemeinde Strass) war schon ein Ziel.
Auch das Zillertal (hier die Gemeinde Strass) war schon ein Ziel.

Auch das Zillertal (hier die Gemeinde Strass) war schon ein Ziel.

privat

Auch das Zillertal (hier die Gemeinde Strass) war schon ein Ziel.

Mönchengladbach. Der Zufall ist ein ständiger Begleiter im Leben. Helene Hanraths kann das bestätigen. Sie ist Gründungsmitglied der „Juppi’s Wandervögel“, einer Wandergruppe des St. Josefshauses in Hardt. Und dass es diese Gruppe überhaupt gibt, war eben jener pure Zufall an einem Junitag vor 30 Jahren.

Die 78-jährige Helene Hanraths arbeitete damals als Heilerziehungspflegerin im Josefshaus, einem Heim zur Pflege von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Bei einem der wöchentlichen Waldspaziergänge mit den Bewohnern des Hauses traf Hanraths bei der Jugendherberge-Hardt auf eine große Menschenmenge – Teilnehmer des internationalen Wandertages.

„Bewegung ist das A und O. Und Wandern hilft da besonders gut.“

Helene Hanraths Vorstand bei „Juppi’s Wandervögel“

Die Gruppe wanderte spontan bei dem vom Wanderverein Mönchengladbach organisierten Treffen mit. Aufgrund der Begeisterung der Bewohner entstand bei den Gruppenleitern die Idee, eine eigene Wandergruppe zu eröffnen. In Kooperation mit dem Gladbacher Wanderverein gründeten Helene Hanraths und Johannes Kück kurz darauf „Juppi’s Wandervögel“.

„Bewegung ist das A und O“, sagt Hanraths. „Und viele Bewohner haben Koordinationsschwierigkeiten. Da hilft Wandern besonders.“ In diesem Jahr feiern die Wandervögel ihr 30-jähriges Bestehen. Ein Jubiläum, das zeigt, wie nachhaltige Integration behinderter Menschen gelingen kann.

„Wir sind so eine Art Vorreiter in der Richtung“, sagt Hanraths. Zu einer Zeit, als es den Begriff Inklusion noch gar nicht gegeben habe, habe man schon viel dafür getan.

Über 90 000 Kilometer haben die Mitglieder der Wandergruppe des St. Josefshauses in Hardt bereits abgelaufen. Insgesamt haben schon 126 Hausbewohner teilgenommen. Derzeit gibt es 35 aktive Wandervögel.

In den drei Jahrzehnten hat die Gruppe bereits in elf von 16 Bundesländern Halt gemacht. Außerdem reisten sie quer durch Europa: Neben den Benelux-Staaten waren sie auch in Frankreich, Österreich und Dänemark.

Gemeinsam mit Johannes Kück, dem Vorsitzenden des Vereins, organisieren beide seit 1984 rund ein Dutzend Fahrten ins In- und Ausland. Neben Metropolen wie Paris, Hamburg und Berlin standen auch Ziele wie Heidelberg und Freiburg an. Und besonders die Jubiläumsfahrt zum 25-jährigen Bestehen in der Umgebung Freiburgs sei ein „denkwürdiges Erlebnis“ gewesen, erzählt Hanraths. Überhaupt seien die großen Wanderungen meist die schönsten.

Zu Beginn der Zusammenarbeit habe es allerdings Skepsis gegeben. Behinderte und Nichtbehinderte zusammen in einem Verein. Kann das gutgehen? Mittlerweile, sagt Hanraths, ist die Integration der Heimbewohner nicht mehr wegzudenken – sie sind von allen als ein Teil der Wandergruppe akzeptiert.

Auf den Touren müssten die Betreuer schon gut aufpassen. „Gerade mit den Behinderten gehen wir auf den vorgezeichneten Wegen“, erklärt Hanraths. Alle anderen Strecken, abseits der markierten Routen, seien tabu.

Freundschaften in ganz Europa geschlossen

Mittlerweile, so Hanraths, habe man viele Freundschaften geschlossen. Sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden, Belgien oder Luxemburg bestünden gute Verbindungen. „Wir richten zwei Mal im Jahr Wandertage aus, an denen dann Gäste aus dem Ausland kommen“, sagt das langjährige Mitglied.

Die Reisestationen für dieses Jahr stehen selbstverständlich schon fest. Geplant sind Reisen nach Holland, Luxemburg und Belgien. Die Jubiläumstour führt dann im Oktober in Richtung Magdeburg. Dort wandern die „Juppi’s“ mehrere Tage durch die Landschaft.

Die Feier zum 30-jährigen Bestehen findet am Sonntag, 12. Januar, statt. Dann besuchen die Mitglieder den Wandertag des Internationalen Volkssport-Verbandes (IVV) in Bielefeld. Später gehen die Feierlichkeiten im Saal des St. Josefshauses weiter.

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