Vogelfreunde plädieren für Fütterung der Tiere nicht nur im Winter.

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Sylvia Urbaniak und Kirstin Hilgers (v.l.) kümmern sich um Vögel – nicht nur im Winter.

Sylvia Urbaniak und Kirstin Hilgers (v.l.) kümmern sich um Vögel – nicht nur im Winter.

Jörg Knappe

Sylvia Urbaniak und Kirstin Hilgers (v.l.) kümmern sich um Vögel – nicht nur im Winter.

Mönchengladbach. Auf den Balkon von Kirsten Hilgers in Windberg kommen stets viele Gäste: Kohlmeisen und Blaumeisen, Rotkehlchen, Buchfinken und Eichelhäher. Sie wissen, dass dort immer Futter für sie bereit liegt.

Im Winter werden pro Woche zehn Kilo Vogelfutter verkauft

Hilgers versorgt ihre gefiederten Besucher fachkundig und ausgiebig. Im Winter verbraucht sie zehn Kilo Futter pro Woche. Dass die Fütterung von Wildvögeln in Deutschland immer noch umstritten ist, kann die Vogelliebhaberin, die ehrenamtlich in einem Verein für Wildvogelhilfe mitarbeitet, nicht verstehen. "Renommierte Ornithologen wie Professor Peter Berthold von der Vogelwarte Radolfzell plädieren für die Fütterung von Wildvögeln", erklärt sie. "Wir haben so massiv in den Lebensraum der Vögel eingegriffen, dass sie jetzt unsere Hilfe brauchen."

Aufgeräumte Gärten, der Einsatz von Insektiziden oder fehlende Nistmöglichkeiten machen den Vögeln das Leben schwer. Unfälle durch Autos oder Glasscheiben kommen dazu. Durch die Fütterung helfe man nur, die Population zu stabilisieren.

Jetzt im Winter leiden die Vögel besonders: Schnee und Kälte setzen ihnen zu. Vögel haben eine sehr hohe Körpertemperatur und verlieren nachts stark an Gewicht. "Eine Meise verliert zehn Prozent ihres Körpergewichts in einer Nacht", erklärt Hilgers. "Sie ist darauf angewiesen, morgens schnell wieder Nahrung zu finden."

Mit der Fütterung sollte man bereits im September beginnen

Deshalb sei es wichtig, dass die Vögel die Futterstellen kennen und nicht lange suchen müssen. "Am besten beginnt man mit der Fütterung bereits im September", meint die Mönchengladbacherin, die sich von klein auf mit dem Thema beschäftigt hat. Zwar könne man auch jetzt noch Meisenringe oder anderes Futter aufhängen, aber nur noch wenige Tiere werden es finden. Je früher man beginnt, desto besser wird die Futterstelle angenommen.

Die Fütterung von Vögeln in durchschnittlich kalten Wintern, besonders, wenn es keine lange anhaltenden geschlossene Schneedecke gibt, ist umstritten. Kritiker befürchten, dass dadurch das ökologische Gleichgewicht gestört wird. Aber die Zahl der Befürworter steigt.

"Vögel füttern - aber richtig" von Peter Berthold, Kosmos-Verlag, August 2008, 95 Seiten, ISBN-10: 3440116441.

Auf Hilgers´ Balkon finden sich täglich um die 200 Vögel ein. Etwa zwanzig verschiedene Arten hat die Hobby-Ornithologin gezählt. Allen, die immer noch nicht glauben wollen, dass eine Fütterung sinnvoll ist, rät sie, Professor Bertholds Buch "Vögel füttern - aber richtig" zu lesen. Es belege nicht nur die Richtigkeit des Fütterns, sondern gebe auch Tipps zum Futter und porträtiert die heimischen Vogelarten.

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