80 Junggesellen-Schützen sind ohne Prachtketten – sie und mehr wurden gestohlen.

Neuwerk
Da konnten sie noch lachen (v.l.n.r.): Marcel Wessel, Stefan Platzer, Christoph Fels – Chef der „Junggesellen“, hier mit der verschwundenen Königskette – und Sven Lehnackers.

Da konnten sie noch lachen (v.l.n.r.): Marcel Wessel, Stefan Platzer, Christoph Fels – Chef der „Junggesellen“, hier mit der verschwundenen Königskette – und Sven Lehnackers.

Ralf Topmüller

Da konnten sie noch lachen (v.l.n.r.): Marcel Wessel, Stefan Platzer, Christoph Fels – Chef der „Junggesellen“, hier mit der verschwundenen Königskette – und Sven Lehnackers.

Mönchengladbach. Auf dem Foto rechts hat Christoph Fels noch gut lachen. Da zeigt sich der Präsident der St. Maria Junggesellen-Bruderschaft Neuwerk von seiner glänzenden Schützen-Seite – und mit prächtiger Königskette. Doch das, was den König ausmacht, ist verschwunden. Gestohlen etwa? Oder war es die Tat eines „Scherzboldes“, der die Neuwerker erschrecken will? Bis Donnerstag gab es laut Polizei keine „brauchbaren Hinweise“. Schlimmer noch: Der Polizeibeamte, der in der Sache ermittelt, ist erkrankt.

Damit die „Junggesellen“ so schnell wie möglich ihre guten Stücke zurück bekommen, spenden Neuwerker Bares und stocken so den Finderlohn bzw. die Belohnung für erfolgreiche Hinweise auf. Bislang beträgt die Summe 2100 Euro, und täglich würden es mehr, berichtet Fels dankbar.

Kleines Archiv im ehemaligen Bunker

„Normalerweise“, sagt Fels, lagert das große und kleine Königssilber – zwei Ketten, die mit reichlich Plaketten und Zeichen Brust und Rücken dekorieren – in einem schwarzen Samsonite-Koffer. Der wiederum steht im Archiv der Schützenschar. Das ist in zwei kleinen Räumen eines ehemaligen Bunkers an der Engelblecker Straße untergebracht.

Die Zimmerchen müssen die „Sankt Marianer“ aufgeben. Die Stadt bzw. ihre Stadtentwicklungsgesellschaft EWMG habe den Komplex verkauft, der Investor wolle ihn sanieren und die Wohnungen vermieten.

Offensichtlich war jemand gut darüber informiert, dass der „Königs-Koffer“ in der Wohnung des amtierenden Schützen-Herrschers Sven Brosch steht. Der junge Mann ist Friseur-Azubi und arbeitet nicht selten bis zum Abend. Das große Königssilber benötigte Brosch für einen Foto-Termin. Fels zur WZ: „Das Silber war immer mal beim jeweiligen König deponiert. Das ist doch immer gut gegangen.“

Die St. Maria Junggesellen-Bruderschaft Neuwerk-Kloster ist eine von vier Gesellschaften in dem Stadtteil. Die Neuwerker „Junggesellen“ zählen rund 80 Mitglieder. Ihr Präsident ist Christoph Fels. Der bedauert, dass es keine Hinweise auf das Königssilber gibt.

Diesmal ging es schief. Laut Polizei stiegen der bzw. die Unbekannten in der Nacht zum Neujahrstag zwischen 18.45 und 5.05 Uhr in Broschs Wohnung ein. Neben den Ketten nahmen sie zwei Brudermeister-Orden, Geld, Laptop und Spiele-Konsolen mit.

„Der ideelle Wert macht das Silber so wertvoll.“

Christoph Fels 1. Junggeselle

Fels sagt: „Gerade der ideelle Wert ist es, der unser Silber so wertvoll macht.“ Das älteste Teil des (großen) Königssilbers zeigt einen Schützenvogel aus dem Jahr 1755. In diesem Jahr wurde die Bruderschaft gegründet. Die Aufschrift auf der antiken Plakette lautet: „Damm undt Odinger Huntschaft Jungeselen“.

Wie bei anderen Schützen-Gesellschaften auch, spenden Könige für das Würde und Achtung einflößende Umhängsel Plaketten. Auf diese Weise verewigen sie sich im Königssilber. Das wird im Laufe der Jahre immer schwerer – so auch bei den Junggesellen, von denen so manche gar keine mehr sind.

Auffällig in Brusthöhe der entwendeten Großkette ist ein Anhänger mit etwa 20 Zentimetern Durchmesser. Darauf ist laut Christoph Fels ein Marienbildnis aus dem Jahr 1902 zu sehen. Es wurde aus Silber-Plaketten von Ex-Königen gegossen. Der Präsident spricht bei diesem Erinnerungsstück von einer „Mondsichel-Madonna“.

Wer Hinweise auf den schwarzen Koffer und seinen wertvollen Inhalt geben kann, wendet sich an die Polizei unter der Telefonnummer MG 290.

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