Ordnungsamt, Polizei und Jugendschutz kontrollieren den Alkohol-Missbrauch bei jecken Jugendlichen.

Arbeitsplatz Veilchendienstagszug: Willi Cohnen, Thorsten Licht, Guido Woythe, Bernhard Prinzen und Willi Schinken (v.l.).
Arbeitsplatz Veilchendienstagszug: Willi Cohnen, Thorsten Licht, Guido Woythe, Bernhard Prinzen und Willi Schinken (v.l.).

Arbeitsplatz Veilchendienstagszug: Willi Cohnen, Thorsten Licht, Guido Woythe, Bernhard Prinzen und Willi Schinken (v.l.).

Arbeitsplatz Veilchendienstagszug: Willi Cohnen, Thorsten Licht, Guido Woythe, Bernhard Prinzen und Willi Schinken (v.l.).

Mönchengladbach. Es ist 13.30 Uhr, gerade hat sich der Veilchendienstagszug in Bewegung gesetzt. Auf der Hindenburgstraße lässt das Karnevals-Vergnügen bei der 15-jährigen Jessica (Name geändert) plötzlich stark nach. Mit zitternden Lippen bläst sie in das Alkohol-Testgerät von Polizist Willi Schinken. Der hat sie gemeinsam mit dem Jugendschutzbeauftragten des Jugendamtes, Thorsten Licht, und Ordnungsamt-Mitarbeiter Guido Woythe gerade beim Biertrinken erwischt.

Jugendamt, Ordnungsamt und Polizei sind unterwegs, den Alkohol-Missbrauch bei Jugendlichen zu bekämpfen. Es ist ein Anrennen gegen Windmühlen. "Wir werden die Welt nicht retten können, aber wir zeigen Präsenz und der Jugend wenigstens, dass sie nicht alles darf", sagt Schinken, Präventionsbeauftragter der Gladbacher Polizei.

Jessica erfährt ihr Testergebnis: 0,3 Promille. Das sind 0,3 Promille zuviel. Unter 16 Jahren gibt es keine Toleranz. Woythe fährt mit ihr zum Jugendclub Westend, wo sie betreut und dann von ihren Eltern abgeholt wird. Im Bus des Ordnungsamtes schießen der 15-Jährigen die Tränen in die Augen. Ob sie weint, weil sie den Zoch verpasst oder weil sie Angst vor der Beichte bei den Eltern hat, bleibt ihr Geheimnis.

Schinken und sein Team ziehen weiter die Hindenburgstraße hoch. Der erfahrene Polizist lässt hier und da Minderjährige ihr Bier oder Mixgetränk selbst in den Gulli kippen. Er geht offen und entspannt auf die jungen Trinker zu. "Wir wollen ja niemandem den Spaß verderben, es geht um den Schutz der Jugend." Spott und dumme Sprüche müssen er und die Kollegen sich trotzdem anhören. Die Ohren stehen auf Durchzug.

Immer mehr Jugendliche greifen zu den "harten Sachen"

Um 14 Uhr ist Besprechung in der Altstadtwache. Zwischenbilanz: Zwei angetrunkene Mädchen im Jugendclub, ein Kiosk wegen des wiederholten Verkaufs von Alkohol an Kinder geschlossen und etliche Liter Bier und Schnaps entsorgt oder beschlagnahmt. Gegen Abend wurden es mehr Jugendliche in Westend und mehr Alkohol in der Kanalisation. Mehr als noch 2008.

Ansgar Günther vom Ordnungsamt sagt: "Die Zahl der Alkohol-Missbräuche steigt drastisch. Und es sind nicht mehr Verstöße, bei denen ein 15-Jähriger mal ein Bier trinkt. Es geht meistens um die harten Sachen, zum Beispiel Wodka."

Fast wie zum Beweis ist der nächste "Sünder" ein 17-Jähriger mit einem Schnaps-Patronengürtel um die Hüfte. Der Alkohol wird konfisziert, die Personalien aufgenommen. Beim 16-Jährigen Marcel (Name geändert) stimmt dagegen ausnahmsweise mal die Ausrede "der Wodka-Red Bull gehört meinem Kumpel". Nach drei Versuchen ist der 20-jährige Kumpel gefunden, die Sache mit einer Ermahnung erledigt.

"Wir werden heute Abend noch unterwegs sein", sagt Bernhard Prinzen vom Ordnungsamt, der den Einsatz der vier Kontrolltrupps koordiniert. "Dann wird es in den Kneipen auch vermehrt zu Schlägereien kommen", fügt er hinzu, während Sanitäter um 15.30 Uhr an der Aachener Straße eine erste jugendliche "Schnapsleiche" aus dem Getümmel bergen.

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