Für Lehrer sind die Schüler oft eine Herausforderung.

Mönchengladbach. Verena Pettrup hat in ihrem Beruf schon viel erlebt – und geschafft. Dass sich die Zahl der Flüchtlinge an ihrer Schule nun aber mehr und mehr erhöht, ist auch für die Schulsozialarbeiterin am Berufskolleg Mülfort „definitiv eine Herausforderung“. Denn die Schüler, die an die Schule kommen, können zum Teil kein einziges Wort Deutsch.

„Manche Kinder lernen erst das ABC, weil sie aus ihrer Heimat ein anderes Alphabet gewöhnt sind.“

Ursula Stegemann-Hirsch, Schulleiterin

Flüchtlingskinder, die schulpflichtig sind, müssen sich mit ihren Eltern oder – falls sie alleinreisend sind – mit ihrem gesetzlichen Vormund bei der Arbeitsstelle für Integration am Berliner Platz vorstellen. „Wir nehmen die Daten auf und testen die Sprachkenntnisse der Kinder“, sagt Firdas Ziani, Mitarbeiterin der Arbeitsstelle. „Danach sprechen wir eine Schulempfehlung aus.“ Letztendlich entscheide aber die Schule, ob sie die Kinder wirklich aufnimmt oder nicht. Theoretisch ist auch eine Ablehnung möglich, Ziani zufolge sei das allerdings bisher so gut wie nie vorgekommen. In der Regel wird darauf geachtet, dass die Schüler in der Nähe ihres Wohnortes zur Schule gehen können.

Dass die Schulen vorher von der Arbeitsstelle über die Aufnahme neuer Schüler informiert werden, kann Verena Pettrup nicht bestätigen. „Die meisten Schüler tauchen mitten im Schuljahr einfach hier auf“, sagt sie. „Sie stehen plötzlich mit einem Wisch in der Hand vor der Tür“, sagt die Sozialarbeiterin. Auch der aktuelle Asylstatus der Schüler ist für Pettrup oft nicht klar.

Am Berufskolleg landen die Schüler dann in der sogenannten Klasse für Berufsschulpflichtige ohne Ausbildungsverhältnis. Zurzeit seien schätzungsweise acht dieser Schüler an der Schule, sagt Pettrup. Mit manchen sei ein Unterricht auf Englisch möglich, einige sprechen auch Spanisch und können von Spanischlehrern unterrichtet werden. Bei anderen müssen Mitschüler als Dolmetscher einspringen. „Wir haben beispielsweise einen albanischen Schüler, der gar kein Deutsch spricht. Da muss dann ein albanischer Schüler aus einer anderen Klasse helfen“, sagt Pettrup. Manchmal nutzen die Lehrer für ihren Unterricht auch ein Übersetzungsprogramm aus dem Internet.

In der katholischen Grundschule Waisenhausstraße gibt es für die Flüchtlingskinder eine sogenannte Auffangklasse. „Diese Klasse besteht momentan aus 16 Kindern“, sagt Schulleiterin Ursula Stegemann-Hirsch. „Wie lange sie dort bleiben, ist total unterschiedlich. Manche Kinder lernen dort erst das ABC, weil sie aus ihrer Heimat ein anderes Alphabet gewöhnt sind.“

Für Sprachunterricht wird die Schulpflicht aufgehoben

Insgesamt sind an der Schule um die 30 Seiteneinsteiger. „Den Status ,Seiteneinsteiger’ hat das Kind innerhalb der ersten zwei Jahre, in denen es eine deutsche Schule besucht“, erklärt Stegemann-Hirsch. Wenn die Schüler weit genug sind, um eine Regelklasse zu besuchen, bekommen sie zunächst einen individuellen Stundenplan, der aus einer Mischung aus Unterricht in einer Auffang- und einer Regelklasse besteht. Auch in den Regelklassen wird viel Rücksicht auf die Sprachkenntnisse der Kinder genommen. „Zum Beispiel im Mathematikunterricht. Da ist es wichtig, dass das Kind den Unterschied zwischen Wörtern wie teilen und verteilen versteht“, erläutert die Schulleiterin.

Das Berufskolleg versucht auch, die Schüler in Sprachkurse an der Volkshochschule zu vermitteln. Das gestaltet sich allerdings oft schwierig. Denn die Integrationskurse für Jugendliche an der Volkshochschule sind eigentlich nicht als Ergänzung zum Unterricht an der Berufsschule gedacht, sondern als Ersatz. „Dafür muss von offizieller Stelle erst einmal die Schulpflicht des Jugendlichen aufgehoben werden“, erklärt Cleopatra Altanis, Bereichsleiterin für Integration an der Volkshochschule. Zudem sind die Kurse für die Teilnehmer erst dann kostenfrei, wenn sie eine Aufenthaltserlaubnis haben.

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