Im Dorint nahm die Polizei einen 33-Jährigen fest. Auch dort blieb er bisher seine Rechnung schuldig.

Mönchengladbach. Nur die Polizei und der Direktor des Dorint-Hotels am Bunten Garten wussten am Mittwoch, was da gerade unauffällig im Haus passierte: die Festnahme eines Hochstaplers, der bei mindestens drei Autohäusern in Mönchengladbach Luxusautos erschwindelt haben soll.

"Der Mann hat von diesen Tricks gelebt."

Willy Thevessen Polizeisprecher

Den Namen wechselte er ständig, die Masche war aber immer die gleiche. Er stellte sich als Geschäftsführer großer Unternehmen vor, der ein oder mehrere repräsentative Firmenfahrzeuge sucht. Um herauszufinden, ob dieser oder jener Luxuswagen der richtige für ihn sei, wolle er ihn für einen Tag oder ein Wochenende ausprobieren.

"Der Mann ist sehr wortgewandt, er gibt sich äußerst weltmännisch, sieht gut aus und hatte damit Erfolg", berichtet ein Polizeisprecher nach der Festnahme des Mannes. Die Händler, die ein gutes Geschäft witterten, kamen ihm gerne entgegen und überließen ihm Limousinen und andere Wagen zur Probefahrt oder Testmiete.

Die Wagen brachte er nach einem Tag oder einem Wochenende aber nicht zurück. Vorsichtig versuchten einige Autohändler, ihn zu kontaktieren. Sie wollten sich kein Geschäft zerstören und wandten sich erst einmal nicht an die Polizei, sondern versuchten, selbst ihre Pkw zurück zu bekommen. Der 33-Jährige gab die Wagen wenn überhaupt zurück, wenn es ihm allzu brenzlig wurde. Er redete sich dann mit Geschäftsreisen heraus, wegen derer er vergessen habe, den Wagen zurückzugeben oder suchte ähnliche Ausreden und kam damit durch.

Mit den dicken Schlitten fuhr er dann bei Hotels vor. Auch das Holiday Inn in Gladbach soll von ihm geschädigt worden sein. In den Sterne-Hotels ließ er es sich gut gehen. "Von diesen Tricks hat er quasi gelebt", sagt Polizeisprecher Willy Thevessen.

Im Dorint sei er nicht besonders auffällig gewesen und bestellte nicht etwa Champagner, sagt Hoteldirektor Ben Lambers. Allerdings sei er als Gast mit "überdurchschnittlichem Auftreten" und "sehr großem Selbstbewusstsein" bemerkt worden.

Eine ergaunerte Mercedes E-Klasse stand vor dem Hotel

1855 Euro für die Übernachtungen seit dem 5.Mai, Essen im Dorint-Restaurant und Drinks an der Bar konnte der Mann nicht begleichen. "Aber wir sind froh, dass die Rechnung durch den Erfolg der Polizei nicht noch größer geworden ist", sagt Lambers. Das Hotel hat dem 33-Jährigen eine Frist bis heute gesetzt, um zu zahlen. Sonst gibt es eine Anzeige. Die vor dem Hotel parkende Mercedes E-Klasse konnte der Händler abholen.

Nicht in allen Fällen war der gebürtige Portugiese mit der "Kleider machen Leute"-Nummer erfolgreich. Bei einem Mönchengladbacher Toyota-Händler biss er auf Granit. Er hatte angeblich zwei Lexus für die Firma im Auge. Doch ein über 100 000 Euro teures Test-Auto wollte man ihm nicht überlassen. Bei einem Honda-Händler in der Stadt hatte er mit einem Accord mehr Glück. Laut Polizei gibt es eine Vielzahl unterschlagenern Wagen und andere Betrugsfälle.

Vor einigen Wochen hatten die Ermittler des Kommissariats zur Bekämpfung von Kfz-Kriminalität sich an die Fersen des Mannes geheftet, nachdem er im Zusammenhang mit einem angemieteten Fahrzeug vernommen worden war. Mal tauchte seine Meldeadresse in Mönchengladbach, wo er noch nie gelebt hat, oder seine Handynummer, immer mit verschiedenen Namen, im Zusammenhang mit Auto-Delikten auf. Schließlich kam von einem Zeugen der entscheidende Dorint-Tipp.

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