Ein zweitägiges Musikevent fürs kommende Jahr wird derzeit in der Stadt diskutiert.

Red

Ende Februar bestand noch ein Fünkchen Hoffnung, inzwischen steht definitiv fest: In diesem Jahr wird es auf dem Gelände im Joint Headquarter (JHQ) kein Rock-Festival geben. „Wir peilen 2018 an, wollen in Ruhe und nicht unter Zeitdruck alles vorbereiten müssen. Denn der Teufel steckt wie immer im Detail“, sagt Hockeypark-Geschäftsführer Micky Hilgers, der die Veranstaltung mit Rock-am-Park-Chef Marek Lieberberg plant.

Knackpunkt sind die Verkehrssicherungspflichten und die damit verbundenen Kosten. Bei einem eintägigen Festival sind die finanziellen Aufwendungen beträchtlich, die Einnahmemöglichkeiten aber eingeschränkt. Geht das Festival über zwei Tage, relativieren sich Ausgaben und Einnahmen. Insofern deutet alles darauf hin, dass das Team Lieberberg/Hilgers im nächsten Jahr eine zweitägige Veranstaltung ins Auge fasst. Doch hinter den Kulissen rumort es. Jetzt ist aber offenbar nicht mehr die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümer des mehr als 370 Hektar großen Geländes der böse Bube. „Die Qualität der Gespräche mit der Bima hat sich erheblich verbessert. Sie hat sich auch deutlich bewegt“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Hans Peter Schlegelmilch.

„Die Situation ist ziemlich verwirrend.“

Felix Heinrichs, SPD-Fraktionsvorsitzender

Als Mönchengladbach 2014 als Standort von Rock am Ring im Gespräch war, gab es viel Kritik an der Bima, weil sie als Bremsklotz dargestellt wurde. Seinerzeit sind Schlegelmilch und der SPD-Fraktionsvorsitzende Felix Heinrichs durch die halbe Republik gereist, um in Gesprächen mit Lieberberg in Frankfurt und drei Bima-Vorständen in Berlin Mönchengladbach als Festival-Standort zu etablieren. Dies gelang auch – bis sich Lieberberg dann doch für Mendig als Standort für Rock am Ring entschied, den Gladbachern aber ein Festival für 2016 versprach.

Das wurde später auf 2017 verschoben, jetzt gilt 2018 als Termin. Mönchengladbach gilt auch immer noch als Top-Standort für ein mehrtägiges Rockfestival in NRW: Die Anbindung über zwei Autobahnen (A 61, A 52) ist hervorragend.

Die Nähe zu den Niederlanden und nach Belgien gilt als weiterer Pluspunkt. Und im Prinzip ist das als Festivalwiese ausgeguckte Gelände im JHQ als gut geeignet. Das größte Problem sind die 2000 Gebäude, die sich nach dem Abzug der Briten mittlerweile in einem ziemlich maroden Zustand befinden. Zwischen 40 bis 45 Millionen Euro kostet es, sie abzureißen. Das Beispiel der Niederrheinkaserne an der Kaldenkirchener Straße macht deutlich: Mit jedem Jahr, das ins Land geht, sinkt die Bereitschaft, kräftig zu investieren und die Häuser dem Boden gleichzumachen.

Dieser Zustand treibt aber auch die Kosten für die Verkehrssicherung in die Höhe. Ein Veranstalter muss verhindern, dass Besucher über Schleichwege aufs Festival kommen. Er muss auch ausschließen, dass sie sich in den baufälligen Gebäuden zurückziehen. Die Bima will sowohl das juristische als finanzielle Risiko nicht tragen. Und die Stadt schließt für sich ebenfalls aus, die Haftung zu übernehmen. „Die Situation ist ziemlich verwirrend. Wir haben nach wie vor den Wunsch, hier ein Festival zu etablieren. Aber nicht um jeden Preis“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Felix Heinrichs. Deshalb sähe es die Stadt gerne, wenn Bima und Lieberberg/Hilgers sich untereinander einigten und einen Vertrag abschließen würden. Die Stadt will in diesem Konstrukt dann nur noch den ordnungspolitischen Part übernehmen. Die Bima aber besteht auf einen Zwischenvertrag – und da ist dann für die Stadt ihre Tochter EWMG im Boot. Sie soll nach intensiver Beratung durch Juristen Marek Lieberberg einen Vertrag zugeschickt haben. Im Gegensatz zu anderen, früheren Entwürfen, die sich auf einigen Seiten beschränkten, ist das neue, komplizierte Werk 23 Seiten stark. Lieberberg soll, so Insider, darüber nicht sehr begeistert gewesen sein.

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